Home

Beiträge vom » Februar, 2008 «

Leben und Tod

Freitag, 29. Februar 2008 | Autor: Axel

“And in the end, it’s not the years in your life that count. It’s the life in your years.”
Abraham Lincoln

Geburt und Tod, beides liegt manchmal sehr sehr dicht beieinander. Meine Nichte wartet in Treptow nun wohl fast stündlich auf die Ankunft meiner ersten Großnichte/Großneffe (was er oder sie wird, ist mir zumindest nicht bekannt).

Mein Schwager T. hat Urlaub und beide Großeltern in spe sitzen mehr oder weniger auf gepackten Koffern, um zu jedem Zeitpunkt nach Berlin fahren zu können, das Kind soll im Krankenhaus Neukölln zur Welt kommen.

Und plötzlich kommt der Tod dazwischen, denn T.’s Mutter ist letzte Nacht gestorben. Ganz überraschend war es wohl nicht, denn sie war schon lange sehr krank, aber das Zusammentreffen beider Ereignisse zeigt doch drastisch den Zyklus vom Start bis zum Ende des Lebens.

Nur schade, dass so entweder die Trauer oder die Freude zu kurz kommt, wahrscheinlich sogar beide.

Thema: Wohnzimmer | 2 Kommentare

Schmuddelkinder

Donnerstag, 28. Februar 2008 | Autor: Axel

Spiel nicht mit den Schmuddelkindern, sing nicht ihre Lieder.

Neues Deutschland Franz-Mehring-Platz

Ehemaliges Gebäude des Neuen Deutschland in Friedrichshain

Fotograf: Eilmeldung – Lizenz: GNU-FDL

An das obige Lied von Franz-Josef Degenhardt (ja, ich weiß, ein alter DKP-Millionär) muss ich denken, wenn ich mir die gegenwärtige Debatte um eine mögliche Zusammenarbeit mit Die Linke anschaue. Der erzkonservative Seeheimer Kreis fragt sich, “weshalb die SPD ein im Westen ein Sammelbecken von Altkommunisten, Sektierern und gescheiterten ehemaligen Sozialdemokraten durch Kooperationsangebote aufwerten sollte”, Herr Naumann als Nichtgewinner in Hamburg schreibt an Beck schon fast beleidigt von einer politischen “Geisterfahrt” (STERN) und sagt im Hinblick darauf, dass Beck im Westen die Zusammenarbeit möglich hält: “Wir waren auf der Überholspur, und dann kam ein Lkw aus Mainz und hat alles plattgemacht.” “Die SPD muss klarstellen, dass die Linke so unsinnige Programme hat, das man mit ihr nicht koalieren kann. Mit der Linken darf die SPD gar nichts zusammen machen” sagt Klaus von Dohnanyi der BILD-Zeitung (sic!). Von den Äußerungen der CDU will ich gar nicht reden. Nur so jemand wie Wowereit ist dafür, “endlich mal dieses blöde Tabu wegzukriegen”, aber kein Wunder, der ist ja auch in einer rot-roten Koalition.

Interessant ist hierbei der Unterschied der gemacht wird: Die Linke wird im Westen den Schmuddelkindern zugerechnet, im Osten ist das alles nicht so wild. Hm, ist der Osten weniger wert, so dass das dort nicht so schlimm ist? Sozusagen das Sibirien Deutschlands, wo andere Verhältnisse gelten? Ich dachte wir seien gut 18 Jahre nach der Wiederveinigung ein einig Land!

Aber eigentlich ist das alles schon einmal dagewesen. Ich erinnere mich an die Zeiten, als Die Grünen so langsam in die Parlamente kamen, da wurden sie auch als Chaoten, Steinewerfer und Schmuddelkinder verteufelt. Und jetzt, das hätte man in den 80ern mal einem CDU-Politiker vorhersagen sollen, jetzt liebäugelt sogar die CDU mit einer Länderkoalition mit den Grünen.

Überhaupt sind die Grünen ein Beispiel dafür, dass eine Beteiligung von ungeliebten Parteien an der Regierung doch eher friedfertig macht. Wenn also die “etablierten” Parteien mit der Linken zusammen arbeiten, wird früher oder später eine von zwei Sachen passieren: entweder Die Linke blamiert sich und wird dann irgendwann wieder verschwinden aus den Parlamenten (wie es am rechten Rand z.B. mit Schill passiert ist, bei dem die CDU auch keine Berührungsängste hatte). Oder sie richtet sich in der Macht und im Kreis der etablierten Parteien ein, so wie es mit den Grünen passiert ist.

Meistens streben nämlich die Schmuddelkinder danach, in die Oberstadt zu kommen, und nicht umgekehrt.

Thema: Vorgarten | 4 Kommentare

Akrophobie

Dienstag, 26. Februar 2008 | Autor: Axel

Angst haben wir alle. Der Unterschied liegt in der Frage: Wovor.
Frank Thieß
deutscher Essayist, Romancier, Bühnenautor und Novellist

Er war etwa neun Jahre alt, als er es zum ersten Mal bemerkte. Eigentlich hatte er in der Kaserne, in der er die ersten Lebensjahre verbrachte, keine Probleme gehabt. Im Gegenteil, es war immer eine Abwechslung, aus dem Zimmer hinauszukommen, in dem die Flüchtlingsfamilie zu viert wohnte. Er genoss es, der Enge zu entfliehen, durch den Vorhang, der den Raum in Eltern- und Kinderteil trennte, raus in den Flur mit den Gewehrständern, vorbei am Etagenbad und der Toilette ins Gelände.

Das Gelände war spannend, man konnte auf Bäume klettern, und wenn man größere Energie hatte, ging es auf Dächer von Ruinen, alten, nicht gebrauchten Flughallen, Gebäuden, von denen man die Dachpappe abbrechen konnte, um sie in die Gegend zu schleudern. Allerdings war nichts mehr als 2-3 Stockwerke hoch.

Als er sieben war, waren sie umgezogen, in eine schöne Wohnung, hoch, im dritten Stock, da hatte er gemeinsam mit seiner Schwester sogar ein eigenes Zimmer. Wilde Gelände gab es auch, aber ohne die Flughallen oder hohe Gebäude. DIe Dorfschule war getauscht gegen eine richtige Schule, für jeden Jahrgang eine Klasse.

Wie gesagt, vielleicht war er neun oder acht, und die Klasse hatte einen Ausflug vor. Das war immer eine Abwechslung, raus aus der Klasse, mal etwas anderes, Abwechslung vom Unterricht, wo die Lehrerin vorne stand und alles erklärte, er hatte das Gefühl, alles viel zu ausführlich, er langweilte sich häufig. Deswegen freute er sich als angekündigt wurde, man wolle die alte Backsteinkirche in der Innenstadt besuchen, super, mal etwas ganz anderes.

St. Petri wirkte gewaltig, der Turm war gut erhalten, auch wenn in der Stadt viel zerbombt war. Die ganze Klasse wanderte erwartungsfroh zur Kirche, rein in den Turm, ein tolles Erlebnis, ein Weitblick war angekündigt. Drinnen war es dunkel und der Blick nach oben wirkte auf die kleine Person gewaltig. Es war ein hoher Raum, ganz leer, und an den Seiten führte eine luftige Holztreppe nach oben zum Ziel des Ausflugs: der Ausblick von ganz oben.

544 Steps

Vorsichtig setzte er seinen Schritt auf die Holztreppe, sie wirkte gewaltig, führte immer außen am Turm entlang in die Höhe. Ein weiterer Schritt. Irgendwie wurden die Knie weich. Ein weiterer vorsichtiger Schritt. Leider konnte man zwischen den Stufen nach unten schauen. Das Gefühl wurde stärker, die Beine schienen zu versagen. Doch das Ziel der Ausblick lockte. Und die anderen hatten doch gar keine Probleme. Ein weiterer Schritt. Nein, es ging nicht, langsam begannen die Tränen zu fließen. Er schaffte es nicht, er weinte und sagte er kann nicht. Er war allein, der einzige, musste die anderen ziehen lassen, die das, was er ersehnt hatte, machen konnten, ohne ihn. Er fühlte sich allein, so allein.

Was für eine Blamage, man muss doch eigentlich stark sein. Es dauerte ein paar Wochen, bis er diese Schmach vergaß.

Lange waren dann keine Gelegenheiten mehr da, wo das Problem auftrat. 20 Jahre später, auf dem Eiffelturm, da hielt er sich halt zurück, ging nicht an den Rand, das konnte man aushalten, die Knie wurden nur weich als die Begleiterin ganz selbstverständlich an die Brüstung lief, er zitterte. Beim Geschäftsbesuch in Boston, mit dem Essen im 24. Stock, ja, die Fenster reichten bis zum Boden, da war er froh, dass der Tisch doch um einiges von den Fenstern Weg war.

Doch, er versuchte es immer wieder. Sogar auf das World Trade Center, als es noch stand fuhr er hinauf. Was für ein Horror, nach außen Fenster bis auf den Boden, nach innen ein “Graben” von 50 Zentimetern. Mit zitternden Knien musste er eine Runde machen, vom Fahrstuhl nach oben zu dem nach unten, kein Geländer, zitternd, kein Blick nach links oder rechts, 3 angstvolle Minuten bis es wieder runter ging, zu Glück.

Irgendwann weiß er es und hat sich arrangiert. Trotzdem gibt es immer wieder ganz besondere Situationen. Die Küstenstraße zum Beispiel in Spanien zwischen San Sebastian und Frankreich. Er am Steuer und eigentlich liebt er ja kurvige Bergstraßen, ist ja viel interessanter als Autobahn. Aber plötzlich verschwinden die Bäume. Die Straße schraubt sich hoch und plötzlich gibt es keine Leitplanke mehr. Das Auto wird langsamer und langsamer. Er sagt, dass er glaube es gehe nicht mehr. Seine Frau wundert sich und fragt, ob was mit dem Auto sei. Nein da war nichts, es war die Höhenangst. Aber er schafft es und kommt sicher runter.

Mit Höhe hat all das nicht viel zu tun, er liebt es zu fliegen. Und er genießt es im Hubschrauber neben dem Piloten zu sitzen und durch seine Füße und den Glasboden nach unten zu schauen.

Foto: coastwalker

Thema: Wohnzimmer | 6 Kommentare

Schnippsel

Montag, 25. Februar 2008 | Autor: Axel

Ich habe einen sehr netten Witz in einem Newsletter gefunden: Was fressen Elektronikgeräte am liebsten? Na klar, Speicherplatz…

***

Das beste am Ergebnis der Wahl in Hamburg ist es, dass die Gelben nicht die Hürde geschafft haben.

***

Die Bahnstrecke von Hamburg nach Berlin bröckelt, im nächsten Jahr müssen 20.000 Betonschwellen ersetzt werden. Wenn ich dann noch pendele, bedeutet das schätzungsweise 30 Stunden mehr auf der Bahn, fast eine ganze Arbeitswoche.

***

Nur für wenige sichtbar findet eine Diskussion (hier und hier) um das Hauptstadtblog statt, dank Lucky. Ich lese das Hauptstadtblog gerne und regelmäßig, aber Recht hat Lucky irgendwie, wenn man davon ausgeht, dass das Hauptstadtblog ganz Berlin repräsentieren soll. Aber kann man das wirklich erwarten? Das Ganze könnte man natürlich dahin gehend erweiternd, ob freiwillige Initiativen einem allgemeinen Anspruch genügen können.

***

Das Ostkreuz wird umgebaut (Berichte hier). Die provisiorische Fußgängerbrücke steht und die alte wird wohl bald abgebaut, denn heute morgen habe ich den Fahrkartenautomaten am Eingang Sonntagstraße vermisst, abgebaut.

***

Schon komisch, ich lese im Modersohn-Magazin, dass die Zwinglikirche zum ersten Mal seit Jahrzehnten für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Hanna und ich sind vor cirka 2 Jahren zufällig reingekommen, also absolut außergewöhnlich. Ein Besuch ist aber absolut zu empfehlen.

Thema: Rumpelkammer | Beitrag kommentieren

Noch mehr Frühlingsgefühle

Montag, 25. Februar 2008 | Autor: Axel

Hannas Frühlingsgefühle

Gestern war das Wetter dann endlich fast schon frühlingshaft und Hanna musste unbedingt raus, um die Wintersicherung bei allen Pflanzen zu entfernen. Dabei ergab sich natürlich ausgiebige Gelegenheit, die sprießenden Pflanzenzwiebeln zu bewundern.

Bei dieser Gelegenheit war natürlich die Terrassentür offen und es ergab sich für alle unsere Haustiger die Gelegenheit, die Outdoorsaison richtig zu eröffnen, oder sagen wir mal, für Linus und Buddy, denn Smokie fordert den ganzen Winter das Recht, nach draußen zu gehen, um Vögel zu beobachten. Für Linus und Buddy war das natülich aufregend, besonders für Buddy, für den es eine Premiere war. Ich befürchte, das war der Grundstein dafür, von ihm in den nächsten Wochen für eine Wiederholung genervt zu werden, ist ja einfach zu spannend.

Buddy und Linus auf der Terrasse

Der etwas gelassenere Smokie wusste natürlich, was kommt. Nach etwas Sitzen auf der Terrasse mit Hendrik und Annett, die zu Besuch waren, wurde dann die Grillsaison eröffnet. Es gab ein paar Filetsteaks, die von unserem Essen mit Gerd übrig geblieben waren, und wir saßen wenigstens während des Grillens draußen.

Ich kann mir vorstellen, dass Hanna auch gerne draußen gegessen hätte. Aber seitdem sie so viel Bemerkungen gehört hat von mir über den Klimakiller, traut sie sich gar nicht mehr nur, wenn ich nicht da bin, dieses Gerät anzuwerfen.

Smokie beim erste Familienausflug auf die Terrasse

Thema: Dachterrasse | Ein Kommentar

Warten auf den Frühling

Samstag, 23. Februar 2008 | Autor: Axel

Oder ist er schon so langsam da?

Clematis

Thema: Dachterrasse | 2 Kommentare

Unverhofft kommt… manchmal

Freitag, 22. Februar 2008 | Autor: Axel

Eigentlich ist es nicht so angenehm, wenn man krank ist, so wie ich diese Woche. Andererseits gibt es uns die Gelegenheit, zusammen zu sein und das ist absolut was Wert. Die Woche hat uns gut getan!

Thema: Wohnzimmer | Ein Kommentar

MCS

Mittwoch, 13. Februar 2008 | Autor: Axel

Vielleicht habt Ihr hier schon Kommentare gelesen von Clarissa. Ich kenne sie schon einige Jahre rein virtuell, habe sie aber noch nie getroffen. Kein Wunder, denn wenn ich mit ihr zusammen käme wäre sie höchstwahrscheinlich einige Zeit außer Gefecht gesetzt. Clarissa leidet an MCS, eine relativ unbekannte Krankheit, bei der die Leidenden auf die kleinste Chemikalie empfindlich reagieren könnten.

Gestern hat das ZDF in der Sendung 37 Grad Fieber genau hierzu eine Reportage gemacht. Ich empfehle, sie einfach mal anzusehen, da das ZDF keine direkte Verlinkung erlaubt (oder ich sie noch nicht gefunden habe), hier eine Anleitung dazu, die Sendung zu finden: auf die ZDF-Seite gehen, ZDF Mediathek anwählen, nach “Riechen” suchen und die zweite Sendung auswählen.

Nachtrag: Auch bei Kerner war ein Betroffener und auch dieser Beitrag ist Online: wie oben “Kerner” eingeben und den Beitrag “Kampf um ein Leben ohne Maske” ansehen.

Thema: Gästezimmer | Ein Kommentar

Verlust im Bücherregal

Mittwoch, 13. Februar 2008 | Autor: Axel

Ich erinnere mich genau, dass es ein absolutes Zeichen von “Bildungsbürgertum” oder wenigstens von “Bürgerlichkeit” war, wenn im Bücherregal der Brockhaus in, wieviel waren es, 24 (?) Bänden stand. Und wer sich das nicht leisten konnte, damals kostete der Brockhaus mehr als ein Monatsgehalt, der beschaffte sich wenigstens eine kleine Ausgabe in drei oder einem Band.

Tja, die Zeiten sind vorbei, der Verlag hat erklärt, dass soeben wahrscheinlich die letzte gedruckte Ausgabe erschienen ist und das Lexikon in Zukunft nur online verfügbar sein wird. Damit zollt ein weiteres klassisches Medium Tribut gegenüber den aktuellen Informationen im Internet. Die Wikipedia ist halt immer aktueller. Interessant auch, dass genau zu diesem Zeitpunkt der Spiegel ein Wissensportal aufmacht.

Was macht der Bildungsbürger jetzt? Stellt sich einen Computer in das Bücherregal? Oder hat der Plasmafernseher das Statussymbol Konversationslexikon schon längst ersetzt?

Tja, das Internet hat doch einen Suchtfaktor, was Männer alles tun, um ins Netz zu kommen, sieht man unten.



Nerds

Video via BasicThinking

Thema: Rumpelkammer | Ein Kommentar

Nichts ahnend

Freitag, 8. Februar 2008 | Autor: Axel

Eigentlich gibt mir das System meist Wagen 5 am Freitag auf dem ICE nach Berlin. Diesmal ist es aber die 2, fast am Ende des Zuges. Um beim Umsteigen näher dran zu sein, setze ich mich in den vorderen Teil der S-Bahn zum Hauptbahnhof. Ich sitze sonst nie in diesem Wagen.

Eine Station bevor ich aussteigen muss steigt SIE ein und setzt sich auf den Platz mir gegenüber. Sie fährt sonst nie um diese Zeit.

Nur zwei Minuten. Zwei lange Minuten. Zwei lange schweigsame Minuten. Zwei unerträglich lange schweigsame Minuten.

Der Zug nach Berlin fährt in umgekehrter Wagenreihung.

Thema: Arbeitszimmer | Ein Kommentar

Stoppt die Vorratsdatenspeicherung! Jetzt klicken & handeln!Willst du auch bei der Aktion teilnehmen? Hier findest du alle relevanten Infos und Materialien: