Love Boat

Hamburg nach Harwich 1972

Nein, ein Traumschiff war sie nicht, die Prinz Hamlet, die seit Ende der 60er Jahre als Autofähre von Hamburg nach Harwich fuhr. Aber zu Zeiten, als es noch keine Billigfluglinien gab, war es eine sehr beliebte und ausgelastete Verbindung zwischen Deutschland und England, auch und besonders für die in Deutschland stationierten Soldaten der britischen Armee. Ich persönlich hatte drei Mal die Gelegenheit, diese Route zu benutzen.

1972. Wir beide, E. und ich, hatten ein Stipendium bekommen zum Studium in London. Wir entschlossen uns, meinen roten VW-Käfer mit zu nehmen, den ich von meinem Vater übernommen hatte nach einem Motorschaden (ich hatte einen Austauschmotor einsetzen lassen und dadurch mein erstes eigenes Auto gewonnen). Wir hatten alles gepackt und waren reichlich erschöpft, als wir die Fähre erreichten. Als Studenten konnten wir uns natürlich keine Kabine leisten, es lief auf einen normalen Decksplatz hinaus. Erschöpft ließ ich mich in einen der Sessel im allgemeinen Bereich sinken und bemerkte vor dem Einschlafen noch, wie die Stewards die Kotztüten an den Handläufen verteilten, weil stürmische See vorhergesagt war. Als ich aufwachte, waren alle Tüten verschwunden.

Auf der Rückfahrt hatten wir natürlich einiges an Gepäck mehr dabei, in zwei Blechkisten verstaut auf dem Dachgepäckträger des Käfers. Das schränkte allerdings die Bewegungsfähigkeit des Wagens wegen eines vorangegangenen Auffahrunfalls (verursacht durch einen defekten Bremszylinder) erheblich ein. Ich musste also warten, bis alle Fahrzeuge das Deck verlassen hatten, um mit meinem überladenen und beschädigten Wagen überhaupt die Fähre verlassen zu können.

Mitte der 80er. Das nächste Mal, E. war passé, fuhren meine Frau I. und ich mit ihrer Freundin M. in Urlaub Richtung Cornwall. Eigentlich kriselte es zwischen mir und I. damals noch nicht, und M. hatte auch einen Freund, den sie in Südengland treffen wollte. Es gab aber trotzdem Spannungen, denn M. war sehr eigen mit ihrem Opel Kombi und meine Frau konnte es nicht ab, dass M. mich an das Steuer ihres Wagens ließ, sie aber als beste Freundin trotzdem nicht.

1989. Es kriselte zwischen mir und I. und ich entschloss mich, eine Auszeit zu nehmen und alleine nach London zu fahren. In der Situation buchte ich eine Einzelkabine auf der Fähre, jetzt die Hamburg und nicht mehr die Prinz Hamlet. Ein Auto hatte ich nicht dabei, ich wollte bequem zu meinem Freund nach England und dann eine Woche allein an der See verbringen. Ich hatte mir auch erhofft, mit meinem Freund über die Krisensituation sprechen zu können, aber er verweigerte jedes Gespräch.

Auf der Fahrt nach London traf ich U., die ich von meiner Firma kannte, bei der sie einige Zeit vorher gearbeitet hatte. Sie fühlte sich von jemand belästigt und sprach mich deshalb an, ob ich nicht mit ihr tanzen würde. Ich tat das und wir nutzten die wegen Sturmes immer leerer werdende Tanzfläche extensiv, auch wenn das Tanzen im Sturm auf einem Schiff seine Eigenheiten hatte. Auf der Rückfahrt traf ich U. dann wieder, und nach ausgiebigem Tanzen nutzten wir dann meine Einzelkabine so sehr, dass sich die Nachbarn per Klopfen ob des Lärms beschwerten. Die Fähre wurde dann doch zum Love Boat.

Im Jahr 2002 wurde die Verbindung dann verkürzt und fuhr nur noch ab Cuxhaven, bis die sie zwischen Deutschland und England im Jahr 2005 komplett eingestellt wurde.

Hamburg nach Harwich 1989

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