Bahnansagen

Heute musste ich in Berlin Hauptbahnhof ein wenig warten auf den Montags-ICE nach Hamburg. Von einem der Nachbarbahnsteige klang eine Ansage herüber: „Der Regionalexpress nach Stralsund verspätet sich um 30 Minuten wegen eines Arzteinsatzes für einen Fahrgast“. Eine sehr sinnvolle Ansage, man fühlt sich informiert, und wer hat nicht Verständnis für einen solchen Notfall, denn das bedeutet ja auch, dass für einen selbst auch der Zug ein wenig angehalten würde, um zu helfen.

Mein ICE dagegen kam nicht, eine Erklärung gab es auch nicht. Zehn Minuten zu spät fuhr er dann ein, aus der falschen Richtung. Allerdings wusste die Bahn schon länger Bescheid, denn es stand ein Lokführer bereit, um den Zug in die Gegenrichtung zu fahren. Ich vermute, dass kurzfristig ein Zugwechsel nötig war, weil der normalerweise in Berlin Südkreuz beginnende defekt war und ein Ersatzzug aus Rummelsburg kommen musste. Wahrscheinlich hatte man einen ICE aus Leipzig in Südkreuz ein wenig aufgehalten, um die Fahrgäste aus Südkreuz zum Hauptbahnhof zu bringen.

So weit, so gut, meistens bewundere ich ja die Bahn und die dahinter stehende Logistik, die notwendig ist, um schnell zu reagieren. Und das klappt meist recht gut, wenn die Fahrzeugreserven vorhanden sind.

Aber das sind alles Vermutungen, denn als der Zug endlich rollte, kam die „Erklärung“: Wegen Verzögerungen im Betriebsablauf hat unser Zug zur Zeit eine Verspätung von 13 Minuten. Diese Nichterklärung kann sich die Bahn wirklich sparen, denn was ist eine Verzögerung anders als eine Verspätung? Im Grunde sagt die Bahn, dass der Zug wegen einer Verspätung eine Verspätung hat. Das ist nichts Anderes als eine klassische Tautologie wie die Aussage, dass ein Schimmel weiß sei.

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