Hunger oder Appetit?

Telekom Tower Hamburg-HarburgDas Mittagessen ist immer so eine Sache. Schlecht ist die Auswahl nicht in Harburg, aber es läuft immer auf 3-5 Restaurants hinaus. Eines davon ist das Sehlmanns, geführt von einem Koch, der sicher einmal Ambitionen hatte, etwas bessere Küche zu bieten. Das Mittagsgeschäft hilft dabei, dann eine Grundeinnahme zu sichern und er hat sich bestimmt in der Umgebung umgesehen. Denn das Sehlmanns ist das einzige Restaurant in der Umgebung, das ein Buffet anbietet. Ursprünglich gab es das zu einem Preis von 5,40 Euro, was der Größenordnung der umliegenden Restaurants entsprach. Dafür gab es ein Gericht mit beliebigem Nachschlag und eine Bar mit frischem Salat. Hat sich nicht so richtig gelohnt offensichtlich, also wurde irgendwann die Salatbar abgeschafft, der Preis auf 5,70 Euro erhöht und die Speisenauswahl erheblich reduziert. Es war allerdings auch kein Wunder, denn zu großen Teilen fand sich eine Klientel in schicken Businessanzügen, die die Salatbar als Vorspeise satt betrachteten und dann einen Hauptgang in zwei, drei oder mehr Portionen zu sich nahmen. Mittlerweile hat das Restaurant eine Auswahl von 7-8 Gerichten, von denen täglich eins in Rotation auf die Mittagskarte gesetzt wird. Zwei oder drei Gerichte erfreuen sich dabei besonderer Beliebtheit. Eines davon sind die Schnitzel Wiener Art mit Kartoffelpüree und Gurkensalat, für den Preis bekommt man normalerweise nur Friteusenfleisch und Fertigpüree, hier aber Schnitzel aus der Pfanne und hausgemachten Kartoffelbrei. Neulich gab es das andere beliebte Gericht, hausgemachte Rinderfrikadellen mit Kartoffeln und Erbsen-/Wurzelgemüse. Auch bei diesem Angebot brummt der Laden und es kann schon mal sein, dass es irgendwann einfach nichts mehr gibt. Eigentlich ein gutes Zeichen, wird halt für den Tag eingekauft und nicht in die Tiefkühltruhe gegriffen. Es war also so, dass kurz nach eins das Ende der Frikadellen abzusehen war, sie hatten an dem Tag schon 240 abgebraten. Da kommen noch Gäste in Schlips und Anzug und wollen essen. Der Koch erklärt ihnen höflich, dass die Frikadellen alle sind. Die Schlipsträger wollen das nicht wahr haben und fangen an zu pöbeln, es könne doch nicht wahr sein, dass da nichts mehr sei. Der Besitzer bleibt freundlich, aber die verhinderten Gäste können sich kaum beruhigen. Früher war ich Softwareentwickler und die Entwickler hatten immer Probleme mit dem Vertrieb. Der sei immer nur hinter der Kohle her, verspreche Sachen, die nicht zu halten seien und bestünde dann darauf, dass seine Zusagen einzuhalten seien. Daran musste ich in dieser Situation denken, denn die Anzuggäste sind zu großen Teilen Vertriebsmitarbeiter aus dem Telekomtower um die Ecke.

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