Sozialkapital

In der Bloggerszene, im wesentlichen unter den so genannten A-Bloggern wird immer wieder über das Verhältnis zwischen Bloggern und Journalisten geredet, wer die besseren Journalisten sind und ähnliche Sachen. Eigentlich interessiert mich diese Diskussion nicht besonders, da versuchen einige Größen einfach ihre Rollen abzustecken und interessanterweise gegen traditionelle Medien zu verteidigen. Ich denke, das hat auch damit zu tun, dass vor ein paar Jahren diese A-Blogger sich als kleinen Elitekreis fühlen konnten und dass mit der Verbreitung des Bloggens diese Rolle verloren geht, für viele normale Internetuser ist Bloggen nur eine der vielen Formen an Ausdrucksmöglichkeiten im Netz.

Die Mehrzahl der Blogger sehen sich nun gar nicht in Konkurrenz zu Journalisten, sie bloggen, weil sie Spaß dran haben und sich darüber freuen, dass es den einen oder anderen auch interessiert, die großen Mengen an Lesern oder sogar irgendwelche Werbeeinnahmen sind vollkommen unwichtig. Ist halt nichts anderes als ein Hobby. Ich bin dann immer etwas amüsiert, wenn solche Insiderdiskussionen stattfinden. Ein Aspekt dieser Diskussion auf der Blogbar war auch das „Inzuchtverhalten“, dass Leute die sich kennen, bei einer Podiumsdiskussion halt einfach nur nett zueinander sein werden und keine hitzige Diskussion entbrennen wird. So nach dem Motto: „Eine Krähe…“

Ein Kommentar in dieser Diskussion ist mir aber im Gedächtnis hängen geblieben. Da schreibt ein „MUX“ folgendes:

Was erwartet ihr? Klüngel ist einer der Motoren jeder Volkswirtschaft. Das funtkioniert im Kleinen nicht anders als im Grossen. Bei Journalisten ist die Vernetzung ein Teil ihres Jobs, bei Bloggern als “Mini-Journalisten” ist das nicht anders. Da gibt’s nun halt Gefälligkeiten. Das ist Fakt. Wer das anprangert und denkt er könne etwas ändern ist schlicht naiv und blind, und offenbart letzten Endes nur eines: her hat selber zu wenig Sozialkapital.

Na sowas, Sozialkapital? Wenn ich einen Bekannten habe wird der zum Kapital, wenn er wichtig genug ist? Und wenn ich Klüngel verabscheue, dann ist das nur Neid auf einen Sozialreichen, einen der viel Sozialkapital hat? Gibt es irgendwo im Internet vielleicht sogar einen Sozialkapitalrechner, der ausrechnet, wie reich man ist? Ist die Anzahl der persönlichen Kontakte bei Xing und die Zahl der Kontakte, die man braucht um an Ackermann oder Merkel ranzukommen eine entscheidende Größe? Na, ich weiß nicht.
Na, dachte ich, das ist ein Begriff den MUX erfunden hat und, ehrlich gesagt, ich fand ihn zynisch. Aber ich recherchiere ein wenig, und habe dann in der Wikipedia gefunden, dass der Begriff um 1916 das erste Mal verwendet wurde und seit 1983 häufiger verwendet wird. Dort steht:


Soziales Kapital bezeichnet „die Gesamtheit der aktuellen und potenziellen Ressourcen, die mit der Teilhabe am Netz sozialer Beziehungen gegenseitigen Kennens und Anerkennens verbunden sein können. Im Gegensatz zum Humankapital bezieht sich das soziale Kapital nicht auf natürliche Personen an sich, sondern auf die Beziehungen zwischen ihnen.“

Whow, führt Euch das ins Bewusstsein, wir sind alle nichts anderes als ein Teil eines Kapitals!

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Ein Kommentar zu Sozialkapital

  1. Karsten sagt:

    Na da werde ich sofort zum Sozialkommunisten. Sozialsozialist klingt eigentlich noch viel schöner.

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