Beamtenleben an der Universität
Dienstag, 28. April 2009 | Autor: Axel
Beamter bin ich nicht, aber viele haben sicher das Vorurteil, dass an den Universitäten ein bequemes Leben möglich ist. Mag sein, meine Erfahrung ist anders.
Professor V. ist mittlerweile emeritiert, das heißt im Ruhestand. Das kann schön schwer sein, wenn da nichts mehr ist, also kümmert V. sich um Möglichkeiten, doch noch ein paar Projekte zu machen. Geeignetes Programm ist etwas, das sich TEMPUS nennt. In diesem Programm finanziert die EU Projekte, in denen europäische Universitäten anderen aus den Partnerländern dabei helfen, ihre Ausbildung, universitär und außeruniversitär, zu verbessern. V. hat Verbindungen zu einem arabischen Land am Mittelmeer und treibt die Idee voran, in diesem Land eine Ausbildung einzuführen, in der es um die Ausbildung von Computerfähigkeiten zur Kontrolle und Überwachung von Versorgungsnetzen geht, Versorgung mit Gas, Wasser oder Elektrizität. Soweit so gut, die Idee ist gar nicht schlecht.
V. wollte unsere Firma einbinden in das Projekt, im wesentlichen sicher, um besser Rechnungen stellen zu können, aber auch um mich für Unterstützung im Projekt zu gewinnen. Leider sind die Förderbedingungen nicht attraktiv genug, um meine Firma dazu zu bringen, als Partner in das Projekt einzusteigen. Trotzdem, das Projekt wird vorangetrieben, L. soll den Antrag schreiben, ich soll beraten. Am letzten Dienstag übergibt mir L. den Antrag und die Unterlagen, da er im Rahmen eines anderen Projektes nach Turkmenistan musste, um dort Kurse zu geben.
Die Unterlagen waren in keinem guten Zustand, ich hatte eine Woche Zeit, um die formale Präsentation des Budgets zu erarbeiten, nein, mehr noch, mir das Budget auszudenken. Gestern Abend hatte ich eine Version fertig, nach Arbeit am Wochenende, früh aufstehen und bis 22 Uhr im Büro.
Heute Morgen ging es vor acht Uhr weiter, V. kam um acht, Schritt für Schritt gingen wir durch das Budget und arbeiteten an der Konsistenz. V. ging und ich arbeitete alle Änderungen ein. Um halb zwölf war V. wieder da zur Endkontrolle und es kamen die kleinen Wünsche, hier noch ein paar Reisekosten hinzufügen, dort ein paar Worte ändern oder einfügen.
Finanzielle Änderungen sind aufwändig, die Änderung einer Position hat zur Folge, dass 4 oder 5 andere Aufstellungen geändert und neu berechnet werden müssen, deshalb weigerte ich mich, irgendwelche finanziellen Änderungen vorzunehmen. Um halb eins ging der Antrag schließlich per Email an die Kommission, immerhin dreieinhalb Stunden vor Einsendeschluss. Nach kurzer Mittagspause ging es dann gleich in ein Gespräch zum nächsten Projekt, zum Glück mit einer Abgabe erst Ende Juni.
Warum ich das gemacht habe? Nun ja, V. hatte etwas gut bei mir, durch ihn bin ich an die TU gekommen, habe meine jetzige Firma kennengelernt und auch Pixelpark, durch die ich wiederum nach Berlin gekommen bin und meine geliebte Hanna kennen gelernt habe. Und dadurch habe ich auch nach dem Niedergang von Pixelpark meine Kettenjobs in Hamburg bekommen.
Allerdings denke ich, dass ich mit V. jetzt quitt bin, vielleicht auch ein gutes Essen verdient hätte. Unter Beamtenleben stelle ich mir auf jeden etwas Anderes vor. ABer ich bin ja kein Beamter.





Axel, das wäre auch in mancherlei Hinsicht (auch oder gerade, für Dich) entsetzlich.
Beamter !