Harte Zeiten für Raucher

Ja, ich weiß, ich gehöre einer aussterbenden Gattung an, der der Raucher. Oder vielleicht sollte ich sagen, einer Gattung, die von Ausrottung durch andere bedroht ist. Am Freitag werde ich dann wohl das letzte Mal auf einer Fahrt zwischen Berlin und Hamburg rauchen dürfen und ab 1. Januar wird es dann auch nicht mehr am Arbeitsplatz möglich sein, jedenfalls richte ich mich darauf ein. Zwischen Berlin und Hamburg wird es dann kaum Unterschiede geben. Bei uns in der Gryphiusstraße wird auch schon nicht mehr in der Wohnung geraucht, bis auf Ausnahmesituationen wie rauchende Gäste, extrem schlechtes Wetter, Konzentration auf spannende Computerspielsituationen oder Moody-Monday-Morgen-
Stimmungen. Ich muss dazu sagen, das ist nicht so schlecht, es schränkt meinen Konsum dort ein, wo ich selber dazu vielleicht nicht in der Lage wäre, schließlich bin ich ein Drogensüchtiger.

Wie ist es bei mir eigentlich zum Rauchen gekommen? Ich erinnere mich daran noch sehr genau, anders an als viele andere Situationen in meinem Leben. Im Sommer 1969 brach ich mit meinem Freund A. auf einen Anhalterurlaub in England auf (ja, damals machte man sowas noch). Ich war damals im Alter von fast 18 noch kein Raucher, heute fangen die Jugendlichen ja viel früher an. Aber A., ein knappes Jahr älter, hat mich erfahrungsmäßig in jeder Hinsicht übertroffen, nicht nur bei Zigaretten, auch bei Frauen. Auf einer unserer ersten „Mitnahmen“ zog er seine Schachtel Benson & Hedges raus und sagte zu mir: „Willst Du eine?“. Und ich war so doof „Ja“ zu sagen. Seitdem bin ich Raucher, mit einigen kleinen Unterbrechungen.

Abgesehen vom Rauchen war der Sommer wundervoll, wir sahen im Hydepark das große „Free Concert“, unter anderem mit den Rolling Stones zwei Tage nach dem Tod von Brian Jones, bei dem Massen von Schmetterlingen frei gelassen wurden. Wir sahen eine Live-Übertragung der ersten bemannten Mondlandung auf dem Trafalgar Square, verliebten uns (beide) in einer Diskothek in Edinburgh, übernachteten in Parks unter Schutz von Bobbies, verbrachten mehr als 24 Stunden an Autobahnkreuzen in Belgien, wurden auf der Autobahnraststätten von der Polizei geweckt und viele Erinnerungen mehr. (Vielleicht sollte ich das mal als Extra-Geschichte erzählen, wenn es interessiert?).

Seitdem rauche ich mit kurzen Unterbrechungen. A. ist natürlich schon lange Nichtraucher, als Internist fast schon natürlich. Ich kämpfe noch immer.

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4 Kommentare zu Harte Zeiten für Raucher

  1. Karsten sagt:

    Das mit den Trampergeschichten fände ich ja echt spannend, mach mal. Könnte natürlich sein, daß ich mich dann bemüssigt fühle, meine eigenen auch aus der Mottenkiste vorzukramen.

  2. Andreas sagt:

    Zaperlot! Ich nehme die Schuld auf mich! Diese parfümierten Benson+Hedges haben nur Kopfschmerzen gemacht. Später mit der gelben Gitannes (papier mais!) war das besser. Ich glaube wir haben jedes Kraut mal durchgeraucht. Gerne auch die urtypischen ägyptischen bzw. orientalischen Zigaretten (Laurens gelb, Nil etc) mit dem nicht fermentierten Tabak, die einen abartig faden Rauch entwickelten und dem ovalen Querschnitt (aus gutem Grund ist Juno rund!). Das Rauchen hat schon Spaß gemacht! Aber irgandwann ging es mir schlecht damit. Morgens aufwachen mit saurem Maul und schwerem Kopf. Der quälende Tinnitus als Folge der Gefäßverkrampfung im Innenohr. Der Teergestank in den Klamotten und Gardinen. Früher ging es mir ohne Zigaretten ganz schlecht. Heute geht es mir bestens ohne. Ich habe auch kein Problem damit, daß Kerstin raucht – solange sie es nicht im Wohnzimmer tut. Das Nichtrauchen hat nichts mit meinem Arztberuf zu tun (Der langjährige Vorsitzende der europäischen Krebsgesellschaft Prof. Hossfeld war Zigarettenraucher….) sondern ist nur eine Frage des Menschseins.

    Die Erinnerung an die schöne Tramperzeit berührt mich mit Sehnsucht.
    Andreas

  3. Rita sagt:

    Trampen durfte ich nicht. Und das ist eines der wenigen Verbote, das ich weitgehend eingehalten habe. Rauchen fand ich selbst bis 17 ganz fürchterlich. Man konnte mich mit Fug und Recht zu den militanten Nichtrauchern mit missionarichem Eifer zählen.
    Und dann waren da die langen Pausen in der Schule und die noch viel längeren, nicht im Unterricht verbrachten Stunden. Und schon wurde aus dem braven katholschen Mädchen ein rauchendes katholisches Mädchen. Bald darauf eine theoloisch Studierende mit den typischen Begleitern. Kaffee, Zigaretten oder wahlweise Pfeife und es durfte auch mal ein guter Roter sein.Mit den Jahren steigerte sich der Rauch auf 40 Zigs pro Tag. Nach 20 Jahren war der Tag da. Seit dem 7.Sept.1997 bin ich rauchfrei. Einfach so:-).
    In den typischen Situationen bin ich immer wieder froh, dass ich nicht mehr rauchen muss.

  4. Claudia sagt:

    Ich hab‘ auch mit 14/15 angefangen, angewidert aber fest entschlossen mitgeraucht, bis es anfing zu „schmecken“. Wie blöd man in dem Alter doch ist! Hauptsache DAGEGEN – also musste geraucht werden.
    Mit Nikotintabletten kann ich gut ohne, doch auf Dauer schlittere ich dann doch wieder ins normale Rauchen. Vielleicht mach ich wieder mal einen Stop-Versuch, wenn nirgends mehr geraucht werden darf, ist das ja durchaus unterstützend.

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