Fluchten

Vor ein paar Tagen hat mir eine gute Freundin eine Nachricht zukommen lassen, die mich seitdem beschäftigt. Es hatte sich die S. durch einen Sturz von der Rheinbrücke in Köln das Leben genommen. Eigentlich ist das eine Notiz, die ich in der Tageszeitung einfach zur Kenntnis genommen hätte, ohne dass sie mich besonders berührt hätte, denn ich persönlich kannte die S. nicht einmal. Aber unsere gute Freundin hat vor einiger Zeit mit der S. zusammen gelebt, nur dass sie damals noch nicht die S. war, sondern der O. Was nichts anders heißt, als dass die S. eine Transsexuelle, MzF, war.

Noch vor zwei Jahren wäre mir als typischer Sch…liberaler egal gewesen, ob jemand transsexuell ist oder nicht. Ich hätte gedacht, dass das Verhältnis jeder Person zu ihrem Geschlecht und ob sie/er sich als Mann oder Frau fühlt, seine/ihre ureigenste persönliche Sache sei, und dass jeder das Recht auf eine Geschlechtsumwandlung hat. Aber das war auch sehr einfach, denn ich kannte keine Transsexuellen, insofern war meine Haltung rein theoretisch.

Dann lernte ich über bekannte einen ehemaligen Fussballschiedsrichter kennen, der sich einer Umwandlung unterzogen hatte und, von der Presse durchaus beachtet, auch als Frau Spiele geleitet hatte. Ich möchte sie , wie auch vorher in diesem Blog als „Pauline“ bezeichnen ( wie hier, hier, hier, hier und hier). Pauline hat (anscheinend sehr freimütig) von ihrer Vergangenheit als Mann erzählt, auch von kriminellen Aktivitäten und hat mit vielen Erzählungen unser Herz gewonnen. Nur nach und nach wurde offensichtlich, dass die Geschlechtsumwandlung offensichtlich nichts an der Persönlichkeit geändert hatte. Pauline baute gegenüber den Leuten in ihrer Umgebung ihre eigene Wahrheit auf und haute ab, als ihre Geschichten als Lügengebäude entlarvt wurden. Bis dahin hatte sie aber die Leute, die ihr wohlgesonnen waren, abgezockt. Man muss sagen, sie hat sich wie ein Heiratsschwindler verhalten, also durchaus kriminell, wie nach ihren eigenen Aussagen auch vor ihrer Geschlechtsumwandlung. Und das, wie sich nach und nach herausstellte, nicht nur einmal, sondern mehrfach.

Auch O. bzw. S. hatte unsere Freundin um Geld erleichtert, auch wenn S. sich der Situation eher stellte und offensichtlich in die private Insolvenz ging, um ihre Schulden zurückzuzahlen. Insofern war die Situation anders als bei Pauline.

Die meisten unserer Leser haben wahrscheinlich nie mit Transsexuellen zu tun gehabt in ihrer näheren Umgebung. Ich kann aber nicht umhin, aus meinen Erfahrungen, die zugegeben statistisch nicht sehr relevant sind, meine eigenen Schlüsse zu ziehen. Transsexuelle vertreten immer die Meinung, dass ihre psychischen Probleme damit zusammen hängen, dass sie mit ihrem psychischen Geschlecht im falschen physischen Körper gefangen seien.

Ich komme allerdings zu dem Schluss, dass die Operation nichts anderes ist als eine Flucht vor den eigenen, anders gearteten Problemen ist. Eine Flucht, die aufgrund der falschen Einschätzung zum Scheitern verurteilt ist, die ursprünglichen Probleme treten wieder auf. Bei der S. ganz extrem, sie endeten in der finalen Flucht, der Selbsttötung. Bei Pauline im Ignorieren der eigenen Verfehlungen und einer nicht ganz so finalen Flucht, nämlich im Ortswechsel.

Ironischerweise ist Pauline nach Köln geflüchtet, dort, wo sich S. das Leben genommen hat.

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11 Responses to Fluchten

  1. Pingback: Geschlechtsumwandlung von Familienvater nicht anerkannt

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