North Norfolk

Nach nur kurzer Nacht machten wir uns nach einem kleinen Frühstück schon auf den Weg nach Sheringham. Proviant für die vierstündige Bahnfahrt wurde unterwegs gekauft und da die Jungs die Trolleys hatten, durfte ich bezahlen. Eine sehr freundliche Kassiererin fragte mich sehr schnell, ob ich eine Boot’s-Karte hätte. Da ich nicht wusste, was das ist, musste ich zweimal nachfragen. Hier sprechen die alle so schnell Englisch. Sollte ich nochmal in eine solche Situation kommen, werde ich einfach sagen, ich habe mein Hörgerät vergessen. Ab in den Zug und in Norwich stiegen wir um in einen kleinen Bummelzug. Das Foto von Axel ist eines von dem wunderschönen renovierten viktorianischen Bahnhof in Norwich.

Norwich Station

Ab hier begann eine Reise in die Vergangenheit, denn die Szenerie ließ mich denken, jeden Moment müsse Peter Ustinov als Hercule Poirot um die Ecke kommen. Im Zug fanden wir einen Platz gegenüber einem Gentleman, der ein pensionierter Oberst hätte sein können, und er erzählte uns eine Menge über die Gegend. Gleich anfangs stellte er anhand meiner Aussprache fest, dass wir wohl Deutsche sein müssten und begrüßte uns mit ein paar deutschen Worten. Er erzählte uns anhand der Station Gunton, dass es ein königlisches Dekret gibt, das jeden zweiten Zug dazu verpflichtet, dort zu halten, obwohl niemand aus- oder einsteigt. Der Hintergrund für diesen Erlass war, dass Eward VII in der Nähe der Station den Landsitz Sandringham (noch immer königlicher Landsitz) besaß und daher immer diesen Zug benutzte. Dieser Erlass ist wohl noch nicht aufgehoben worden.

Notiz Axel: Der Gentleman hat zwei Sachen verwechselt. Eine kurze Recherche ergab, dass Gunton hauptsächlich für Lord Suffield gebaut wurde, der dort wohnte und einer der Hauptinvestoren in die „Bittern Line„, diese Eisenbahnlinie, war. Die Station von Edward VII ist Wolferton, die auch in Norfolk liegt, aber nicht an dieser Linie.

In Sheringham schafften wir es noch, zum Fleischer zu gehen und wunderbare Koteletts zu kaufen, denn wir wollten ein kleines Abendessen zusammen kochen. Die meisten Häuser in Sheringham sind mit großen Kieselsteinen vom Strand verputzt, die entweder halb oder ganz verwendet werden. Es gibt hübsche Giebelverzierungen aus Holz, buntbemalt, also insgesamt eine pittoreske Szenerie.

Michael's House

Samstag gab es dann den großen Einkauf für das Dinner, zu dem wir Freunde von Michael einluden und das ein voller Erfolg war. Das Witzige dabei war, dass zwei Deutsche ein typisches englisches Essen gekocht haben, und hätte es im Haus Muffinformen gegeben, dann hätte Axel zum Roast Beef sogar einen Yorkshirepudding gemacht. Doreen, eine Dame in den 70ern, rundete das Bild von Erinnerungen aus Agatha-Christie-Romanen ab, denn sie hatte den schwärzesten Humor, den ich je bei einer Dame ihres Alters erleben konnte. Engländer sind meines Erachtens durch die langen Jahre des British Empire toleranter gegenüber Ausländern und das bis ins hohe Alter.

Es war ein schöner Abend.

Sheringham

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