Hinterland, Geschichte und Meer

Eigentlich wollten wir heute nach Jerez fahren, eine Bodega und die spanische Hofreitschule besichtigen. Hanna hatte aber letzte Nacht schlecht geschlafen, einerseits, weil sie ein Buch zu Ende lesen wollte, was sie bis halb drei noch nicht geschafft hatte, als ich einmal wach wurde. Zum anderen macht sie sich aber auch viele Gedanken über unseren abgängigen Linus und die wenigen Chancen, die er hat, wieder in die Wohnung zu kommen. Noch in der Nacht sagte ich ihr, dass wir nicht nach Jerez fahren, und das war auch ganz richtig, bis zwölf war Schlafen angesagt (mit Unterbrechungen zwischendurch). Auch wenn Hannas Rücken noch spürbar war (sie meinte, das sei psychosomatisch wegen der Gedanken um Linus), beschlossen wir dann, eine kleine Tour durch das Hinterland von Conil zu machen.

Medina Sidonia

Wir fuhren zunächst durch immer lieblicher werdende Hügellandschaften, zur Zeit grau bis braun, da die Ernte eingefahren ist und die nächste Saat vorbereitet wird. Rinderherden weiden hier auf großzügigen Grundstücken, immer mal wieder sind prächtige Haciendas zu sehen. Auch die Kühe haben spitze Hörner wie Stierkampfstiere und Hanna meinte, sie müssten ja die Fähigkeiten ihren Nachkommen weiter vermitteln.

Kirche In Medina Sidonia

Dann kamen wir nach Medina Sidonia, eines dieser weißen Dörfer (Pueblos Blancos), die so typisch sind für Andalusien. Medina Sidonia hat offensichtlich eine lange Geschichte, die bis auf die Römer zurück geht (es gibt eine römische Ausgrabungsstätte), und doch ist es eine lebendige kleine Stadt, die trotz ihrer Schönheiten kaum Tourismus aufzuweisen hat, bis auf die Deutschen, die in Andalusien überall zu treffen sind, aber zum Glück nicht als Busladungen vorkommen. Typisch sind zweistöckige Häuser mit kleinen vergitterten Erkern, die den islamischen Häusern ähneln. In diesen Häusern haben die verschleierten Frauen durch die Gitter der Erker die notwendigen Waren für den täglichen Bedarf von fliegenden Händlern gekauft. Das wirkt in der Architektur nach, auch wenn die Häuser sicher nach der maurischen Zeit gebaut waren.

Tapas

Auf dem zentralen Platz von Medina leisteten wir uns eine gemischte Tapasplatte für zwei, bestehend aus gebratenener Leber, kalt in einer Vinaigrette mit Zwiebeln (eine Entdeckung!), einem wunderbaren Kartoffelsalat, dem üblichen Stück Tortilla und dem am wenigsten ansprechenden Teil, einem Blätterteig gefüllt offensichtlich mit einer Tomaten-Thunfisch-Paste, was warm sicher viel ansprechender gewesen wäre. Hanna trank dazu ihre zwei Finos, während ich eine Cańa trank, ein kleines eisgekühltes spanisches Bier (Hannas Wort dafür war in einem der vorhergehenden Artikel zu lesen).

Kap Trafalgar

Weiter ging es dann an einem anderen weißen Dorf vorbei (Vejer de la Frontera) in Richtung Meer. Da ich eine bestimmte Straße suchte, führte uns der nicht gepflasterte Weg durch die Sozialbauviertel von Barbate, bis ich schließlich die gesuchte Straße fand. Sie führte uns durch ein Naturschutzgebiet mit ausgedehnten Nadelholzwäldern schließlich an das Cabo de Trafalgar, das Kap Trafalgar, vor dem Napoleon seine schwere Niederlage gegen die von Admiral Nelson geführte Flotte erlitt. Am Meer entlang ging es dann gemütlich zurück nach Conil.

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