Schmuddelkinder

Spiel nicht mit den Schmuddelkindern, sing nicht ihre Lieder.

Neues Deutschland Franz-Mehring-Platz

Ehemaliges Gebäude des Neuen Deutschland in Friedrichshain

Fotograf: Eilmeldung – Lizenz: GNU-FDL

An das obige Lied von Franz-Josef Degenhardt (ja, ich weiß, ein alter DKP-Millionär) muss ich denken, wenn ich mir die gegenwärtige Debatte um eine mögliche Zusammenarbeit mit Die Linke anschaue. Der erzkonservative Seeheimer Kreis fragt sich, „weshalb die SPD ein im Westen ein Sammelbecken von Altkommunisten, Sektierern und gescheiterten ehemaligen Sozialdemokraten durch Kooperationsangebote aufwerten sollte“, Herr Naumann als Nichtgewinner in Hamburg schreibt an Beck schon fast beleidigt von einer politischen „Geisterfahrt“ (STERN) und sagt im Hinblick darauf, dass Beck im Westen die Zusammenarbeit möglich hält: „Wir waren auf der Überholspur, und dann kam ein Lkw aus Mainz und hat alles plattgemacht.“ „Die SPD muss klarstellen, dass die Linke so unsinnige Programme hat, das man mit ihr nicht koalieren kann. Mit der Linken darf die SPD gar nichts zusammen machen“ sagt Klaus von Dohnanyi der BILD-Zeitung (sic!). Von den Äußerungen der CDU will ich gar nicht reden. Nur so jemand wie Wowereit ist dafür, „endlich mal dieses blöde Tabu wegzukriegen“, aber kein Wunder, der ist ja auch in einer rot-roten Koalition.

Interessant ist hierbei der Unterschied der gemacht wird: Die Linke wird im Westen den Schmuddelkindern zugerechnet, im Osten ist das alles nicht so wild. Hm, ist der Osten weniger wert, so dass das dort nicht so schlimm ist? Sozusagen das Sibirien Deutschlands, wo andere Verhältnisse gelten? Ich dachte wir seien gut 18 Jahre nach der Wiederveinigung ein einig Land!

Aber eigentlich ist das alles schon einmal dagewesen. Ich erinnere mich an die Zeiten, als Die Grünen so langsam in die Parlamente kamen, da wurden sie auch als Chaoten, Steinewerfer und Schmuddelkinder verteufelt. Und jetzt, das hätte man in den 80ern mal einem CDU-Politiker vorhersagen sollen, jetzt liebäugelt sogar die CDU mit einer Länderkoalition mit den Grünen.

Überhaupt sind die Grünen ein Beispiel dafür, dass eine Beteiligung von ungeliebten Parteien an der Regierung doch eher friedfertig macht. Wenn also die „etablierten“ Parteien mit der Linken zusammen arbeiten, wird früher oder später eine von zwei Sachen passieren: entweder Die Linke blamiert sich und wird dann irgendwann wieder verschwinden aus den Parlamenten (wie es am rechten Rand z.B. mit Schill passiert ist, bei dem die CDU auch keine Berührungsängste hatte). Oder sie richtet sich in der Macht und im Kreis der etablierten Parteien ein, so wie es mit den Grünen passiert ist.

Meistens streben nämlich die Schmuddelkinder danach, in die Oberstadt zu kommen, und nicht umgekehrt.

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4 Kommentare zu Schmuddelkinder

  1. manu sagt:

    RICHTIG!
    manu

  2. Karsten sagt:

    Sobald eine Schmuddelpartei im politischen Mainstream ankommt wird sie in meinen Augen genau so uninterressant und austauschbar wie die Etablierten. Ging mir mit den Grünen so und wird mit den LINKEN wohl auch passieren. Siehe hier in Berlin. Ich spiele mehr und mehr mit dem Gedanken nicht- oder ungültig Wählender zu werden. Oder doch die Pogopartei.
    Warum gibts im Clan keine Previews der Hannaxel Artikel mehr?

  3. Axel sagt:

    @Karsten: das Plugin funktioniert leider nicht so gut, wie ich es mir vorstelle. Ein Artikel will ich holen, dann holt es die letzten zehn und ich muss neun löschen.

  4. stralau sagt:

    Das ND ist in dem Gebäude inzwischen wieder drin — es ist also sowohl das ehemalige als auch das aktuelle Gebäude.

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