Eigene Rituale entwickeln

Ohne irgendwelche statistischen Erhebungen kann ich wohl sagen, dass bei den meisten Leuten das Verhältnis zu Weihnachten geprägt ist von der Kindheit und von der Familie. Diese Erinnerungen sind natürlich vielfältig, so mancher vermisst die Geborgenheit der Familie, andere, wie auch ich, erinnern sich an den Stress, der mit dem Fest verbunden war, mit Essen, die sein mussten, auch wenn man sie als Kind gehasst hat, in meinem Fall der unvermeidliche Karpfen Blau, auf dem meine Großeltern bestanden haben. Aber, auch das wage ich zu behaupten, die Grundstimmung zu Weihnachten ist positiv, zumindest kann man nicht umhin, dieses Wintersonnenwendenfest als etwas ganz Spezielles zu betrachten.

Viele Leute versuchen, diese Kindheitserfahrung so lange, wie es nur eben geht, zu bewahren. Wenn ich mich hier in unserem jungen Stadtteil Friedrichshain umschaue, dann sind an Heiligabend die meisten Wohnungen dunkel und all die jungen Leute hat es heim gezogen in die Kindheitserinnerungen, in die Familie, in all den Sumpf, dem man eigentlich froh war, schon längst entronnen zu sein. Zu Weihnachten zieht es viele in diesen Sumpf zurück.

Doch irgendwann ist dieser Sumpf ausgetrocknet. Eltern sterben, junge Leute gründen ihre eigene Familie und entwickeln plötzlich ganz andere Prioritäten. Doch nicht jeder hat Kinder, denen man neue positive oder negative Gefühle zum Fest vermitteln kann. Was soll man also tun, wenn die „alte Weihnacht“ zerbricht?. Wenn die Eltern nicht mehr da sind oder sich, wie es heute „normal“ ist, durch Scheidung, Tod, Entfremdung und ähnliches die alte Weihnachtsfamilie in Luft aufgelöst oder in Patchwork verwandelt hat?

Was Paulsen in seinen Weihnachtsnotizen empfohlen hat, ist mir im Gedächtnis haften geblieben. Er sagt ganz schlicht: „Eigene Rituale erfinden.“. Und wir sind auf dem besten Wege dazu, das zu machen.

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Wie auch im letzten Jahr, haben wir gestern „Open House“ gemacht. Wer immer kommen möchte, kann kommen, es gibt Fondue (was sicher nicht auf Ewigkeit festgeschrieben ist), aber in diesem Jahr sah der Tisch nicht viel anders aus als in 2005. Alle Freunde von mir und Hanna, von Manu und Karsten (Mitgliedern des Berliner Clans) waren eingeladen zu kommen. Es trafen sich Leute von 20 bis über 60, und alle hatten ihren Spaß, sonst wären sie nicht wie im letzten Jahr bis nach 2 Uhr geblieben.

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Beim Essen wurde mehr oder weniger doll zugeschlagen, es wurde zur Gitarre gesungen (nein, keine Weihnachtslieder) und es wurde gespielt, ganz altmodisch Scharade.

Und die ersten Anmeldungen für nächstes Jahr haben wir schon.

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2 Kommentare zu Eigene Rituale entwickeln

  1. suzan sagt:

    warum keine weihnachtslieder? die gehören für mich einfach dazu…es ist richtig, man muss im laufe der zeit eigene rituale entwickeln, denn leben heißt auch ständige veränderung…zum glück, und da kann ich mich wohl sehr glücklich schätzen, habe ich immer nur schöne erinnerungen an weihnachten, ich wurde nie zu etwas gezwungen, was ich nicht wollte…aber bei karpfen blau, da wäre es für mich mit sicherheit auch zuende gewesen…du kannst mir richtig leid tun…weihnachten ist nähe, familie, der gute teil von familie, der teil, der wirklich wichtig ist…

  2. Axel sagt:

    Wenn Weihnachten Familie ist, was sollen die machen, die keine Familie haben? Das ist ein Teil der Situation, wenn Du richtig gelesen hast, dann ist der Artikel gar nicht weihnachtfeindlich 😉

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