Das unselige K-Wort

Ein Freund der Partei Die Linke bin ich wahrlich nicht, ein paar Gründe werdet Ihr später in diesem Eintrag finden. Trotzdem habe ich das Gefühl, Gesine Lötzsch mit ihren Ausführungen zum Kommunismus ein wenig in Schutz nehmen zu müssen. In der umstrittenen Passage sagte sie:

„Die Wege zum Kommunismus können wir nur finden, wenn wir uns auf den Weg machen und sie ausprobieren, ob in der Opposition oder in der Regierung. Auf jeden Fall wird es nicht den einen Weg geben, sondern sehr viele unterschiedliche Wege, die zum Ziel führen. Viel zu lange stehen wir zusammen an Weggabelungen und streiten über den richtigen Weg, anstatt die verschiedensten Wege auszuprobieren. Zu lange laufen wir auf Wegen, obwohl wir ahnen oder gar wissen, dass sie nicht zum Ziel führen. Doch wir kehren nicht um, weil wir Angst vor denen haben, die immer noch diskutierend an der Weggabelung stehen und uns mit höhnischem Gelächter empfangen könnten. Wir müssen lernen, Sackgassen zu verlassen und sie nicht ambitioniert als Wege zum Kommunismus zu preisen. Egal, welcher Pfad zum Kommunismus führt, alle sind sich einig, dass es ein sehr langer und steiniger sein wird. Warum eigentlich?“

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Dazu muss ich sagen, dass ich ein ehemaliger westdeutscher Salonlinker bin und damals, vor 30 und mehr Jahren mich durchaus auch mit dem Marxismus beschäftigt habe. Wenn ich mich richtig an das Kommunistische Manifest von Kuddl Marx und Engels erinnere, haben sie im Jahr 1847/1848 dort eine Analyse des Kapitalismus des 19. Jahrhunderts abgegeben und die Wege zum Kommunismus aufgezeigt oder diskutiert. Den Kommunismus haben sie dort bewusst vage beschrieben als eine Gesellschaft, in der der Besitz der zehn Prozent reichsten in der Gesellschaft enteignet und auf die ganze Gesellschaft verteilt wird. Das bedeutete nicht die Abschaffung von Privateigentum, sondern um eine gerechtere Verteilung. Wenn ich mir so heute die Bankenkrisen, die Euro-Krise, Hartz-IV-Diskussionen und weiteres anschaue, dann hat die Idee des Kommunismus irgendwo ihren Reiz. Allerdings müsste diese Utopie irgendwann einmal wirklich konkretisiert werden, das hat Frau Lötzsch allerdings offensichtlich nicht gemacht.

Es wird ihr vorgeworfen, dass sie in dem Artikel nicht auf die Opfer des Stalinismus eingegangen ist und das nicht bedauert hat. Das klingt ein wenig so, als wenn man bei der Erwähnung von Kapitalismus die verhungernden Kinder in Afrika und US-Amerikaner in Elend durch fehlende Krankenversicherungen erwähnen müsste, bei der Diskussion von Kernkraft unbedingt Tchernobyl diskutieren oder bei einem Rezept für Wiener Schnitzel vor Dioxin warnen müsste.

Es geht also nicht um den Kommunismus an sich, sondern es wird der Begriff Kommunismus mit der DDR gleichgesetzt. Aber man muss sich klar machen, dass es im Sinne der marxistischen Lehre zumindest in den letzten paar Tausend Jahren nirgendwo Kommunismus gegeben hat. Marx und Engels haben sicher falsch gelegen, als sie die Diktatur des Proletariats als unabdinglich auf dem Weg zum Kommunismus ansahen. Den diese Diktatur des Proletariats mündete schnell in einer Diktatur des Terrors wie in der Sowjetunion oder in einer Diktatur der Kleinbürger wie in der ehemaligen DDR. Das das nicht funktioniert, sollte jedem klar sein, aber dass man das meint, sollte auch klar gesagt werden. Oder man sollte sagen, dass die Idee des Kommunismus immer eine Utopie bleiben wird, was vielleicht sogar stimmt.

Aber es macht sich nicht gut, weil es zu polemisch klingt, die Linke als Überbleibsel einer Kleinbürgerdiktatur zu bezeichnen, da muss man auf solch einen Artikel eben heftig einschlagen.

Kleinbürger mag ich nicht, und eine Kleinbürgerdiktatur ist für mich ein Terror. Und Diktaturen an sich, auch die des Proletariats führen immer dazu, dass irgendwelche Leute dann schnell der Meinung sind, dass sie gleicher seien als andere, wie in der Farm der Tiere sehr schön ausgeführt. Diese Gefahren hat Marx in seinen diversen Schriften übrigens durchaus erkannt und diskutiert.

Das ist auch der Grund, warum ich der Partei Die Linke nichts abgewinnen kann, trotzdem freue ich mich auf die Diskussion.

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