Tour de Farce

Das ganze Spektakel wird immer mehr zur Farce. Der zweimalige Etappengewinner Winokourow ist des Fremdblutdopings überführt worden. Das ganze Peloton ist offensichtlich eine Ansammlung von Dopingjunkies. Spät versuchen die Verantwortlichen zu reagieren und haben das komplette Astana-Team zum Rückzug von der Tour gezwungen. Ob das hilft?

Im Grunde kann es sein, dass die Tour damit zum Sterben verurteilt ist oder zum Randsportereignis verkommt. Allerdings ist das Ganze doch nicht so einfach, denn was in der ganzen Diskussion immer vergessen wird: im Grunde verantwortlich für diese Vorfälle ist letztendlich die Werbeindustrie. Denn um Produkte wie T-Mobile, Gerolsteiner, Milram und andere in das Bewusstsein der Verbraucher zu pauken, werden Millionen in das Sportsponsoring gesteckt. Und natürlich wollen die Protagonisten von diesem Geldregen soviel wie möglich einstecken, und wenn es mit unlauteren Mitteln ist.

Wer weiß, wie es in anderen Sportarten ist. Was würde passieren, wenn so etwas im Fussball aufgedeckt würde? Würden die Deutschen von ihrem liebsten Sport lassen? Man kann sich schon fragen, ob es noch medizinische Behandlung ist oder illegal, wenn Sportler mit schwersten Verletzungen schon nach ein paar Wochen wieder sportliche Höchstleistungen vollbringen.

Um sich die Größenordnungen mal vor Augen zu führen, ist die Sportvermarktungsfirma Sportfive ein ganz gutes Beispiel:

Die 2001 gegründete Sportfive mit Sitz in Hamburg und Paris rechnet in diesem Jahr mit einem Umsatz von 526 Millionen Euro und einem Brutto-Ergebnis von 85 Millionen Euro vor Steuern und Abschreibungen (EBITDA).

(Die genannte Umsatzzahl gilt für 2006, laut SPON).

All diese Umsätze kommen mehr oder weniger indirekt aus den Werbetöpfen globaler und regionaler Firmen. Und alles setzt darauf, dass sich die Konsumenten halt davon beeindrucken lassen, dass Kahn mit T-Mobile telefoniert oder HSV-Anhänger besonders gerne mit Emirates fliegen 😉

Im Grunde sind also letztlich wir als „unmündige“ Verbraucher indirekt verantwortlich für diese Dopingpraktiken. Wir wollen halt unsere Unterhaltung und nehmen die Werbung nicht nur in Kauf, sondern lassen uns auch von all dem Sponsoring beeindrucken. Insofern sind wir nicht viel anders als die Leute im antiken Rom. Die amüsierten sich mit den Gladiatoren, die vielleicht vom Löwen zerrissen wurden. Wir schauen Tour de France und nehmen es halt in Kauf, dass jemand vom Rad fällt und an Dopingfolgen stirbt. Egal, Hauptsache wir amüsieren uns.

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Ein Kommentar zu Tour de Farce

  1. manu sagt:

    … ich nicht mehr.
    schaue schon seit ein paar jahren nicht mehr.

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