Fußball und Homophobie (2)

Auch Fußballer sind schwulJetzt hatte ich die Gelegenheit, den Vorabdruck des STERN-Artikels zu lesen (Laden durch Klick auf das Bild). Und ich muss sagen, nach alldem, was ich vorher von der Brisanz dieses Artikels gehört habe, war ich nach dem Lesen doch ein wenig enttäuscht. Meine erste Zusammenfassung im Geiste ist wie folgt: Natürlich ist es Riesenproblem, wenn sich Profifußballer nicht bekennen zu können glauben, das Versteckspiel der psychische Druck. Ich kenne das von meinem vielleicht besten Freund, der genau diesen Druck gespürt hat, der fast 20 Jahre mit seinem Freund zusammen gelebt hat und trotzdem der Umwelt vorgespielt hat er sei nicht schwul, auch mir gegenüber hat er dieses Theater gelebt. Seit er das den Freunden und der Familie gegenüber offen auslebt, ist er ein ganz anderer Mensch geworden, er ist, wie man so sagt, aufgelebt.

Ja, die schwulen Fußballer leiden unter diesem Druck, ich kann das nachvollziehen und das sagt auch der Artikel. Ja, der Artikel redet auch von Drohungen gegenüber einem Fanbeauftragten, aber dann wird auch erzählt dass schwule Fangruppen mittlerweile offen auftreten in den Stehplatzkurven der Stadien in unserer Republik, dass die Schmähungen seltener werden.

Nun aber zeigen sie sich, schwenken auch die Regenbogenfahne, das Symbol der Homosexuellen. Sie nennen sich „Hertha-Junxx“, „Queerpass Bayern“ oder in Dortmund „Rainbow-Borussen“, und mitten in der Welt des Profifußballs proben sie Spieltag für Spieltag kleine Kulturrevolutionen. Seit seine „Stuttgarter Junxx“ bei Heimspielen des VfB Flagge zeigten, sagt Deker, habe es selbst von den radikaleren Fans keine homophobe, also schwulenfeindliche Äußerung mehr gegeben.

Der DFB hat einen Beauftragten für Homosexualität, der der Schwulenfeindlichkeit entgegen arbeiten soll, und sich vorstellt, dass Sicherheits- und Fanbeauftragte sowie Stadionsprecher als erstes verinnerlichen sollen, dass

Schwulenfeindlichkeit Rassismus ist.

Versöhnlich schließt der Artikel mit den Worten:

Langsam, Schritt für Schritt, tastet sich der deutsche Fußball voran, bemüht sich, eine Atmosphäre zu schaffen, in der Homosexualität kein Stigma ist. „Als Spieler und Mensch akzeptiert zu werden“, sagt der schwule Profi, „das wäre mein Traum.“

Ist doch alles ganz nett, oder? Schwule Fans werden akzeptiert, der DFB hat einen Verantwortlichen für Schwulenfeindlichkeit und es ist nur eine Frage der Zeit, bis schwule Spieler ohne Angst offen ihr Leben leben können.

Alles bestens, oder?

Es schwingt eine Riesenangst mit bei den Verantwortlichen. Schwulenfeindlichkeit mit Rassismus gleichzusetzen ist sehr dubios, es sei denn, der durchschnittliche Fußballfan, der den Clubs das Geld bringt, sei ein schwulenfeindlicher Rassist. Es fehlt eigentlich nur noch, dem Sicherheitsbeauftragten auch noch die Verantwortung für Antisemitismus zu übertragen. Welche Sicherheit ist denn hier bedroht? Hat der DFB Angst vor den Fans? Oder wenden sich besonders die Leute dem „männlichen“ Sport Fußball zu, die Probleme mit ihrer weiblichen Seite haben, diejenigen, die Angst haben, eventuell selber als schwul zu gelten. Oder es eventuell sogar zu sein? Die Beispiele und Vermutungen gibt es ja, dass häufig die größten Feinde der Homosexualität selber schwule Tendenzen haben, von Jörg Haider bis in die katholische Kirche.

Trotz aller Fortschritte in den letzten 40 Jahren leben wir immer noch in einer Gesellschaft, die Angst vor sexuellen Dingen, vor der Sexualität hat. Liebe Leute, was bedroht euch, wenn jemand schwul ist? Was kümmert euch seine Sexualität? Muss sich auch ein Mann vor euch rechtfertigen, der erklärt, Frauen zu lieben?

Lasst die Leute doch den Sex leben den sie mögen, sie wollen euch nicht bedrohen, nicht bekehren, sie wollen nur ihr Leben leben. Genauso wie ich glaube, dass von sehr männlich bis sehr weiblich alle Abstufungen in unserer Gesellschaft vorhanden sind, genauso glaube ich, dass alle Leute die Sexualität leben sollen, die ihnen gefällt. Unter einer Bedingung: es muss einvernehmlich sein.

Und dazu gehört, dass wenn zwei Männer Sex miteinander haben wollen, sollen sie doch.

Nur wenn es nicht einvernehmlich ist, sollte es bekämpft werden, ja sogar strafbar sein. Wenn ein erwachsener Mensch zu Sexpraktiken gezwungen werden soll, dann ist es nicht einvernehmlich, sondern Vergewaltigung und muss bestraft werden. Wenn Kinder zu sexuellen Handlungen missbraucht werden, kann das nicht einvernehmlich sein, das ist Pädophilie und muss bestraft werden. Wenn ein Tier für sexuelle Handlungen benutzt wird, dann ist es nicht einvernehmlich, sondern Sodomie und sollte bestraft werden.

Alles andere geht, ob Tischler, Topmanager oder eben Fußballprofi.

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