Verkehrsgeschichten

Das blaue Auge ist offensichtlich so entstanden, nennen wir die Fahrradfahrerin F. und den Autofahrer A.: F. meint dass A. einen Verkehrsverstoss begangen hat und haut beim nächsten Halt kräftig an die Scheibe. Normalerweise reagieren die Fahrer dann erschrocken bis verängstigt, A. aber kurbelt die Scheibe runter und landet einen gezielten Faustschlag in ihrem Auge. F. schlägt zurück und zertrümmert A. die Brille und bohrt ihm einige Splitter ins Gesicht. Weitere Beteiligte versuchen zu schlichten und bekommen auch ihre Blessuren ab. Dann Polizei usw. usw. F. hatte sicher Glück, dass A. kein Messer oder eine geladene Pistole mit sich führte. Oder auch umgekehrt. Dem lokalen Polizeibericht in der Presse war das keine Erwähnung wert.

Der alltägliche Wahnsinn im Verkehr offensichtlich.

Mein morgendlicher Weg zur Arbeit ist vielleicht 700 oder 800 Meter lang und eigentlich recht langweilig. Da schaut man nach Ablenkung und ich spiele dann das Falschparkerspiel. Auf dem Weg ist eine Zone von gut 100 m Länge, wo Autos nur mit Parkschein parken dürfen, ich zähle dann durch, wer bezahlt hat und wer nicht. Rekord sind glaube ich 5 Zahler bei 13 Parkern oder so, normal sind ein oder zwei korrekte von 12-15. Zahler sind meist die mit langweiligen Mittelklassewagen, Schrottkarren und BMWs ist das Zahlen meist egal, ebenso wie Handwerkerwagen, die für die Dauer von Arbeiten sicher eine Sondergenehmigung bekämen, aber die kostet ja auch was.

Dürfte ich Strafzettel verteilen, könnte ich so 200 Euro innerhalb von 2 Minuten einnehmen und ich frage mich dann, warum nicht mehr Hilfspolizisten unterwegs sind. Aber wahrscheinlich rechnet das Ordnungsamt alles spieltheoretisch aus. Es ist ja nicht so einfach, dass man mehr einnimmt, je mehr Kontrolleure aktiv sind, sondern das Gegenteil ist der Fall. Wenn viel kontrolliert wird, würde den Autofahrern das Risiko zu hoch und sie würden zahlen. Kein Umsatz für die Kontrollettis und der Staat könnte sie sich nicht mehr leisten.

Das zweite Spiel, das ich dann auf dem Weg beobachte, ist das Autofahrerverarschspiel. Auf dem weiteren Arbeitsweg komme ich nämlich an einer Tankstelle vorbei und ich stelle fest, dass seit einigen Wochen die Preise für Kraftstoff relativ stabil sind, aber vollkommen unberechenbar. Mindestens einmal am Tag, oft auch zweimal werden die Preise geändert. Da wird der Diesel plötzlich 8 Cent teurer, die anderen Treibstoffe sinken um 1 Cent, am nächsten Tag das eine wieder um 4 Cent runter, das andere dann wieder teurer. Da kann ich dann verstehen, dass die Autofahrer halt immer nur für 20 Euro tanken, da ist das Spekulationsrisiko verringert, wenn auch die Arbeit erhöht.

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