Kleinbloggersdorf und andere Dorfgemeinschaften

Eine meiner Bekannten hat sich vor einiger Zeit im Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg ein Haus gekauft. Da hört man dann so einige Geschichten, es geht um den Bau von gemeinschaftlichen Carports und den Nachbarn, die dagegen sind, darum, dass Nachbarn verlangen, einen Baum zu kürzen, weil er Schatten auf ihren Rasen wirft. Oder wie Gemeinschaftsarbeiten anstehen, sie mit dem Spaten bewaffnet hingeht und von den anwesenden Männern gesagt bekommt, man hätte eigentlich ihren Mann erwartet, und erst beruhigt ist, als sie den versammelten Männern zeigt, wie man eine Mauer einreißt. Es gibt da sicher noch mehr Geschichten und ich sagte ihre einmal, das klänge für mich wie in einem Dorf. Irgendwie musste sie es bestätigen, ein Dorf mitten in Hamburg.

Die Welt der Blogger wird auch Kleinbloggersdorf genannt und, wenn ich diese Welt mit dem Wilhelmsburger Dorf vergleiche, tun sich viele Ähnlichkeiten auf. Da gibt es Dorfklatsch und -tratsch und wenn ein Thema angesagt ist, dann wird es von Haus zu Haus bzw. von Blog zu Blog weiter getragen. Da gibt es Feindschaften, Animositäten wie die zwischen Don Alphonso und Peter Turi oder andere. Die alteingesessenen Dorfbewohner tun sich schwer, Neuankömmlinge zu akzeptieren, es kommt leicht das Gefühl auf, dass man sich beim Kommentieren in Diskussionen zwischen Insidern einmischt.

Vielleicht hat Kleinbloggersdorf aber auch nicht nicht gemerkt, dass das Dorf sich mittlerweile zu einer ausgewachsenen Kleinstadt entwickelt hat. Viele neue Einwohner hocken in den Neubausiedlungen vor den Toren des alten Kerns und bilden eine Welt, die etwas argwöhnisch beäugt wird. Viele sind daran interessiert herauszufinden, wie groß das Dorf eigentlich ist, deswegen finden Volkszählungen statt, die auch die verlassenen Häuser ausschließen wollen .

Es gibt auch andere Erscheinungen mit dem Wachstum zur Stadt, Kleinbloggersdorf wird für den großen Kommerz interessant. Anfang des Jahres war ich in England in Sheringham in der Grafschaft Norfolk. In dieser Kleinstadt tobte gerade die Diskussion, ob ein Handelskonzern eine Filiale der Kette Tesco eröffnen darf oder nicht. Man hat sicher berechtigte Angst, dass die Struktur mit kleinen Geschäften zerstört wird.

Solche Diskussionen gibt es auch in der Bloggosphäre, sei es um das Portal Shoppero oder die Werbegemeinschaft Adical. Letztlich sind das doch nichts anderes als virtuelle Avonberaterinnen oder Tupperparties, bei denen der freundliche Nachbarblogger handfeste geschäftliche Werbeinteressen so weit wie möglich unter der Freundschaftsmaske zu verhüllen sucht. Auch Aktionen wie das Opelblogging oder die Playstationparty gehören dazu.

Das nährt natürlich Misstrauen. Wenn zum Beispiel ein bekannter Blogger, der, wie man weiß, der verdeckten Werbung nicht abgeneigt ist, eine Abnehmaktion „Belly Off“ initiiert, dann fragt man sich natürlich, wofür das denn eine PR-Aktion wird. Überhaupt drängen die PR-Agenturen in die Bloggosphäre, wie in diesem lesenswerten SPON-Interview erläutert wird, das heißt, es ist eine gehörige Portion Misstrauen angesagt.

Natürlich kann man sagen, dass dieses Misstrauen im Internet sowieso angesagt ist, da es dort von Kunstfiguren mit verdeckter Agenda nur so wimmelt. Allerdings weiß ich nicht, wie viele Kunstfiguren in realen Dörfern und Kleinstädten herumlaufen, die woanders oder hinter den heimischen Wänden ein ganz anderes Gesicht zeigen.

Also wie soll man sich verhalten? Wie im richtigen Leben: mit offenen Augen durchs Dorf oder die Stadt gehen, sich an schönen Gebäuden, Gärten, Denkmälern oder Parks erfreuen. Und immer dran denken, über Geschmack kann man nicht streiten, der eine findet ein Gebäude schön, der andere nicht. Und wenn man vom Dorf oder der Kleinstadt genug hat, dann geht man nach Hause, in die Großstadt, ins richtige Leben.

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12 Kommentare zu Kleinbloggersdorf und andere Dorfgemeinschaften

  1. manu sagt:

    ich würde sagen, genau so sollte man sich verhalten!
    Bin überzeugt das ist gesund!
    manu

  2. Pierro sagt:

    Un saludo, auch meine Zelte stehen hier in Berlin, aber dies nur nebenher 🙂 denn mein eigentlicher Kommentar gilt, obgleich meine folgenden Worte nicht weltverbessernd, deinem Beitrag :
    Nice Statement; und findet meinen Zuspruch .

  3. Rixosus sagt:

    Tja, das Internet spiegelt 1:1 das echte Leben wider – nix mit „virtueller“ Realität.

  4. suzan sagt:

    wenn klein-bloggersdorf den don nicht schon hätte, müßte man ihn glatt erfinden. Es gibt Leute, die lassen andere für sich eine Meinung bilden und machen sich kein eigenes Bild mehr.

  5. Axel sagt:

    Ja, ich sage ja, das ist wie im richtigen Leben!

  6. suzan sagt:

    seit wann ist meine seite denn eine abnehmseite? Ich sehe das als eine Aktion, die über einige Wochen geht und hab nicht vor, ständig übers abnehmen zu schreiben. So nötig habe ich es nun auch wieder nicht. Was ich bei dieser von MC ins Leben gerufenen Aktion so toll finde, ist, das es eben nicht um dumpfe Diäten geht, sondern um mehr Bewegung und eine gesündere Ernährung.

  7. Axel sagt:

    Suzan, ich habe gar nicht darüber gesprochen, dass deine Seite eine Abnehmseite ist, nicht dass ich mich erinnere. Ich finde es auch ok., dass du daran teilnimmst. Ich habe nur zum Ausdruck gebracht, dass ich ein wenig Misstrauen habe, ob das wieder eine Werbeaktion ist.

  8. suzan sagt:

    du hast meinen link in deiner blogroll mit „Fotos, Laufen, Abnehmen und andere“ hinterlegt. Sorry, dass das nicht gleich so rübergekommen ist, aber ich nahm an, du würdest sofort wissen, was ich meine 😉
    seit ich mc winkel lese, habe ich noch nie eine verdeckte werbeaktion gesehen…ein gesundes misstrauen ist sicher gut, aber hier hat es leicht paranoide züge, finde ich

  9. Axel sagt:

    Oh, sorry, das habe ich natürlich sofort geändert!

  10. Vielen Dank für’s Mitmachen bei der Zählung. 😉

  11. lucky sagt:

    das hamse schön zusammengefaßt!

  12. Axel sagt:

    Irgendwie musste ich das mal los werden 😉

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