Chemische Keulen

Am letzten Donnerstag in Regensburg hat uns an der Universität eine Taxifahrerin abgeholt, die sowas von kräftig Parfüm aufgetragen hatte, dass es kaum auszuhalten war. Bei mir löst das immer einen kleinen Hustenreiz aus, aber damit kann ich schon umgehen. Trotzdem sind solche Leute, die gedankenlos anderen der chemischen Keule aussetzen, einfach rücksichtslos, zumindest aber gedankenlos. Das ist nicht nur das Parfüm, es sind auch Putzmittel in öffentlichen Bereichen, die mit Duftstoffen versetzt sind, ich hasse auch Duftbäume in Autos, Leute die in Wohngebieten Papier oder Gartenabfall verbrennen, die wissen auch nicht immer, was sie damit anrichten.

Es gibt nämlich Leute, die das wirklich umhauen kann, nicht nur Asthmatiker oder Leute mit COPD, das ist das, was man früher chronische Bronchitis nannte. Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit leben nämlich Leute mit MCS, Multipler Chemikaliensensibilität. Ich kenne die Auswirkungen dieser Krankheit recht gut, denn eine der Leserinnen und Kommentatorinnen auf diesem Blog ist davon betroffen. Leute, die von dieser Krankheit betroffen sind, werden von Chemikalien in ihrer Umwelt direkt im Wohlbefinden gestört, das geht von Müdigkeit und Abgeschlagenheit bis hin zur Notwendigkeit, über Stunden reinen Sauerstoff zu sich zu nehmen, wenn einen ein Duft oder eine Chemikalie einmal besonders hart getroffen hat.

Die Krankheit ist in vielen Ländern anerkannt, aber in Deutschland wird sie sehr skeptisch betrachtet, ja es gibt Ärztelobbyisten, die sie komplett in Abrede stellen. Kein Wunder, es würde die chemische Industrie einige Mühe kosten, ihre Produkte von schädlichen Stoffen frei zu halten, das wäre für sie sehr kostspielig.

Das führt dann leicht zu tragischen Fällen wie dem von Angelika S. Solange sich in Deutschland im Umgang mit MCS nichts ändert, werden solche Fälle zwangsläufig immer wieder vorkommen.

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3 Kommentare zu Chemische Keulen

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  2. susanne sagt:

    Das spricht mir doch aus der Seele! Es grenzt mitunter an Körperverletzung was einem in Kaufhäusern, im öffentlichen Personennahverkehr, auf Rolltreppen und in Fahrstühlen an Geruchsbelästigung geboten wird. Ich frage mich, obe den Parfümträgern nach und nach die Geruchsnerven abhanden gekommen sind, denn anders sind derartige Parfümwolken kaum zu erklären.

  3. Axel sagt:

    Es ist nachgewiesen, dass besonders Leute, die immer das gleiche Parfüm benutzen, sich mit der Zeit so daran gewöhnen, dass sie eine immer stärkere Dosis benötigen, um das überhaupt noch selbst wahrzunehmen.

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