Meine erste Schallplatte

Wilson PickettAls ich so etwa sechzehn Jahre alt war, war die Hochzeit der  „Beatmusik“, wie man damals sagte. Da das Geld in unserer Familie nicht so reichlich gesegnet war, hatte meine Schwester einen Plattenspieler und ich ein Tonbandgerät (ein richtiges mit Spulen), dementsprechend besaß ich auch keine Platten. Sonntags wurde das Tonbandgerät angeworfen und die „NDR-Hitparade“ abgehört, natürlich wurden die Ranglisten auch sorgfältig aufgeschrieben.

Es war auch die Zeit, in der das andere Geschlecht besonders interessant war, allerdings mussten die Kontakte sorgfältig geplant werden, an einer reinen Jungenschule kam man nicht so leicht mit Mädchen in Kontakt. Beliebt waren deshalb Klassenfeste mit einer Klasse der benachbarten Mädchenschule. Manche meiner Klassenkameraden gingen auch schon in die damals mehr und mehr entstehenden Diskotheken, aber das war meinen Eltern zu verrucht, das hätten sie mir nie gestattet.

Eine Alternative waren die von Kirchengemeinden organisierten Jugenddiscos, da war man unter Aufsicht und die Eltern nahmen an, dass dort deshalb auch keine Drogengeschichten oder ähnliches liefen. Also machte ich mich eines Samstags fertig, erst unter die Trockenhaube mit auf Watte gewickelten Haaren, dann das giftgrüne Nyltesthemd mit einer lila Krawatte angezogen (kurze Zeit später hätte ich eine Krawatte über Jahre noch nicht einmal mit einer Kneifzange angerührt), Jackett mit schräg aufgesetzten Taschen und dazu knallrote Frotteesocken, und los ging es.

Das wurde dann ein ganz besonderer Abend. Ich lernte meine erste langjährige Freundin kennen und bei der stattfindenden Verlosung gewann ich den Hauptpreis, die oben gezeigte LP von Wilson Pickett. Nach der Disko brachte ich B. dann nach Hause am frühen Abend (diese Tanzveranstaltungen waren meist am späten Nachmittag). Unter dem einen Arm die LP, die andere Hand ganz schüchtern und züchtig in der Hand von B., die ich dann auch wohlbehalten zuhause ablieferte.

Ich traute mich dann noch, mich mit ihr zu einem Kinobesuch zu verabreden, ein Film von dem ich absolut nichts mitbekommen habe, das dunkle Kino war eine herrliche Gelegenheit zum Knutschen. Immerhin war ich danach bis zum Ende der Schulzeit mit B. zusammen, habe sie aber danach aus den Augen verloren.

Um die Platte zu hören, musste ich immer meine Schwester becircen und ihr den Plattenspieler abluchsen. Auch wenn ich die Platte heute noch habe, so ist sie längst digitalisiert in iTunes archiviert, alles Vinyl verstaubt mitsamt zweier mittlerweile eigenen Plattenspielern auf dem Boden.

Wie war das eigentlich mit Eurer ersten Platte oder CD? Ich traue mich und werfe mein erstes Stöckchen zu den Leuten vom Berliner Clan und auch zu Suzan. Hanna darf auch ihre Geschichte aufschreiben.

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10 Kommentare zu Meine erste Schallplatte

  1. Karsten sagt:

    Middle Of The Road – Chirby Chirpy Cheep Cheep
    (Schreibt man das so? Ich war fünf und konnte noch nicht richtig lesen, nur mitsingen)

  2. Axel sagt:

    Karsten, so leicht kommst Du mir nicht davon. Lies doch mal, was ein Stöckchen (ich habe extra einen Link gesetzt) ist oder lass es Dir von Manu erklären 😉

  3. Rixosus sagt:

    Hey Axel, schön von Dir so eine ganz persönliche Geschichte zu lesen! 🙂

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  8. Pingback: Der Berliner Clan » Blog Archive » Aua,Stöckchen hat getroffen und das gleich zweimal,

  9. Hans Josef Kling sagt:

    In den 70iger Jahren war die Trockenhaube ja ein Mythos.
    Alle Frauen sassen gerne darunter, beklagten aber gleichzeitig wie sehr sie doch darunter leiden mussten…
    Ich (53) habe durch die Trockenhaube 1972 meine erste große Liebe verführen können.
    Dies kam so. Eine Freundin meiner Schwester, war Friseuse, ich war ziemlich scharf auf sie, traute mich aber nicht richtig ihr das klar zu machen. Da kam mir der Zufall zu Hilfe. Bei einem Gespräch zwischen ihr und meiner Schwester erfuhr ich, daß sie „Modelle“ suchte. Wie damals üblich, hatte ich ziemlich lange Haare. Ergriff die Gelegenheit, und bot mich gleich als „modell“ an. Dann kam es aber anders, als ich erwartet hatte. Sie nutzte die Situation schamlos aus, drehte mir Lockenwickler ins Haar, und setzte mich dann unter die Trockenhaube. Stellte sie auch ziemlich Heiss ein, und lies mich ausgiebig sitzen. Da ich ihr imponieren wollte, biss ich die Zähne zusammen, und hielt durch, auch wenn es schwer fiel! Das machte dann Eindruck auf sie, und wir kammen uns näher…Auch wenn ich in der Folgezeit noch sehr oft unter der Haube schmoren musste, war es doch eine Herrliche Beziehung, die ich nicht müssen möchte.

    Heute wo es diese herrlichen Geräte kaum noch gibt, denke ich manchmel mit Wehmut an die Zeit zurück, und würde mich liebend gerne Wieder einmal unter die Haube setzen lassen.

  10. Axel sagt:

    Klingt sehr interessant, und wie ist es mit der Friseuse weiter gegangen?

    Bei mir war das alles nicht so professionell, die Trockenhaube, von der ich gesprochen habe, war ein Zusatzgerät zu einem Staubsauger (grüne Hausverkaufsmarke) und hat das ganze in ein Multifunktionsgerät verwandelt-

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