Pasta Opera

Pasta Atmosphäre

Am Donnerstag bin ich schon (zu Hannas großer Freude) aus Hamburg zurück gekommen, denn ich hatte uns schon vor Monaten Karten reserviert für Pasta Opera. Auf getrennten Wegen kommend (ich aus Hamburg, sie aus der Gryphiusstraße) trafen wir uns schließlich vor Clärchens Ballhaus in der Auguststraße in Berlin-Mitte. Hanna hatte natürlich als radikale Feministin sich den Namen der Straße als Augustastraße gemerkt und konnte die Straße schließlich nur deshalb finden, weil ich vor drei Jahren um die Ecke im Krankenhaus lag.

Mitte ist ja mittlerweile schon recht gut durch renoviert, nur Clärchens Ballhaus mit seinem verfallenen Charme hält das Banner der DDR, wenn nicht sogar das des zweiten Weltkriegs aufrecht mit seiner bröckelnden Fassade. Im Hauptraum war recht viel Betrieb, aber da wollten wir nicht hin, sondern sondern in den Spiegelsaal im ersten Stock, wo Pasta Opera stattfinden sollte, ein viergängiges Menü mit Live-Operngesang. Auf der Webseite stand „Einlass und Beginn“ um 19:30 Uhr und so drängelte sich das Publikum (es war ausverkauft) schon um 19:15 Uhr vor der Tür und schob sich dann ganz langsam durch das mit verbeultem Leuchter und so etwas wie Einschusslöchern in den Wänden versehenem Treppenhaus.

Angekommen im Saal, forderte uns eine im Rokokokostüm gewandete Dame erst einmal dazu auf, von einem Stapel mit Tellern, die alle verschieden waren und wie aus dem nächsten Trödelladen geholt aussahen, uns unsere individuellen Teller auszusuchen. Hanna nahm natürlich einen mit Pferdemotiv, während ich einen aus den 50er Jahren mit venezianischer Gondel für angemessen hielt. Durch den mit zig Kerzen geschmückten, morbid verfallenen Spiegelsaal wurden wir dann an den uns zugewiesenen Tisch geführt und konnten sofort sehen, obwohl wir am Tisch die Ersten waren, dass wir denn Abend auf Tuchfühlung mit unseren Tischnachbarn verbringen würden und wir uns auch angesichts des schmalen Tisches nicht wundern sollten, wenn wir von unseren Knien essen müssten.

Leuchter bei Pasta Opera

Aber als, nachdem der Saal gefüllt war, die Vorspeise und die Getränke auf dem Tisch standen, erwies es sich doch als machbar, am besten genoss man die Speisen nur mit der Gabel und die Servierplatten/-teller wurden halt in der Hand gehalten, um sie leer dann möglichst schnell einem Kellner in die Hand zu drücken. Das Essen war, wie der Name Pasta Opera andeutet, italienisch inspiriert, es gab zunächst eine gemischte Vorspeisenplatte, dann Pasta mit Steinpilzen und Gamberetti, als Secondo piatti ein geschmortes Hühnerbein mit pikantem Paprika und zum Schluss ein Tiramisu.

Gespannt war ich darauf, wie das Essen mit dem Singen zusammen passen würde, aber das war dann sinnvollerweise insofern getrennt, als dass die Gänge serviert und abgeräumt wurden und dann zwischen den Gängen gesungen wurde. Eine charmante Moderatorin führte durch das Programm und spann eine amüsante, dem Rokoko teilweise sprachlich angepasste Liebesgeschichte rund um die Arien und Gesänge, von einer sehr guten Sopranistin, einem guten Bariton, einer ordentlichen Mezzosopranistin und einem leider etwas dünnen Tenor vorgetragen wurden begleitet von einer Pianistin. Alle gekleidet in Rokokokostüme, auch wenn die Musikauswahl auch Gesänge einschloss, die 200 Jahre später entstanden waren, und so von Mozart und Donizetti bis hin zu Puccini reichte.

Moderatorin Pasta Opera

Die Moderatorin versuchte das Publikum mit einzubeziehen (ich hatte dabei Gelegenheit, mit einer der Sängerinnen einen kurzen Walzer zu tanzen), es wurden Rollen und Requisiten verteilt an Teilnehmer aus dem Publikum, um sie in das Spiel mit einzubeziehen (zum Glück nur ins Spiel, nicht ins Solosingen), und ein zwei Mal wurde auch das gesamte Publikum als Opernchor einbezogen. Und auch die Kellner machten durch neckische Kopfbedeckungen mit im Spiel.

Kellner bei Pasta Opera

Es ist schön, so zwanglos Opernmusik serviert zu bekommen, man muss nicht so steif und mucksmäuschenstill sitzen, wie in der Oper. Ich kann den sehr schönen Abend nur empfehlen und wünsche Euch, wenn ihr gehen solltet, dass Ihr nicht wie wir einen Tisch im Publikum habt, der von einer leicht angetrunkenen Betriebsweihnachtsfeier oder ähnlichem besetzt ist und die Vorführungen durch zu lautes Gequatsche und Lachen stört (etwas Unterhaltung darf natürlich sein, man ist ja nicht in der Oper, sondern beim Essen).

Sänger bei Pasta Opera

Pasta Opera in Clärchens Ballhaus, Auguststr. 24, 10117 Berlin
Hier ein kleines Video

Post to Twitter Post to Delicious Post to Digg Post to Facebook

Dieser Beitrag wurde unter Vorgarten veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.