Pauline – ein Fazit

Sicher gibt es noch einiges zu erzählen, aber ich will es damit gut sein lassen, alles Weitere wären Kleinigkeiten, eine Anekdote hier, eine andere dort.

Nach all dem Gesagten kann ich die verdammenden Aussagen verstehen, die von Erpresserin, Hochstaplerin, wandernder Heuschrecke und ähnlichem sprechen. Aber ich glaube auch, dass man dem Phänomen Pauline damit nicht gerecht wird. Ich denke, dass zumindest eine tief gehende psychische Störung dazu kommt. Ich denke auch, dass viele der Geschichten von Pauline selbst für wirklich geglaubt werden, also dass durchaus ein Realitätsverlust vorliegt, vielleicht auch Anflüge von Schizophrenie.

Die Geschlechtsumwandlung mag die Ursache sein, vielleicht aber auch schon eine Folge, aber zumindest scheinen mir die behandelnden Ärzte in dem Prozess nicht die nötige (psychische) Sorgfalt haben walten lassen. Pauline hat immer mit ein wenig Stolz davon geredet, dass der Prozess bis zur Operation bei ihr in Rekordzeit von statten ging. Vielleicht hätten sich die Ärzte und Gutachter dann doch ein wenig mehr Zeit lassen sollen.

Denn vielleicht sitzt Pauline jetzt da, als Exotin nach der Umwandlung von Mann zu Frau, weiß nicht recht, wer sie ist, erfindet deshalb eine männliche Seite von sich. Sie erträumt sich ein kleinbürgerliches Leben mit Mann und Kind und einem blau ausgemaltem Sternenhimmel im Kinderzimmer; sie erträumt es sich so stark, dass es für sie zur Realität wird. Andererseits weiß sie genau, dass sie mit ihrer Geschichte nie ganz diesen Zustand erreichen kann. Sie geht in Chats, in denen Leute andere zum „Poppen“ suchen, um sich ihre Sexualität mit Männern wie mit Frauen zu beweisen und wirkt dabei doch orientierungslos.

Das kleinbürgerliche Glück ist nur vollständig, wenn ein Kind da ist, das verstärkt auch die Identität als Frau, deswegen die Schwangerschaft, die Hochzeitspläne mit Paul dem Phantom, dem Bankenberater mit dem Porsche Cayenne, dem Vater ihrer ungeborenen Tochter. Mittlerweile denke ich, dass auch die Tochter eines Phantoms nur ein Phantom sein kann. Aber eine kühl berechnende Hochstaplerin versucht nicht, Kinderwagen zu organisieren (hat sie, das weiß ich als Tatsache) oder sich ein Hochzeitskleid zu bestellen (ich weiß es, da Leute beim Maßnehmen dabei waren).

Pauline, wenn Du das hier lesen solltest, appelliere ich an Dich: such Dir professionelle Hilfe. Und da wir dabei sind, ich würde mich über eine Mail freuen mit einem realistischen Plan, wie Du Deine Schulden bei Sven abtragen willst. Ich leite sie gerne weiter.

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