WTF

Zur Zeit arbeite ich in Verhandlung mit der EU-Kommission an dem Vertrag für ein Projekt, was von den Gutachtern unter Auflagen angenommen wurde und an dem auch unsere Firma beteiligt ist. An diesem Kollaborationsprojekt sind 8 Organisationen beteiligt aus Deutschland (4) sowie Italien, Spanien, Finnland und Rumänien. Die Hauptaufgabe ist jetzt, sich mit dem Ansprechpartner bei der EU auf eine Description of Work (DoW) zu einigen, was so etwas wie ein Pflichtenheft ist, für die die etwas von technischen Projekten eine Ahnung haben.

Am Dienstag Nachmittag habe ich die erste Version der DoW an die Kommission abgeschickt, den Hauptteil als Word-Dokument in einem Modus, in dem die Änderungen gegenüber dem Antrag gekennzeichnet sind. Nur für die Arbeitspakete habe ich ein Onlinetool der Kommission benutzt, weil das einige notwendige Tabellen automatisch erzeugt wie Ergebnislisten, Meilensteine oder die Personalverteilung auf die Arbeitspakete.

Gestern war dann so ein Tag, wie er vorkommen kann. Zunächst kam unser Konsortialführer und beschwerte sich, dass ich bei ihm und uns zusammen 18.000 Euro zuviel abgezogen habe und dafür ein anderer Partner, den er (ein deutscher Professor) mir gegenüber schriftlich als Arschl…. und Fuzzi bezeichnet hat, eben diesen Betrag zuviel zugewiesen bekommen hat. Dazu muss man wissen, dass es sich um ca. 0,6 % der EU-Förderung handelt und wir als Konsortialführer das im laufenden Projekt locker wieder reinholen können. Wenn schon vor Projektbeginn schon solche Ressentiments aufgebaut werden, frage ich mich, wie das später mit der Zusammenarbeit klappen soll.

Nachdem ich die DoW abgeliefert hatte, habe ich ein webbasiertes Projektmanagementtool eingerichtet,  mit dem ich sehr gute Erfahrungen gemacht habe. Da kam dann ein anderer Projektpartner und meinte, es sei Firmenvorgabe, nie Daten im Web oder in der Cloud zu hinterlegen wegen der Datensicherheit. Da half es nicht, dass ich erklärte, dass die Daten in einem Hochsicherheitszentrum hinterlegt werden, täglich gesichert werden, wobei jede Sicherung für 7 Tage aufbewahrt wird, dass das Rechenzentrum gegen Naturkatastrophen, Stromausfälle und Eindringlinge gesichert ist und seit zehn Jahren keinen erfolgreichen Hack zu verzeichnen hatte. Nein, die Dokumente per Email zu verteilen wird als sicherer angesehen… Vorfälle wie der Datenverlust bei Amazon oder Lecks wie bei Sony helfen meinen Argumenten da nicht wirklich weiter. Dabei ist die Schwachstelle bei der Datensicherheit erwiesenermaßen der Mitarbeiter, der offiziell auf Daten zugreifen kann, und fahrlässig oder wissentlich die Datensicherheit untergräbt.

Zu guter Letzt kam dann der Ansprechpartner bei der EU und wollte die Beschreibung der Arbeitspakete als Worddokument mit Änderungsverfolgung haben. Hatte ich natürlich nicht, weil ich gedacht habe, mit der Nutzung des von der EU gewünschten Tools etwas besonders Gutes zu tun.

Aber was tut man nicht alles, mein Arbeitsvertrag läuft am Ende August aus, und wenn das Projekt was wird, dann ist ein neuer Vertrag über 3 Jahre sicher. So, WTF.

Übrigens, ich wurde auf Twitter darauf aufmerksam gemacht, dass Berlin einen Senator für WTF hat 😉

Post to Twitter Post to Delicious Post to Digg Post to Facebook

Dieser Beitrag wurde unter Arbeitszimmer veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Kommentare zu WTF

  1. Dr. Ogen sagt:

    ja 18.000 € sind doch peanuts, weiss garnicht was der sich so aufregt.

  2. Axel sagt:

    Ich merke die Ironie, aber 18.000€ sind in einem Zusammenhang viel Geld, in einem anderen im Bereich von Rundungsfehlern.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.