Horrortrip

Prolog

Wir saßen noch ganz gemütlich vor dem Donnerstagsessen zusammen, denn ich hatte noch etwas Zeit, da Gerd und Karsten mich mit dem Auto zum Bahnhof Ostkreuz brachten.

Erster Akt
Erst als ich am S-Bahnhof Schönefeld die Rampe vom Bahnsteig Richtung Flughafen hinunterging, bemerkte ich, dass die Jeans, die wir bei Ebay ersteigert hatten, „Hängearschhosen“ (Begriff von Axel) sind. Und nun lief ich eine Hand am Hosenbund, die andere am Koffergriff tapfer auf das Flughafengebäude zu, denn den Shuttlebus gibt es nicht mehr.

Als ich dann mit einem Cheeseburger bewaffnet neben einem Pärchen vor dem Bildschirm mit der Gateanzeige saß und alle Flüge, auch die mit einer Abflugzeit nach uns, schon Hinweise auf den Abflug hatten, nur meiner nicht, befiel mich eine leichte Ängstlichkeit. Also fragte ich meine netten jungen Nachbarn, Engländer, welches unsere Gatenummer wäre. Sie sagten, ebenfalls sichtlich beunruhigt, sie wüssten es auch nicht, aber sie säßen schon seit 7 Uhr morgens dort, weil ihr erster Flug nach Stansted ausgefallen war. Wir waren also ganz erleichtert, als endlich die Nummer erschien.

Wir gingen daraufhin, ich immer noch die Hand an der Hose, in die hinterste Ecke der Abflughalle und ich fand frohen Mutes sogar einen Sitzplatz. Allerdings erschien kein Flugzeug. Dafür kam die Ansage, zehn Minuten vor der geplanten Startzeit, dass wir ca. 90 Minuten später starten würden. Ich schaffte es noch, Axel anzurufen, der ähnlich betroffen war, so dass im Endeffekt wir ungefähr gleichzeitig ankommen sollten. Wir einigten uns noch darauf, Tickets für die Bahnfahrt von Stansted nach London gleich im Flugzeug zu kaufen, denn er meinte, die Züge würden garantiert bis ein Uhr fahren.

Als wir dann schließlichlich Flugzeug saßen, nach mehr als anderthalb Stunden, teilte uns der liebenswerte Pilot mit, dass es noch ca. 20 Minuten dauern würde, ehe die Enteisungmaschine frei wäre, um das Flugzeug für den Start vorzubereiten. Der Steward sagte mir auf Anfrage, dass es keine Bahntickets mehr im Flugzeug gäbe, aber ich mir keine Sorgen machen bräuchte, da es einen ständigen Busshuttle-Service zwischen Stansted und London gäbe. Ich ergab mich in mein Schicksal.

Zweiter Akt

Nach Ankunft in Stansted begab ich mich, so schnell es meine Hosen zuließen, in die Gepäckhalle, es war inzwischen 1:15 Uhr, und hoffte dort meinen geliebten Ehegatten zu treffen. Aber er war nicht da, denn er hatte den gleichen Wunsch nach einer Zigarette verspürt, war viel früher als ich da und sammelte schon alle Informationen, die wir zur Weiterfahrt nach London brauchten. Mein Handy hatte noch genug Strom, um ihn anzurufen und, beruhigt durch das Gespräch, bekam ich mit Hilfe meiner neuen weiblichen englischen Bekannten meinen Koffer vom Band. Alle Männer standen herum und halfen mir nicht. Endlich fand ich dann auch Axel und konnte nach 5 Stunden meine erste Zigarette vor dem Gebäude rauchen.

Es dauerte weitere 30 Minuten bis wir schließlich mit Tickets bewaffnet an der richtigen Haltestelle mit unglücklicherweise mehr als 100 anderen Wartenden eintrafen. Also fuhr der erste Bus ohne uns und der nächste kam immerhin schon 20 Minuten später mit einem sehr zuverlässig arbeitenden Busfahrer, der erst das Gepäck einlud und dann endlich alle in des etwas wärmeren Bus ließ, um die Fahrkarten überprüfen zu können. Die Sitze waren zwar bequemer als die bei Ryanair, dennoch hatte das Stehen in der Kälte bewirkt, dass ich mich auf der Busfahrt nicht wirklich entspannen konnte. Nun ja, schließlich kamen wir so 3:10 Uhr (4:10 Uhr Berliner Zeit) an der Liverpool Street Station an.

Dritter Akt

Ich sah ein Taxi, fragte Axel, wie lange der Weg wäre und er meinte, ich wäre ihn schon gegangen und das wäre in Ordnung gewesen. So ca. die Strecke bis zum Ostkreuz. Nach 5 Minuten des Weges korrigierte es sich, und meinte, es sei eher die Strecke von unserer Wohnung zur Poliklinik in der Grünberger Straße, worauf ich nach weiteren 10 Minuten mich weigerte, weiter zu laufen und mich an einer Bushaltestelle hinsetzte. Mir war zum Heulen, die Hose rutschte immer noch, mir war zum Heulen, obwohl Axel schon beide Koffer zog, um mir den Weg zu erleichtern. Axels Überredungskunst brachte mich schließlich dazu, doch noch weiter zu laufen, es gab auch keinen Bus mehr, und schließlich kamen wir, ich mental auf ein fünfjähriges bockiges Kind zurückgeworfen, bei Michael an.

Epilog

Wenn einer eine Reise tut… Ich hätte nie geglaubt, dass ein Flug nach England die gleiche Anstrengung bieten kann wie einer nach Toronto. Anderseits war die Aufnahme durch Michael zu nachtschlafener Zeit so herzlich, dass ich mich schließlich in der Hinsicht auch fühlte, als ob ich in Kanada angekommen sei, bei der Familie.

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2 Kommentare zu Horrortrip

  1. Axel sagt:

    Noch ein Epilog:

    Am nächsten Tag, nach nur kurzem Schlaf, lief uns Hanna auf dem Fußweg zur Liverpool St. Station beschwingt davon 😉

  2. Hanna sagt:

    MANU schreibt bei Hanna!!!!!!!!!!!!!!!!

    So Hanna, dass nächste Mal erinnern wir Dich nicht nur an Ausweis,Handy und Brille sondern auch an ein Knäul Strippe!!!!!!!!!!! Kann man immer gebrauchen. Und nu hör auf zu Jammern!
    M&K

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