S-Bahn-Gespräche

Die beiden Mädchen, offensichtlich türkischer Herkunft und etwa 18 Jahre alt, sind fröhlich. Die eine singt im Waggon und die andere klatscht dazu. Beim Aussteigen in der Dämmerung benutzt die eine die Tür als Spiegel und sagt laut und vernehmlich: „Ich bin zu dünn geworden“.

Das hört man selten von Frauen, eher das, was daraufhin die andere sagt: „Ich bin zu dick!“. Bestätigen kann ich weder das Eine noch das Andere, kann es mir aber nicht verkneifen zu sagen: „Dann müsst Ihr halt untereinander etwas austauschen.“ Das macht sie dann doch verlegen und sie verschwinden aus dem Wagen.

Da tönt eine Frauenstimme von hinten: „Was die sich heute trauen, wir hätten das früher allerhöchstens vor dem Badezimmerspiegel gemacht!. Und ein Mann: „Jaja, die sehen sich schon bei Dieter Bohlen in der ersten Reihe.“

Zwei Stationen später steigt ein Mann mit Aktentasche in den Waggon und setzt sich hin. Kurze Zeit später ruft eine Frau über zwei Reihen: „Kommen Sie von der Arbeit oder von zuhause?“ Der Mann reagiert nicht. „Hallo, fahren Sie zur Arbeit oder kommen Sie von dort?“ Er schaut sich um und fragt ungläubig „Ich?“ „Ja, Sie“. Verlegen murmelt er vor sich hin: „Ich komme von der Arbeit.“

Die Frau gibt nicht auf und fragt: „Was arbeiten Sie denn?“ Mit dieser Anmache kann er dann aber doch nicht so umgehen und sagt leise: „Och, das möchte ich hier nicht so öffentlich diskutieren.“ Sie ist aber völlig ungeniert und meint: „Ach, schade eigentlich.“

Auf der Rückfahrt gegen 23 Uhr wird geschwiegen, die Leute sind müde, lehnen sich gegeneinander, dösen oder schlafen. Auch Schweigen kann beredt sein.

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Ein Kommentar zu S-Bahn-Gespräche

  1. Hanna sagt:

    wow,l ich wußte gar nicht wie kommunikativ die Hamburger sind!!!

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