Eine Döner-Story

DoenerBild von Sarazyn

Döner esse ich eigentlich nicht gern, das kommt vielleicht einmal im Jahr vor und muss als absoluter Notfall bezeichnet werden. Dabei bin ich wohl mal wieder ein Exot, was das Essen angeht, denn Döner in Deutschland ist das Fast Food Nummer eins. Es werden wertmäßig in diesem unseren Lande etwa dreimal mehr Döner verkauft als MacDonald’s Umsatz macht, auch alle Formen der Wurst, ob Brat- oder Bockwurst, werden um Längen geschlagen.

Wenn man in Deutschland Döner sagt, ist meist das Fleisch von einem senkrechten Spieß gemeint, in ein Fladenbrot gepackt, mit einem gemischten Salat drauf und einer dicken Knoblauchsauce oder einer auf Mayonnaise basierenden Tunke serviert. Das wird dann häufig im Gehen oder in Verkehrsmitteln gegessen, wobei der Konsument dabei eine Spur von Brotkrümeln, Salatresten und Fleischfasern hinter sich her zieht. Es gibt Varianten in Kalb oder gar Huhn oder Pute, häufig mit einem elektrischen Messer vom senkrechten Drehspieß eher herunter massakriert als geschnitten.

Angeblich ist der Döner, wie wir ihn kennen, Anfang der 1970er in Berlin entstanden. Das führt zurück in eine Zeit, als sogar ich den Döner gut fand.

Ich war Anfang der 70er mit E. zusammen, die Sprache und Kultur des vorderen Orients studierte, ein Fach, in dem man Türkisch, Farsi und Arabisch studierte, drei Sprachen, die null miteinander zu tun haben. Die Türkei war das nächste Land und da war es folgerichtig nahe liegend, dieses Land zu besuchen.

Also sammelten wir unser Erspartes zusammen und schwangen uns auf den Zug von Frankfurt nach Istanbul, Billigflieger gab es ja noch nicht. 50 Stunden dauerte die Fahrt damals, natürlich im Sitzwagen, alles andere wäre zu teuer gewesen. Und der Zug war schon damals nicht der neueste, in die Türkei setzte die Bundesbahn ihre ältesten Wagen ein, die Abteile hatten noch 8 Sitze, natürlich nicht verstellbar.

In der Türkei bewegten wir uns dann mit Linienbussen fort, übernachteten in Hotels zu 5 DM, natürlich ohne Bad und mit türkischem Hockklo auf dem Flur, in dem teilweise statt Toilettenpapier nur ein Wasserhahn und ein Lappen vorhanden war. Die Reise führte uns von Istanbul über Ankara und Konya nach Antalya und von dort, Luxus pur, auf einer 3-Tagesfahrt mit dem Postschiff nach Izmir (Vollpension und Fahrt für 50 DM). Von Izmir ging es dann mit dem Bus wieder zurück nach Istanbul.

Diese Etappe führte uns über Bursa, einer der alten Hauptstädte des Osmanischen Reiches (14. Jhdt.). Und hier hatte ich einen Iskenderli Kebap (oder auch Bursali Kebap), wie ich ihn seither vergeblich gesucht habe. Feines Dönerfleisch, natürlich vom Lamm, wie es sich gehört, mit Tomatensoße und geschmolzener Butter, dazu einen knackigen Salat, natürlich als Tellergericht, nicht im Brot. So habe ich das nie mehr gefunden und war natürlich für das heutige Fastfood verloren.

An diese Reise, an dieses Essen hat mich heute ein Artikel im SPON erinnert, der natürlich alle meine Vorurteile/Urteile bestätigte. Dort hieß es auch, was ich nicht wusste oder bestätigen kann, dass das Originalgericht aus dieser Stadt stammt. Im SPON heißt es:

„Aber bitte“, echauffiert sich Yavuz Iskenderoglu, „bitte vergleichen Sie nicht Döner in Deutschland mit Döner in der Türkei. Döner in Deutschland! Dieses tiefgefrorene Stück Fleisch, kurz angegrillt und belegt mit allerlei Schnickschnack an Salaten und Saucen. Also nein, so etwas gibt es bei uns nicht.“

Dem ist nichts hinzuzufügen.

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4 Kommentare zu Eine Döner-Story

  1. manu sagt:

    …da sprichste meinem papa doch aus dem herzen!!!!!
    Ich hab den dönner mit sosse erst später kennengelernt und den gibts bei mir auch nur einmal im jahr.
    Kultur ob essen oder anders immer vor ort. dann iss echt (auch klo).
    drück dich ela

  2. Hanna sagt:

    …und du hast mir ja auch erst in türkischen restaurants in Berlin gehört, das diese zu den großen Kücher der Welt gehört…zu Recht, selbst in Berlin.

  3. 500beine sagt:

    jo. lamm muss drin sein. und diese schmierigen südeuropäischen arschlappen, mmhhh..

  4. Rixosus sagt:

    Also ich schätze die türkische Küche ansich auch sehr. Dennoch finde ich so einen (gut gemachten) Döner ne prima Sache. Der ist ernährungsphisiologisch relativ ausgewogen und mit Geschick kann man den auch ohne Krümeln essen. Auf alle Fälle gesünder als Pommes+Currywurst oder nen Burger.

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