Menschen: Die Mutter

Gleich am Check-In fällt sie uns auf: gutaussehend, schlank, langes dunkles Haar, begleitet von einem kleinen blonden Kind und offensichtlich den (Schwieger?-)Eltern. Sie hält die Wartenden auf, diskutiert mit dem Schalterpersonal, packt das Gepäck hin und her, um den strengen Bestimmungen von Ryanair gerecht zu werden und nicht für Übergepäck zahlen zu müssen. Später an der Sicherheitskontrolle steht sie mitten im Weg und verabschiedet sich ausgiebig von den Eltern, selbstvergessen, ohne daran zu denken, anderen Leuten den Zugang frei zu machen. H. meint noch: „Diese Schauspielertypen, Zicken sind das!“

Spät kommen wir ins Flugzeug, es ist schon recht voll, da entdecke ich zwei nebeneinander liegende freie Sitze. Am Fenster sitzt die Mutter mit dem Kind auf dem Schoß, augenrollend entscheiden wir uns für das Sitzen nebeneinander, natürlich in der Befürchtung, die nächsten 100 Minuten neben einem schreienden und quengelnden Kind zu sitzen, wir haben das schon oft genug erlebt.

Doch diesmal kommt es anders. Die Mutter kümmert sich intensiv um das Kind, erklärt alles, liest mit ihm, spielt mit ihm, während Start und Landung bekommt das Kind einen Reiskeks, offensichtlich um den Druck auf den Ohren zu entlasten. Das Kind wirkt ruhig und ausgeglichen, lacht und bietet H. sogar einen Teil seines Essens an. Beide sind wohl auf dem Weg nach Hause in Portugal und es entwickelt sich ein durchaus angenehmes kleines Gespräch.

Vorurteil ist in jeder Hinsicht widerlegt, das Kind wird nicht ein einziges Mal laut, und was zickenhaft wirkte, erwies sich im Nachhinein als das ernsthafte Kümmern einer liebevollen Mutter.

Frühere “Menschen”-Artikel: Die Betriebswirtin, Der Rocker, Die Punks, Der Professor, Die Blonde, Der Gitarrist, Der 68er, Die Pappprinzessin, Der Miniaturgeneral, Die Überempfindliche, Die Kneipenbesitzerin, Der Verwirrte

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Ein Kommentar zu Menschen: Die Mutter

  1. Bjoern sagt:

    Schön, wenn man so überrascht wird.

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