Die Welt ist ein Dorf

Manchmal ist es schon überraschend, wie klein die Welt ist: meine Nichte beginnt am Montag in Berlin ein freiwilliges soziales Jahr. Und es hat sich herausgestellt, dass es die Organisation ist, bei der auch eine treue Leserin dieses Blogs und gute Freundin arbeitet. Ich sage ja immer, Zufälle gibt es nicht. Aber meine Finger hatte ich diesmal nicht drin, im Gegensatz zu anderen Gelegenheiten.

Das freiwillige soziale Jahr ist überigens eine interessante Sache. Vor Jahren habe ich mal an einer Studie im Auftrag zum Programm „Youth for Europe“ mitgearbeitet. Dort gibt es auch eine Komponente „European Voluntary Service“. In diesem Zusammenhang besuchte ich die entsprechenden Projektträger in Oslo, Helsinki, Kopenhagen, Bonn und den Niederlanden.

In Deutschland und zu einem gewissen Grad auch in Holland war es nicht schwierig, entsprechende Stellen zu finden, während in den skandinavischen Ländern das ein absolutes Problem darstellte. Der Grund war ein tiefgreifender kultureller Unterschied. Die Skandinavier sagen, dass auch soziale Arbeit eine Dienstleistung darstellt und deshalb normal bezahlt werden muss. Insofern war die Tradition des „freiwilligen sozialen Jahrs“ den entsprechenden Einrichtungen absolut fremd.

In Deutschland verweisen die Träger des FSJ bei Geschichtsbetrachtung immer darauf, dass der Dienst im Jahr 1954 vom evangelischen Landesbischof in Bayern ins Leben gerufen wurde. Die Historie in Deutschland ist aber länger, in den zwanziger Jahren wurden schon Forderungen nach einem allgemeinen Arbeitsdienst für Jugendliche laut. Diese Idee geriet aber in Verruf durch den fast paramilitärischen Reichsarbeitsdienst bei den Nazis, der für männliche Jugendliche vor dem Wehrdienst verpflichtend war und dem ein zunächst freiwilliger „Frauenarbeitsdienst“ zur Seite stand.

Das FSJ steht also durchaus in einer längeren Tradition.

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