Die in den Strudel gerissen werden

Liebe ist ein wunderbares Gefühl, an das sich alle, die das Glück hatten, es einmal erleben zu dürfen, natürlich wohlig erinnern. Am schönsten ist Liebe, wenn zwei Personen zueinander finden, frei von Bindungen, mit allen Möglichkeiten, aufeinander zu zu gehen, sich zu erfahren, zu schmecken, zu finden oder auch nicht.

Es gibt viele Varianten, es kann sein, dass nur einer liebt, dass sich beide lieben, dass man einander verfällt, oder auch nicht. Der von mir verehrte Ovid hat zwei Werke geschrieben, das eine ist die Ars amandi, die Kunst zu lieben, die Ratschläge gibt, die Liebe einer Frau zu gewinnen. Aber Ovid war klug genug zu wissen, dass das nicht immer klappen kann, und daher hat er auch den Gegenratgeber geschrieben, die Remedia amoris, Gegenmittel gegen die Liebe, wenn sich das mit der Liebe nicht so ausgeht, wie es soll.

Aber es gibt Leute im Umkreis von Liebenden, die von allen Ratgebern vergessen werden, das sind die Freunde und Bekannten. Ich selber habe es mehrfach erlebt, mit jeder Trennung, jeder neuen Liebe, dem Weg in einen neuen Lebensabschnitt gehen Menschen verloren. Da ist ein Liebender oder eine Liebende auf dem Weg in einen neuen Abschnitt, ein unbekannter Weg, wo man jeden Zuspruch brauchen kann und eigentlich erwartet, dass alle Freunde und Bekannten sich auf die eigene Seite schlagen. Aber diese Freunde und Bekannten kennen alle Seiten, unter Umständen sogar dritte, die mit ins Spiel kommen. Sie wollen sich nicht auf eine Seite schlagen, Warum auch, sie können sich nur als Gesprächspartner anbieten, Ratschläge geben, ohne Partei zu ergreifen.

Unglücklich Liebende können das nicht verstehen, wenn sie schon in der Hassphase sind, wollen sie, dass ihre Freunde den Hass mitmachen, sich bedingungslos auf ihre Seite stellen. Das ist unmöglich, schließlich sehen andere viele Seiten, wissen um die Verletzungen und was aus der Verletzung heraus Böses passieren kann, sie hören zu, ohne zu werten. Nun ist es meist so, dass von den verletzten Liebenden einer eher gesprächig ist und sich mitteilt, die andere oder die anderen Parteien aber einfach ohne große Worte erwarten, dass man bedingungslos zu ihnen steht. Geht nicht, die Dritten wissen genau, dass Leute mit verletzen Gefühlen einfach um sich schlagen und anfangen, mehr und mehr Leute für ihr emotionales Unglück verantwortlich zu machen. Ganz besonders, wenn bei den verletzten Liebenden Drei- oder auch Vierecksverhältnisse ins Gespräch kommen, dann wird es richtig kompliziert.

Zurück bleiben die Freunde, ratlos. Zerrieben zwischen Emotionen, die sie nicht nachvollziehen können, sehen sie lieb gewonnene Freundschaften davon schwimmen. Gerade auch, weil die emotional involvierten die Verletzungen für sich behalten, alte Freunde abservieren, weil die ein Bild für das eigene Scheitern sind. Die Freunde sind dann plötzlich gezwungen, Stellung zu beziehen, wohl wissend, dass sie es eigentlich nicht können.

Sie suchen also nach dem Kern der Wahrheit und bekommen plötzlich Argumente geliefert, dass eine Sicht die richtige sein muss, zum Beispiel, wenn sie eine Mail bekommen, in der auf Tatsachen hingewiesen wird, die sie wissen müssten um richtig urteilen zu können. Wenn sie dann sehen, dass sie all das, was in der Mail steht schon wissen, obwohl impliziert wird, dass ihnen das verschwiegen worden sei. Da gewinnt dann plötzlich auch vieles andere eine Glaubwürdigkeit, das, was man vorher als emotionale Kampfaussagen aussortiert hatte.

Nein, es ist nicht einfach für die Freunde von emotional Verletzten, sie stehen dann plötzlich ohne Freunde da, ohne zu wissen warum.

Die Liebenden oder Nichtliebenden sind auch zu bedauern, sie wissen einfach nicht, wie ihnen geschieht. Um zum Latein zurück zu kommen, das hat Catull in seinem Canon 85 einfach wunderbar ausgedrückt hat:

Odi et amo. Quare id faciam fortasse requiris.
Nescio. Sed fieri sentio et excrucior.

„Ich hasse und ich liebe – warum, fragst du vielleicht.
Ich weiß es nicht. Ich fühl’s – es kreuzigt mich.“

Ich wünsche allen, die sich angesprochen fühlen, dass sie den Weg finden, der ihnen Frieden gibt.

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2 Kommentare zu Die in den Strudel gerissen werden

  1. mariechen sagt:

    Mein Weg ist los zulassen, grad gelernt, wer liebt schützt damit sich und die unbeteligten. Klappt nicht immer, aber es trainiert sich.
    Ist leider so, Hass ist der dunkle Zwilling der Liebe.
    Etwas Prosa:
    „wenn um Dich kämpfen bedeutet
    in den krieg zu ziehen
    ist Liebe dann nicht lächerlich ?“

  2. Pingback: Mariechen » Lieber Axel,…. «

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