Die Qual der Wahl (1)

Am nächsten Sonntag ist bekannterweise Bundestagswahl, die sicherlich wichtigste Wahl in diesem unseren Lande. Doch ich finde, noch nie war die Entscheidung so schwierig wie diesmal. Und ich bin nicht der Einzige, der dies findet, zum Beispiel auch die von uns verehrte Modeste hat ihre Schwierigkeiten.

Betrachten wir doch einmal die beiden zu vergebenden Stimmen aus der Sicht unseres Wahlkreises 84, Friedrichshain-Kreuzberg-Prenzlauer Berg-Ost.

Erststimme

Die Erststimme war bei den beiden letzten Wahlen sehr einfach, ich habe den Kandidaten der „Grünen“ gewählt, Hans-Christian Ströbele. Ja, ich war ein wenig stolz, im einzigen Wahlkreis mit einem direkt gewählten Grünen zu wohnen. Alle Vorhersagen meinen, dass Ströbele auch dieses Mal den Wahlkreis gewinnen wird. Hängt sicher auch damit zusammen, dass viele Leute glauben, einfach nicht nachdenken zu müssen, wie zum Beispiel Anke vom Blog Beton und Garten (den ich sehr gern lese).

Trotzdem, für mich ist seit etwa zwei Jahren klar, dass Ströbele nicht mehr wählbar ist. Im Jahr 2007 wurde er von den Kinderreportern der ARD zum Internet befragt und gab dabei folgende Antworten:

Kinderreporter:
Haben sie einen Computer?
Hans-Christian Ströbele (Mitglied im Parlamentarischen Kontrollgremium
der Geheimdienste, Die Grünen):

Ja. leider ja; aber Der ist manchmal mit mir nicht so einig und wir sind
sehr unterschiedlicher Meinung und dann funktioniert das nicht so richtig.
Kinderreporter:
Benutzen Sie auch Internet?
Hans-Christian Ströbele:
Ins Internet bin ich glaube ich einmal oder zweimal gegangen bisher.
Kinderreporter:
Haben sie sich denn eine eigene Startseite ausgesucht?
Hans-Christian Ströbele:
Nee… ich weiß garnicht was das ist.
Kinderreporter:
Nennen sie doch einmal ein paar verschiedene Browser die es gibt.
Hans-Christian Ströbele:
Ich weiß nur, dass es Leute gibt die da so ein Programm entwickelt haben, womit man mit einzelnen Fundwörtern dann was finden kann, aber ich mache das nie.
Kinderreporter:
(Ok aber wenn er kaum an den Computer geht, dann sind doch die anderen Fragen eigentlich geschmissen.)
Also haben sie eine eigene Homepage?
Hans-Christian Ströbele:
Genau… ich habe eine eigene Hompage, ich kann die aber überhaupt nicht bedienen und ich ändere da selber auch nichts, sondern ich hab da Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die wesentlich jünger sind als ich.

Ich habe nichts gegen Alte, bin ja selber eigentlich schon in dieser Gruppe, auch wenn ich noch keine 71 Jahre alt bin wie Ströbele. Aber durch dieses Interview zeigt er ganz deutlich, dass er kein Abgeordneter für das 21. Jahrhundert ist (er hat „leider“ einen Computer) und nicht nur seine Homepage, sondern auch sein Mandat an wesentlich Jüngere abgeben sollte. Oder könnt Ihr Euch vorstellen, dass jemand, der keine Ahnung von Computern hat, die Geheimdienste effektiv kontrollieren kann? Den kompletten Beitrag aus dem ARD-Morgenmagazin kann man hier sehen.

Bleiben also die anderen. Die CDU tritt an mit Vera Lengsfeld, einer ehemaligen Bürgerrechtlerin aus der DDR. Frau Lengsfeld wirbt, ja Ihr hört richtig, mit ihrem Busen und vergleicht ihn mit dem von Frau Merkel. Ich habe mit meinen 58 Jahren die CDU noch nie mit Erst- oder Zweitstimme gewählt, das wird sich auch mit diesem Busenvergleich nicht ändern.

Die LINKE tritt auch an mit einer Frau, Halina Wawzyniak. Da der Busen schon belegt war, wirbt sie mit ihrem Hintern und einem sozialistischen A****geweih. Das macht sie allerdings auch nicht wählbarer für mich, offensichtlich aber für andere, denn die Meinungsforschungsinstitute denken, dass sie an den nächsten Kandidaten heran kommen.

Björn Böhning hat sicher den Vorteil, dass er erheblich jünger ist als Ströbele. Dass er in der gleichen Stadt geboren ist wie ich, das macht ihn sympatisch, aber das ist kein Grund ihn zu wählen. Ein Brief aber, der in unserem Briefkasten zu finden war, gab einige Gründe, ihn zu wählen, auch wenn die Ausrichtung (unter Anderem) auf eine kinderfreundliche Umgebung mich sicher nicht mehr so anspricht und auch für eine Bundestagswahl weniger ein Thema ist als für eine Landtags- oder Bürgerschaftswahl.

Sicher gibt es noch mehr Kandidaten, aber die sind unwichtig und werden sowieso nur unter ferner liefen auftauchen. Ja, auch der von der gelben Gefahr.l

Zweitstimme

Den Beitrag hierzu solltet Ihr morgen finden.

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5 Kommentare zu Die Qual der Wahl (1)

  1. A Chim sagt:

    Da nicht die gesamte Welt auf das Internet aufbaut und Ströbele immer noch der einzige ist, welcher in seinem Bezirk auf der Straße unterwegs ist, ist es wohl mehr als nachvollziehbar, dass man wenigstens bezüglich der Erststimme nicht nachdenkt. – Aber das der schon so alt ist, olala, dessen war ich mir bislang nicht bewusst.

  2. Axel sagt:

    Aber es ist hier nicht die Frage des Aufbaus der Welt, sondern eine Frage der Einstellung. Sicher brauch jemand, der sich um Kinder-und Jugendpolitik nicht so unbedingt Internetfähigkeiten, aber jemand der Geheimdienste kontrolliert… Und das ist auch wenig Arroganz von „wertkonservativen“ Bildungsbürgern. Ich finde, heute ist die Internetnutzung so wie Autofahren. Und einen Verkehrsminister ohne Führerschein fände ich auch leicht lächerlich.

  3. Pingback: Hannaxels Blog » Qual der Wahl (2) «

  4. Anke sagt:

    Stimmt, endlich mal nicht nachdenken und Ströbele wählen, so lange es noch geht. Für mich ist seine Grundhaltung ausschlaggeben und er hat sowas Papahaftes, da fühle ich mich gut aufgehoben und vertreten. (und danke fürs „gerne lesen“, da hab ich mich gefreut)

  5. Axel sagt:

    @Anke: Vielleicht ist das so mit den Vätern, man liebt sie oder geht gegen sie an. Neutral ist das Verhältnis nie! 😉

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