Berlin, faszinierende Schlampe

Nach zehn Jahren Berlin hat Modeste eine wunderbare Liebeserklärung an die Stadt in Schriftform gegossen, meiner Ansicht nach durchaus vergleichbar mit Peter Fox Hommage in Schwarz zu Blau . Ob dieses Artikels werden sogar Exilberliner bzw. Neuhamburger schon fast wehmütig wie Svensonsan mit diesem begeisternden Verweis auf Modeste.

Ich habe auch so lange wie Modeste meinen Lebensmittelpunkt in Berlin und werde immer noch oft gefragt, welche Stadt denn schöner sei, Hamburg oder Berlin. Meine vorsichtige Antwort ist dann immer, dass Hamburg reicher und schöner sei, dafür Berlin ärmer, aber spannender.

Vielleicht ist der Vergleich mit Frauen dabei gar nicht so schlecht. Hamburg ist dann die Dame, etwas etepetete, etwas langweilig, eher die unberührbare Mutter mit einem Mariatouch. Berlin dagegen ist die Schlampe, ja, fast die Hure, die Frau nach der sich viele sehnen, wenn sie von Mama genug haben, die Frau die nicht fein, aber sexy ist.

In den 80er Jahren war ein Buch von Klaus Theweleit sehr populär in Westdeutschland: „Männerphantasien“. Das Buch behandelt eher die Entwicklung und psychoanalytischen Hintergründe von faschistischen Männertypen. Aber für die Leute, die das Buch gelesen haben: für mich repräsentiert Hamburg eher die weiße Frau, die Krankenschwester, die gute Mutter, die Nonne, die „Heilige“, während Berlin die rote Frau ist, die Hure, die Begehrte, die Faszinierende, aber auch gesellschaftlich Verachtete.

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