Zwei Fussballprofis

FussballIrgendwie scheint mir die Welt der Fußballspieler doch ein wenig verlogen zu sein und Werten nachzuhängen, die auf dem Stand der 50er oder 60er Jahre stehen geblieben sind. Darüber, dass es statistisch eigentlich in den deutschen Profiligen über 100 schwule Spieler geben müsste, habe ich schon geschrieben. Und trotzdem traut sich kein Einziger aus der Deckung.

Auch Robert Enke hat sich nicht aus der Deckung getraut, nicht wegen Homosexualität, aber wegen seiner Depressionen. Nach allem, was man über seinen Selbstmord liest, hat er alles dafür getan, seine Krankheit zu verbergen, das ging dann so weit, dass er den Ernst des Zustandes nicht nur gegenüber dem Club, sondern auch gegenüber der Familie und sogar den Ärzten verheimlicht hat. Was für eine repressive Welt muss das sein, dass psychische Krankheiten, an denen große Teile der Gesellschaft leiden, vor Kollegen und der Öffentlichkeit verheimlicht werden müssen.

Natürlich ist die Trauer real, trotzdem wundert es mich, dass im Zusammenhang mit dem Selbstmord von Robert Enke ein anderes Beispiel, dass mir sofort in den Sinn kam, kaum erwähnt wird: Sebastian Deisler. Auch Sebastian Deisler war ein begnadeter Fußballprofi, der an Depressionen litt, dem, wie Enke in den Nachrufen, attestiert wurde, besonders sensibel zu sein.

Sebastian Deisler hat allerdings den Absprung geschafft, obwohl er 3 Jahre jünger ist als Enke, genau diese 3 Jahre ist er nicht mehr im Fußballgeschäft. In einem Interview mit der ZEIT hat er über die Gründe geredet und vor etwa 4 Wochen ist seine Biografie erschienen. Es ist, denke ich, bezeichnend, dass diese (Auto-)Biografie den Titel hat „Zurück ins Leben“.

Leider hat Robert Enke die andere Alternative gewählt, die ihn vorwärts in den Tod führte. Ich hoffe, dass mehr und mehr Verantwortliche in der Welt des Profifußballs aus beiden Fällen ihre Lehren ziehen und die Welt der ihnen anvertrauten, meist jungen Männer ein wenig offener gestalten (bei den Frauenfußballerinnen scheinen mir die Probleme nicht so groß, vielleicht auch wegen geringerer Medienbeobachtung).

Bild: Arsenal’s Cesc Fŕbregas (weißes Hemd) im Kampf mit Anderson (Manchester United).
Fotograf: Gordon Flood. Lizenz: Creative CommonsAttribution 2.0

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2 Kommentare zu Zwei Fussballprofis

  1. Hanna sagt:

    Heute morgen wurde im Ard Morgenmagazin das erste mal über Depressionnen geredet. Alle kennen sie aber erst wenn ein „Vip“ daran zerbricht macht „man“ sich Gedanken darüber. Nicht nur Erfolgsgetriebene haben sie, sondern alle die unter irgendeinem Druck stehen, können darunter leiden. Und Versagen im gesellschaftlichen Sinne wird halt bestraft. Im Gegensatz zum vorigen Jahrhundert redet man heute darüber. ich hoffe, das ist der erste Schritt zu einer veränderten, solidarischeren nGesellschaft, aber ich bin halt schon immer Optimist gewesen.

  2. susanne sagt:

    Liebe Hanna, da bin ich in Gedanken ganz bei Dir!
    Wie schlimm ist es denn überhaupt, wenn man sich nicht traut, über seine Krankheit, die äußerlich nicht erkennbar ist, zu reden. Es ist eine durchaus verlogene Welt; besonderen Groll verspüre ich ggü. Fernsehsendern (ProloTV, meine persönliche Meinung), die aus Sensationsgier ständig die Kameras in Gesichter halten und die noch relativ jungen Fußballspieler zu Aussagen provozieren, die diese nur im Adrenalinrausch zu geben bereit sind. Genau dieselben sind es, die jetzt ihre Sendezeit mit effektheischenden Berichten über die Pressekonferenz etc. füllen. Pfui Deibel!
    Überhaupt: Wer zerrt die völlig vertörte Witwe innerhalb der ersten 19 Stunden nach dem Selbstmord des Ehemannes so ins Rampenlicht??

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