Qual der Wahl (2)

Nachdem ich gestern meine Überlegungen zur Erststimme dargelegt habe, ist heute die Zweitstimme dran. Vorher wollte ich aber als Nachtrag zu gestern noch darauf hinweisen, dass man, wie bei der Zweitstimme, auch testen kann, mit welchem Direktkandidaten man am meisten übereinstimmt, wer daran interessiert ist, der klicke hier. Die Erststimme ist also im Wesentlichen die, die für die Zusammensetzung des Parlaments wichtig ist, Störfaktoren wie Überhangmandate und negative Stimmen will ich hier einfach mal weg lassen.

Letztes Mal hatte die CDU die meisten stimmen und bekanntermaßen ist dann ja auch das Merkel Kanzlerin geworden. Die CDU setzt voll auf sie und plakatiert in der Schlussphase „Wir wählen die Kanzlerin“ oder mit einem Bild der Merkel „Wir haben die Kraft“. Naja, ich dachte immer, die Jacketts waren einfach zu eng, jetzt sollen das Muskeln sein, na ich weiß nicht. Wie ich gestern schon sagte, habe ich noch nie die CDU gewählt, das liegt sicher auch zu großen Teilen daran, dass sie dieses bairische Anhängsel namens CSU hat. Ich sage nicht, dass ich sie dann wählen würde, aber ich würde es schon begrüßen, wenn sich wie mit SPD und Linken auch bei den Konservativen eine Klarheit durch Teilung ergeben würde.

Die SPD stand mir mal nahe, in den 70ern war ich sogar mal Mitglied, aber sie hat schon seit über 20 Jahren meine Stimme nicht mehr bekommen. Die Zweitstimme habe ich ihr auch diesmal nicht gegeben, man braucht sich doch nur ihren Kanzlerkandidaten Steinmeier einfach mal anzuschauen. Bis vor ungefähr zwei Jahren war er noch nicht einmal in der Partei, sondern ein Bürokrat oder Verwalter, also nichts anderes als ein Berufsbeamter. Und das ist auch das Bild der Sozialdemokraten: keine Visionen, keine Konzepte, sondern nur das verwalten, was ist. Nee, das ist es nicht.

Vielleicht die Grünen? Ich muss sagen, dass war meine Partei bei den letzten Wahlen, aber irgendwie ist mein Gefühl oder meine Einschätzung so ein wenig skeptisch geworden. Schließlich sind die Grünen in Hamburg mit der CDU in einer Regierung, genau mit der CDU, die vorher mit der Hilfe von Richter Gnadenlos, Ronald Schill, an die Macht gekommen war. Sie würde auch auf Bundesebene mit den Schwarzen koalieren, wenn es denn ginge.

Auch die FDP habe ich schon mal gewählt, sicher mehr aus taktischen Gründen, aber das war in den 70ern, als man sie noch als linksliberal bezeichnen konnte. Mittlerweile bezeichnet die SZ die Wahlreden von Westerwelle als für einen Posten bei Margaret Thatcher geeignete Bewerbungen. W. hat nur eine Leier drauf, Steuern senken, senken, senken. Woher dann das Defizit ausgeglichen werden soll, wird nicht gesagt. Ich wünsche ihm, dass er am Wahlabend sagen muss: „Und vierjährlich grüsst das Murmeltier.“

Bleiben die Linken. Gysi finde ich ja irgendwie sympathisch, aber der Napoleon aus dem Saarland, Lafontaine, ist mir unheimlich. Der hat schon mal beleidigt einen wichtigen Posten weggeworfen. Darüber hinaus können sich die West- und Ostströme dieser Kunstpartei nur auf eines einigen: dagegen zu sein und Geld auszugeben. Realistisch ist das nicht.

Sind die Piraten eine Alternative? Auch die Grünen haben mal unter 5 % angefangen. Auf jeden Fall wäre das ein frischer Wind, muss aber genau überlegt werden, denn die Stimme könnte verschenkt sein, wenn die Partei unter 5 % bliebe. Ein signifikantes Ergebnis könnte aber eine Ermutigung sein, und es klappt dann vielleicht im nächsten Jahr in NRW. In Schweden wurden den Piraten 2 % vorher gesagt zur Europawahl, bekommen haben sie dann 7 %.

Ich habe mich entschieden und Argumente nutzen nichts mehr: Der blaue Umschlag ist im roten am Montag im Briefkasten gelandet. Ich habe gewählt.

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