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Zeitreise

Montag, 30. März 2009 | Autor: Axel

Seit ein paar Monaten nutze ich die Zeit hier in Hamburg, um am Dienstag einen Kurs zum Auffrischen und Verfestigen meiner Französischkenntnisse zu machen. Zustande gekommen ist das auf Bitten oder Empfehlung einer Kollegin, also war für mich die Auswahl des Ortes vollkommen zufällig. Der Kurs findet in Hamburg St. Georg statt, in einem Verein, dem Kulturladen.

Der Besuch dort hat mich an eine Zeit erinnert, während derer ich häufig in solchen Institutionen unterwegs war, das ging von Ende der Siebziger für etwa 10 Jahre. Ich kümmerte mich in Hamburg um die Belange von Migranten, in enger Anlehnung an eine große Partei. Ich setzte mich damals ein für eine Begegnungsstätte zwischen Ausländern und Deutschen, der Blick war gefallen darauf, diesen Verein in einem alten, jetzt ungenutzten Krankenhausgebäude zu etablieren.

Das passierte damals viel, Vereine mit bestimmten Zwecken wie Förderung der Integration von Ausländern, Geschichtswerkstätten, Kulturvereine und andere kämpften mit- und gegeneinander um knappe Mittel aus der Kommunalpolitik, um Gebäude, die ungenutzt waren, Fabriken, Werkstätten, Läden oder öffentliche Gebäude. Viele der Initiativen waren einander spinne feind, sie kämpften um die gleichen Töpfe und Gebäude, jedenfalls nach außen hin, häufig standen dahinter Personen, denen es um nichts anderes als um einen Job für sich selbst ging. Wenn man hinein ging in diese Initiativen wirkte vieles improvisiert, Möbel vom Sperrmüll, ein kleines Café oder sogar ein Restaurant war ein Muss.

Als ich dann 20 Jahre später in den Kulturladen kam, um Französisch zu lernen, kam mir vieles bekannt vor. St. Georg ist eine sozial nicht unproblematische Ecke, nahe am Hauptbahnhof in Hamburg, nahe am Drogen- und Bahnhofsstrich. Die Bebauung ist dominiert von Bürobauten, teilweise als Hochhäuser, die in Hamburg nur hier und ein paar Kilometer weiter zu finden sind. Der Kulturladen ist in einer kleinen Nachkriegssiedlung gelegen, ein paar dreistöckige Häuser gebaut aus roten Ziegeln, schnell hochgezogen Ende der 50er oder Anfang der 60er zur Behebung der Wohnungsnot, die Häuser wirken ein wenig verloren zwischen all den Bürobauten.

Natürlich hatte man damals für den Wohnblock einen Laden konzipiert, der dann irgendwann nicht mehr gebraucht wurde für die Versorgung der Bevölkerung. Dieser Laden beherbergt nun nach billiger Renovierung den Kulturladen. Das Ladengeschäft beherbergt ein Café, möbliert mit Sperrmüll, die Hinterräume und wohl auch das, was die ehemalige Ladenwohnung war, bietet Platz für Büros und Kursräume.

Das Café wird bewirtschaftet von Südamerikanern, Afrikaner habe ich auch schon gesehen, zu essen gibt es Enchilladas und Tortillas. Die Frauen, die man hier sieht sind typisch für solche Vereine, intellektuell, um die 40, fasziniert von der Maskulinität der Ausländer in diesem Verein. Die deutschen Männer sind eher schmächtig, man sieht ihnen ihre Probleme an und auch ihre Hoffnung, vielleicht mit einer der intellektuellen, aber auch sozial angehauchten Frauen anbandeln zu können.

Interessant wird es an Tagen, an denen ein Tangoabend statt findet. Die Tische werden an den Rand geräumt um Platz zu schaffen für die Tanzfläche, bunte Lichterschlangen werden ausgelegt. Es bilden sich ungleiche Paare, über 70jährige Südamerikaner mit zweifarbigen Tangoschuhen tanzen mit 20jährigen in kurzem angeschlitzten Rock, intellektuelle Mitvierziger Frauen mit offensichtlich ihren Töchtern.

Es ist als ob die Zeit stehen geblieben ist gegenüber der Zeit vor 25 Jahren. Nur beim zweiten Blick fallen die Kleinigkeiten auf, mitten im Café steht jetzt ein Computer mit Internetzugang, 10 Minuten frei, danach 50 Cent pro halbe Stunde. Es ist davon auszugehen, dass für die Filmabende mittlerweile DVD-Player und Beamer benutzt werden statt klassischem Filmprojektor.

Und wahrscheinlich haben viele der Leute hinten im Büro, vieeleicht auch die in der Küche oder hinter dem Tresen nichts anderes als einen ordinären ein-Euro-Job.

Kulturladen St. Georg
Alexanderstr. 16

20099 Hamburg

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Schnippsel

Donnerstag, 26. März 2009 | Autor: Axel

Schiebehund. In der Firma sind wir langsam schon an Anton gewohnt ein sehr ungestümer Labrador, den unser Geschäftsführer häufig mit ins Büro nimmt. Es gibt Leute, die haben Angst vor ihm auch wenn er nichts tut. Der GF ist nicht unbedingt die (Hunde)Führungspersönlichkeit, aber Anton ist mit der Zeit doch ein wenig gesitteter geworden. Zeit also für eine Lady, größer, braun und äußerst phlegmatisch. Es war ein äußerst konisches Bild vor einigen Tagen, als der neue Hund ganz stoisch beschloss, sich nicht weiter zu bewegen: vorne zog der Geschäftsführer, hinten schob eine Kollegin. Der Hund tat nichts, aber langsam ging es voran.

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Kappenkatze. Unsere Katzen lieben Kartons, Tüten haben wir noch nicht so probiert. Die können aber schon ein weiter gehendes Interesse wecken: Tütenkatze.

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Abwrackprämie. Mancher mag es kaum glauben, aber ich kann richtig bösartig sein. Ich hatte heute so einen richtig fiesen Gedanken: Hat vielleicht die Agentur für Arbeit auch ihrer Klientel eine Prämie ausgelobt, nämlich die Abwrackprämie für Freundschaften?

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Es ist Frühling. Auch wenn es viele nicht glauben, der Frühling ist da. Jedenfalls ist das Elsternpärchen vor meinem Büro fleißig am Nestbau, mittlerweile ist schon die Polsterphase erreicht.

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Suchanfragen. Es gibt schon Sorgen, auf einem Blog fragt jemand ob BBI schon überfüllt sei (wird doch frühestens in 3 Jahren eröffnet). Auf dem nächsten sucht jemand bücher von wilhelm busch in berlin, der dritte zieht jemand an mit der Frage woraus besteht ein mensch, und im vierten will jemand wissen, ob er auf dem Eurostar die Sitze verstellen kann: euro train reclining seats.

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Traurig. Dieses Wochenende bleibe ich in Hamburg, allein, wegen Abgabetermin in der nächsten Woche. Wir sind beide traurig, werden aber das ganze überstehen, weil meine Überstunden mir die Woche vor Ostern komplett in Berlin geben müssten.

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Die in den Strudel gerissen werden

Mittwoch, 25. März 2009 | Autor: Axel

Liebe ist ein wunderbares Gefühl, an das sich alle, die das Glück hatten, es einmal erleben zu dürfen, natürlich wohlig erinnern. Am schönsten ist Liebe, wenn zwei Personen zueinander finden, frei von Bindungen, mit allen Möglichkeiten, aufeinander zu zu gehen, sich zu erfahren, zu schmecken, zu finden oder auch nicht.

Es gibt viele Varianten, es kann sein, dass nur einer liebt, dass sich beide lieben, dass man einander verfällt, oder auch nicht. Der von mir verehrte Ovid hat zwei Werke geschrieben, das eine ist die Ars amandi, die Kunst zu lieben, die Ratschläge gibt, die Liebe einer Frau zu gewinnen. Aber Ovid war klug genug zu wissen, dass das nicht immer klappen kann, und daher hat er auch den Gegenratgeber geschrieben, die Remedia amoris, Gegenmittel gegen die Liebe, wenn sich das mit der Liebe nicht so ausgeht, wie es soll.

Aber es gibt Leute im Umkreis von Liebenden, die von allen Ratgebern vergessen werden, das sind die Freunde und Bekannten. Ich selber habe es mehrfach erlebt, mit jeder Trennung, jeder neuen Liebe, dem Weg in einen neuen Lebensabschnitt gehen Menschen verloren. Da ist ein Liebender oder eine Liebende auf dem Weg in einen neuen Abschnitt, ein unbekannter Weg, wo man jeden Zuspruch brauchen kann und eigentlich erwartet, dass alle Freunde und Bekannten sich auf die eigene Seite schlagen. Aber diese Freunde und Bekannten kennen alle Seiten, unter Umständen sogar dritte, die mit ins Spiel kommen. Sie wollen sich nicht auf eine Seite schlagen, Warum auch, sie können sich nur als Gesprächspartner anbieten, Ratschläge geben, ohne Partei zu ergreifen.

Unglücklich Liebende können das nicht verstehen, wenn sie schon in der Hassphase sind, wollen sie, dass ihre Freunde den Hass mitmachen, sich bedingungslos auf ihre Seite stellen. Das ist unmöglich, schließlich sehen andere viele Seiten, wissen um die Verletzungen und was aus der Verletzung heraus Böses passieren kann, sie hören zu, ohne zu werten. Nun ist es meist so, dass von den verletzten Liebenden einer eher gesprächig ist und sich mitteilt, die andere oder die anderen Parteien aber einfach ohne große Worte erwarten, dass man bedingungslos zu ihnen steht. Geht nicht, die Dritten wissen genau, dass Leute mit verletzen Gefühlen einfach um sich schlagen und anfangen, mehr und mehr Leute für ihr emotionales Unglück verantwortlich zu machen. Ganz besonders, wenn bei den verletzten Liebenden Drei- oder auch Vierecksverhältnisse ins Gespräch kommen, dann wird es richtig kompliziert.

Zurück bleiben die Freunde, ratlos. Zerrieben zwischen Emotionen, die sie nicht nachvollziehen können, sehen sie lieb gewonnene Freundschaften davon schwimmen. Gerade auch, weil die emotional involvierten die Verletzungen für sich behalten, alte Freunde abservieren, weil die ein Bild für das eigene Scheitern sind. Die Freunde sind dann plötzlich gezwungen, Stellung zu beziehen, wohl wissend, dass sie es eigentlich nicht können.

Sie suchen also nach dem Kern der Wahrheit und bekommen plötzlich Argumente geliefert, dass eine Sicht die richtige sein muss, zum Beispiel, wenn sie eine Mail bekommen, in der auf Tatsachen hingewiesen wird, die sie wissen müssten um richtig urteilen zu können. Wenn sie dann sehen, dass sie all das, was in der Mail steht schon wissen, obwohl impliziert wird, dass ihnen das verschwiegen worden sei. Da gewinnt dann plötzlich auch vieles andere eine Glaubwürdigkeit, das, was man vorher als emotionale Kampfaussagen aussortiert hatte.

Nein, es ist nicht einfach für die Freunde von emotional Verletzten, sie stehen dann plötzlich ohne Freunde da, ohne zu wissen warum.

Die Liebenden oder Nichtliebenden sind auch zu bedauern, sie wissen einfach nicht, wie ihnen geschieht. Um zum Latein zurück zu kommen, das hat Catull in seinem Canon 85 einfach wunderbar ausgedrückt hat:

Odi et amo. Quare id faciam fortasse requiris.
Nescio. Sed fieri sentio et excrucior.

„Ich hasse und ich liebe – warum, fragst du vielleicht.
Ich weiß es nicht. Ich fühl’s – es kreuzigt mich.“

Ich wünsche allen, die sich angesprochen fühlen, dass sie den Weg finden, der ihnen Frieden gibt.

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Klingelton

Samstag, 21. März 2009 | Autor: Axel

Jeder kennt ihn, diesen Standardton, mit dem Nokiatelefone ankommende Anrufe signalisieren: Dideldidididideldididi. Auch mein erstes Telefon war auf diesen Ton eingestellt, und das will schon was heißen, habe ich doch seit mehr als 5 Jahren kein Nokia mehr, und davor etwa 4 verschiedene, das heißt ich lebe mit dem Ton seit Mitte der 90er Jahre.

Es mag sein, dass manche Leute diesen Ton als Konstanz in ihrem Leben benötigen, und deshalb diese Wahl treffen, nach dem Motto, die Telefone wechseln, der Ton bleibt gleich. Es gibt ja sogar Leute, die den Jingle aus der Telekomwerbung als Klingelton benutzen.

Es war also keiner richtig erstaunt im Zug als dieser Nokiawerbeklingelton laut ertönte im Zug, Dideldidididideldididi. Doch dann war die Batterie alle oder so etwas, es klang als ob jemand bei einem Grammophon aufgehört hatte zu kurbeln. Dideldiiidddiiiiiddddddiiiidddd.

Alle kannten den Ton. Ich habe vorher noch nie die ganze Besatzung eines Eisenbahnwagens gemeinsam laut lachen gehört.

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Schreck

Samstag, 21. März 2009 | Autor: Axel

Hanna ging es die ganze Woche nicht gut, nachdem sie sich einen Virus bei mir gefangen hatte. Gestern meinte sie dann, sie müsse doch die Ärztin holen und gerade als ich in den Zug einsteigen wollte, kam die Nachricht, sie müsse ins Krankenhaus.

Der geneigte Leser kann sich sicher vorstellen, dass mir da nun wirklich der Schreck in die Glieder fuhr, die Ärztin befürchtete Blinddarm oder Galle. Reichlich bedrückt brachte ich die Bahnfahrt hinter mich, keine Hanna da, als ich zuhause ankam.

Natürlich habe ich gleich angerufen im Krankenhaus, bekam auch einen Arzt ans Rohr und der gab gleich Entwarnung, Hanna solle noch eine Infusion bekommen und könne dann nach Hause. Was war passiert? Hanna hatte wohl zu wenig getrunken, war dehydriert und da können Darm oder Nieren schon einmal schmerzempfindlich reagieren.

Ich war jedenfalls froh, als ich sie am Taxi in die Arme nehmen konnte.

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Zurück

Montag, 16. März 2009 | Autor: Axel

So, es ist immer wieder eine Freude zurück in Berlin zu sein. Ich muss gestehen, dass wir nach unserem Spaziergang am Samstag nicht mehr viel gesehen haben. Das lag natürlich einerseits daran, dass es für Hanna und Jürn angesagt war, sich einander erst einmal kennenzulernen, so richtig hatten sie diese Gelegenheit offensichtlich nicht in den letzten 20-30 Jahren.

Zum andern war ich der störende Faktor, denn es war sich nicht angenehm für die beiden, die Zeit mit einem hustenden, keuchenden und wahrscheinlich auch fiebrigen Wesen die Zeit zu verbringen, das alle paar Stunden den dringenden Wunsch verspürt, sich aufs Ohr zu legen aus Erschöpfung.

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Wien 2

Sonntag, 15. März 2009 | Autor: Axel

Restaurierung Parlament

Am Samstag meinte es das Wetter viel besser mit uns als am Tag zuvor. Keine Regen, kein Hagel, sogar die Sonne zeigte sich hier und da. Es war also beste Gelegenheit, einen Spaziergang durch die Stadt zu machen, vor allem, um Hanna einen Eindruck zu geben, die noch nie hier war.

Wien wirkte noch verschlafen winterlich, schien sich aber auf den Sommer und den zu erwartenden Touristensturm vorzubereiten. Allenthalben wird renoviert, was zum Teil recht unkonventionell wirkt wie das kleine Haus oben, das um einen der eisernen Pferdewagen auf dem Dach gebaut war. Die Rosen im Volksgarten sind auch noch winterfest verpackt, so als ob die Gärtner dann doch noch einmal einen kräftigen Wintereinbruch erwarten.

Verpackte Rosen

Langsames Schlendern durch die Hofburg, hinunter zum Graben mit der Pestsäule (natürlich auch renovierungsmäßig verpackt) bis zum Stephansdom. Zwischendurch eingekehrt beim Hawelka, bis in die 90er Jahre eines der letzten Künstler- und Literatencafés Wiens. Einen der typischen Wiener imbissgerichte genossen, eine exzellente Gulachsuppe, dazu eine Kaffee spezialität, einen Einspänner, Mokka mit Schlagsahne.

Einspänner

Dann ging es langsam zurück, für ein Eis war es dann doch noch nicht frühlingshaft genug, für uns jedenfalls, vielleicht hat auch das Gedrängel abgeschreckt. Ansonsten habe ich dann noch ein wenig Erkältung weg geschlafen, Hanna und Jürn gekocht und dann natürlich viel geklönt.

Hanna und Jürn in der Hofburg

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Wien I

Sonntag, 15. März 2009 | Autor: Axel

Die Nacht von Donnerstag auf Freitag war unmenschlich kurz, nach gut 5 Stunden Schlaf ging um kurz nach vier der Wecker, wir waren gegen sechs am Flughafen und nach kurzer Zeit des Bangens (der Flug war überbucht), kamen wir kurz nach acht Uhr in Wien-Schwechat an, Hanna nach einem standesgemäßen Upgrade in die Business Class.

Natürlich wurde viel geklönt, Hanna und Jürn hatten sich lange nicht gesehen, aber irgenwann meldete sich doch der Hunger und wir wählten aus Jürns Vorschlägen ein typisches Wiener Beisl aus, in dem wir hofften Wiener Küche abzubekommen.

Und die Hoffnungen wurden nicht enttäuscht. Mitten in einem Neubaugebiet taucht plötzlich dieses kleine, etwas heruntergekommen aussehende Haus auf, der Parkplatz eine einzige Schlamm- und Pfützenlandschaft, dafür aber voll besetzt, wie auch das Beisl innen, an jedem Tisch saßen Leute und wir hatten Mühe, einen Tisch zu finden, an dem noch drei Plätze frei waren. Um uns herum offensichtlich lauter Österreicher und schnell kamen wir kam Hanna ins Gespräch. Hanna und Jürn bestellten Schweinebraten, ich Selchfleisch, als Nachtisch gab es Topfenknödel, alles in großen Portionen und wir waren hochzufrieden.

Alle anderen aber aßen Kabelljaufilet mit Kartoffelsalat, das Tagesgericht (es war Freitag!), nach Auskunft unseres Tischnachbarn der beste Kabeljau in Wien. Und er erzählte uns auch, dass man die meisten Leute am Sonntag wieder treffen könnte, dann im Schweizer Hof, wo die besten Stelzn von Wien als Tagesgericht angeboten würden. Wir wurden also zufällig Teil einer Wiener Essenswanderung.

Ansonsten sagte mir mein Körper: “Urlaub? Ist nicht, ich nehme mir jetzt meine Erkältung.” Deshalb verbrachte ich dann den Rest des Tages im Bett.

Wiener Beisl

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Verkehrsgeschichten

Dienstag, 10. März 2009 | Autor: Axel

Das blaue Auge ist offensichtlich so entstanden, nennen wir die Fahrradfahrerin F. und den Autofahrer A.: F. meint dass A. einen Verkehrsverstoss begangen hat und haut beim nächsten Halt kräftig an die Scheibe. Normalerweise reagieren die Fahrer dann erschrocken bis verängstigt, A. aber kurbelt die Scheibe runter und landet einen gezielten Faustschlag in ihrem Auge. F. schlägt zurück und zertrümmert A. die Brille und bohrt ihm einige Splitter ins Gesicht. Weitere Beteiligte versuchen zu schlichten und bekommen auch ihre Blessuren ab. Dann Polizei usw. usw. F. hatte sicher Glück, dass A. kein Messer oder eine geladene Pistole mit sich führte. Oder auch umgekehrt. Dem lokalen Polizeibericht in der Presse war das keine Erwähnung wert.

Der alltägliche Wahnsinn im Verkehr offensichtlich.

Mein morgendlicher Weg zur Arbeit ist vielleicht 700 oder 800 Meter lang und eigentlich recht langweilig. Da schaut man nach Ablenkung und ich spiele dann das Falschparkerspiel. Auf dem Weg ist eine Zone von gut 100 m Länge, wo Autos nur mit Parkschein parken dürfen, ich zähle dann durch, wer bezahlt hat und wer nicht. Rekord sind glaube ich 5 Zahler bei 13 Parkern oder so, normal sind ein oder zwei korrekte von 12-15. Zahler sind meist die mit langweiligen Mittelklassewagen, Schrottkarren und BMWs ist das Zahlen meist egal, ebenso wie Handwerkerwagen, die für die Dauer von Arbeiten sicher eine Sondergenehmigung bekämen, aber die kostet ja auch was.

Dürfte ich Strafzettel verteilen, könnte ich so 200 Euro innerhalb von 2 Minuten einnehmen und ich frage mich dann, warum nicht mehr Hilfspolizisten unterwegs sind. Aber wahrscheinlich rechnet das Ordnungsamt alles spieltheoretisch aus. Es ist ja nicht so einfach, dass man mehr einnimmt, je mehr Kontrolleure aktiv sind, sondern das Gegenteil ist der Fall. Wenn viel kontrolliert wird, würde den Autofahrern das Risiko zu hoch und sie würden zahlen. Kein Umsatz für die Kontrollettis und der Staat könnte sie sich nicht mehr leisten.

Das zweite Spiel, das ich dann auf dem Weg beobachte, ist das Autofahrerverarschspiel. Auf dem weiteren Arbeitsweg komme ich nämlich an einer Tankstelle vorbei und ich stelle fest, dass seit einigen Wochen die Preise für Kraftstoff relativ stabil sind, aber vollkommen unberechenbar. Mindestens einmal am Tag, oft auch zweimal werden die Preise geändert. Da wird der Diesel plötzlich 8 Cent teurer, die anderen Treibstoffe sinken um 1 Cent, am nächsten Tag das eine wieder um 4 Cent runter, das andere dann wieder teurer. Da kann ich dann verstehen, dass die Autofahrer halt immer nur für 20 Euro tanken, da ist das Spekulationsrisiko verringert, wenn auch die Arbeit erhöht.

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Blaues Auge

Montag, 9. März 2009 | Autor: Axel

Nanu, dachte ich, bei dem trüben Wetter eine Sonnenbrille, da stimmt doch was nicht, als Kollegin A. gestiefelt und gespornt zum Mittagessen antrat. Spontan dachte ich, da kommen gleich die üblichen Erklärungen, wie “gegen einen Türrahmen gelaufen” oder “beim Fensterputzen gestürzt”.

Die Erklärung, die dann kam, war aber wirklich plausibel. A. ist begeisterte und beständige Radfahrerin, ja, auch bei dem Wetter. Und sie ist sehr impulsiv, da kann es, nach ihren bisherigen Erzählungen, schon einmal dazu kommen, dass sie einem Autofahrer, der sich ihrer Meinung nach falsch verhalten hat, ein paar deftige Wörter an den Kopf haut oder lautstark auf das Dach klopft.

Und gestern ist sie dann wohl an den falschen geraten, der hat zugeschlagen. Es ist wohl offensichtlich, dass es dem Autofahrer heute auch nicht gut geht und dass noch ein dritter Blessuren davon getragen hat. Da werden sich vielleicht einige vor Gericht wieder sehen.

Ich finde ja, auf eines kann man im Straßenverkehr überhaupt nicht verzichten, auf Gelassenheit. Hätte ich die nicht, würde ich auch durchdrehen. Und auch Sonnenbrille tragen wie A. Ach ja, die Schwächsten sind die Fußgänger wie Hanna, die bei Fußgängergrün die Straße überquerte und dabei von einem Radfahrer umgerissen wurde. Der ungerührt weiter fuhr.

Thema: Arbeitszimmer | 3 Kommentare

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