Mein erstes Mal Berlin

Als Junge (und in Maßen auch jetzt) habe ich den Fußball geliebt. So ungefähr mit 13 Jahren habe ich meine Eltern bedrängt, ich wollte gern in einen Fußballverein eintreten. Doch da biss ich auf Granit, Fußball kam absolut nicht in Frage. Ich würde meine Eltern als Kleinbürger bezeichnen und da musste man sich in den 60er Jahren abgrenzen gegenüber den Proleten, und Fußball galt als Proletensport.

Nach einigem Hin und Her wurde es mir dann gestattet, in einen Leichtathletikverein einzutreten. Damals war der Verein, in den ich eintrat, durchaus renommiert, auch auf der nationalen Ebene. Es war der SV St. Georg in Hamburg-Hamm. Obwohl nur zweite Wahl,tat mir das Training bei den Leichtathleten gut, vorher hatte ich bei den Bundesjugendspielen nichts gerissen, ein Jahr im Verein und ich gewann eine „Lübkeurkunde“. So hieß damals die große Urkunde, denn die Bundesjugendspiele standen unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten, und der hieß damals Heinrich Lübke.

Wenn man in einem Sportverein ist, auch wenn man nicht zur Spitzenklasse gehört, sind Wettkämpfe immer angesagt. Und so war es dann in einem Winter Mitte der sechziger Jahre, dass ich bei einem Hallensportfest des SV Charlottenburg in der Staffel mitlaufen sollte. Ich hatte mich gefreut und sah dem Ereignis in fruediger Erwartung entgegen. Am Samstag morgens sollte es losgehen mit einem Bus über die Transitstrecke.

Am Freitag stellten wir allerdings fest, dass ich für diese Reise unbedingt einen Kinderausweis benötige. Woher nehmen und nicht stehlen? Es war Hektik angesagt und nach einigem Herumfragen taten wir einen Spätdienst der Hamburger Behörden auf, der dieses Dokument am Freitag Abend noch ausstellen konnte.

Aufgeregt stieg ich dann am Samstag in den Bus, und ich erinnere mich noch, wie ich mir in der Halle des SV Charlottenburg die Lunge aus dem Hals lief. Welchen Platz wir errangen, weiß ich nicht mehr, die Erinnerungen an das Event sind aus sportlicher Sicht positiv.

An Berlin als Stadt erinnere ich mich nicht mehr im Zusammenhang mit dieser Gelegenheit, und nur im Nachhinein gewinnt das Ereignis Bedeutung, denn jetzt bin ich ja in Berlin zuhause.

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