Weihnachten – Fest der Familie

Ich habe schon lange den Heiligen Abend nicht mit der Familie verbracht, denn ich hatte das Glück, im Alter von 21 Jahren Weihnachten aus Studiengründen in London zu verbringen, da waren meine Eltern dann dran gewöhnt und ich habe sorgfältig vermieden, die Verpflichtung wieder einkehren zu lassen. Jetzt habe ich das Problem nicht mehr, meine Mutter ist vor über 25 Jahren gestorben, mein Vater, ein emotionaler Eisklotz, ist auch schon fast 4 Jahre tot. Ich denke zwar, dass das Verhältnis zu meiner Schwester in den letzten Jahren etwas entspannter geworden ist, trotzdem ist eine gewisse Distanz da und mir würde nie in den Sinn kommen, bei ihr Weihnachten feiern zu wollen, besonders, da sie in Hamburg wohnt, und ich die Weihnachtszeit ausnutzen möchte, um mit Hanna in Berlin zusammen zu sein.

Hanna ist sicher viel mehr ein Familientier, und wenn Heide und ihre Töchter hier in Berlin wären, würden wir sicher viel Zeit dort verbringen. Aber sie sind leider in Kanada, und da macht man auch nicht so mal nebenbei einen Weihnachtsbesuch.

Deswegen haben wir die letzten Jahre zumindest Heiligabend im Freundeskreis verbracht, und auch dieses Jahr war es geplant, aber dann ist Gerd, der fester Bestandteil des Kreises war, kurz vor Weihnachten nach einem recht kurzen und überraschend notwendigen Krankenhausaufenthalt gestorben. Also war die Heiligabendfeier auch nicht recht angesagt.

Bleibt Hannas Mutter, hier in Berlin. Aus vielerlei Gründen, mir verständlich, ist das Verhältnis von Hanna zu ihrer Mutter nicht besonders innig, aber wenn sie Euch das erklären will, dann muss sie es schon selbst tun. Da aber Hannas beiden Schwestern nicht in Berlin sind, fühlt Hanna sich verpflichtet, sich zu einem gewissen Grad um ihre Mutter zu kümmern.

Wir sind heute also zu Besuch gefahren, ein Besuch, der eigentlich für gestern vorgesehen war, aber verschoben wurde, weil wir ein Auto haben wollten und unser Greenwheels-Kleinwagen den ganzen Nachmittag am 24. von anderen Leuten gebucht war.

Hannas Mutter ist vor einer Woche nach einem kurzen Krankenhausaufenthalt in ein Pflegeheim eingewiesen worden und, obwohl Hanna weiß, dass es das Beste für ihre Mutter ist, hat sie offensichtlich ein ganz schlechtes Gewissen. Ihre Mutter ist heftigst dement, und ich hatte kategorisch erklärt, dass eine Pflege durch uns, gerade in Anbetracht von Hannas Krankheit und meiner Hamburgpendelei, nicht in Frage kommt.

Hanna fand das im Grunde ihres Herzens gut und eine Erleichterung, so denke ich zumiindest, aber das schlechte Gewissen spielt mit und so musste der heutige Besuch sein. Zunächst wunderte sich Hannas Mutter, wer ich den sei (ich war das erste mal vor ca. 7 Jahren bei ihr zu Besuch). Obwohl in ihrer Wohnung ein Hochzeitsbild von uns stand, war ich ihr vollkommen fremd. Dann brachte sie zum Ausdruck, dass sie es eigentlich schön fände, wenn Hanna (mit ihren 57 Jahren) sie endlich zur Großmutter machen würde. Dass sie bereits 5 lebende Enkel und mindestens 3 Urenkel hat, das war nicht in ihrem Gedächtnis. Es war ihr auch nicht klar, dass sie in dem Heim wohnt, in dem wir sie besucht hatten.Usw., usw.

Hanna weiß eigentlich, dass es eigentlich egal ist, wann, ob überhaupt und wie auch immer ihre Mutter besucht wird. Aber ihre Mutter hat sich halt gefreut, mich endlich kennen zu lernen. Wo sie wohnt war ihr nicht klar.

Na gut, lange Erklärung, kurzer Sinn. Als wir zurück in F’hain waren, war Hanna plötzlich übel, der Rücken tat weh und sie musste mein mit viel Mühe gekochtes Weihnachtsessen stehen lassen, weil es ihr zum Kotzen war. Die Verpflichtungen werden dann irgendwie masochistisch: Hanna weiß, dass es ihr elend sein wird nach solch einem Besuch, ihre Mutter kann das nicht mehr würdigen.

Und meine persönliche Abneigung gegenüber familiären Weihnachtsverpflichtungen wird nur bestätigt. Das musste ich einfach mal los werden!

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2 Kommentare zu Weihnachten – Fest der Familie

  1. lena sagt:

    Liebe Grüße aus Hamburg,
    wir würden uns übrigens jeder Zeit über einen Besuch von euch freuen, auch zur Weihnachtszeit

  2. Hanna sagt:

    Tja, das Familientier Hanna hat gestern so regiert, wie ein Teil der selbstgewählten Familie..unsere Freunde…es auch tun würde. Manu ich denke da an Dich, denn ich bekam auch leicht erhöhte temperatur und Herpesbläschen, also der ganze Körper schrie. Aber letze Woche bei Tante Hannchen war es ganz anders. Kenne einer meine Seele…aber ich habe ja Axel und das hilft.
    Danke Lena, wird demnächst gemacht!

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