Mit der Bahn von Nord nach Süd

Heute mittag bin ich von Hamburg-Harburg zu einem morgigen Termin nach Mannheim gefahren. Und zwar mit der Bahn, denn mit ihr brauchte ich vom Büro ins Hotel gut fünfeinhalb Stunden, mit dem Flugzeug wäre es über Frankfurt kaum schneller gegangen.

Da es zur Mittagszeit los ging, hatte ich nach dem Umsteigen in Hannover Hunger und ging in den Speisewagen. Die Mitropa versucht die Küche mit von Schubeck konzipierten Gerichten zu verbessern, ich habe mich aber an das auch schon in vor-Mitropazeiten gereichte Hühnerfrikassee gehalten.

Während ich kurz vor Göttingen am Essen war, kam ein leicht schwankender asiatisch aussehender Mann von etwa vierzig Jahren in den Wagen und setzte sich neben eine sehr hausfraulich aussehende Deutsche im Alter von etwa 60-70 Jahren und fing mit ihr ein Gespräch an. Seinem gebrochenen Deutsch war zu entnehmen, dass er seit 5 Jahren in Hamburg lebt, aus Estland stammt, aber eine kirgisische Mutter habe. Er sei auf dem Weg, seine Kinder in Nordhausen zu besuchen.

Geduldig und all ihre mütterliche Erfahrung ausspielend, unterhielt sich die Frau geduldig mit ihm und nahm seine Antworten in gebrochenem Deutsch zur Kenntnis. Sanft und mit der Unterstützung der Kellnerin und der Zugbegleitung hielt sie ihn davon ab, noch etwas zu Essen zu bestellen und sorgte durch beständiges Einreden dafür, dass er fluchend und „Sch..e“ rufend tatsächlich in Göttingen den Zug verließ.

Die arme Frau war so erschöpft, dass sie sich an den Tisch einer anderen Frau in gleichem Alter setzte und mit ihr einen Kaffee trank, wobei sie mehrfach bemerkte, dass sie so etwas noch nicht erlebt habe. Danach war es ruhig im nur spärlich besetzten Speisewagen.

Wenn der Zug in den Mittelgebirgen um Kassel nicht in dunklen Tunneln war (in denen teilweise der Empfang mit dem iPhone erstaunlicherweise besser als außerhalb war), zog draußen die mittlerweile doch recht grüne Landschaft vorbei. Auf den Feldern waren Gruppen von wild und sogar ein Storchenpaar zu sehen, das einen sprießenden Acker nach Nahrung absuchte.

Langsam wurden die Backsteinhäuser in den Dörfern durch weiß verputzte 1-2-Familienhäuser, die norddeutschen Kirchen mit ihren wehrhaften Türmen durch solche mit Zwiebeltürmen ersetzt.

Und als dann der Zug die Rhein-Main-Ebene erreichte, wurde plötzlich klar, dass Frühling ist. Die Forsythien zeigten nicht nur Knospen, sondern standen in voller gelber Blüte, es gab Bäume voll mit rosa, andere mit violetten Blüten. Besonders auffällig allerdings waren die vielen Sträuche und Bäume mit dichtem Besatz von weißen Blüten, bei den mein noch vom Winter beeinflusstes Gehirn sich zuerst noch wunderte, wie sich den bei diesen Temperaturen und um diese Tageszeit so ein dicker Reif entwickeln könne.

Noch einmal wurde dann das frühlingshafte Denken aus aktuellem Anlass doch getrübt, als der Zug den Bahnhof von Biblis passierte. Doch dann war Mannheim erreicht, übrigens auf die Minute pünktlich.

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