Ruhestand

Morgen geht jemand in den Ruhestand, der mich mein ganzes Berufsleben begleitet hat. Nein, ich meine nicht Herrn Uhrlau, den Präsidenten des Verfassungsschutzes. Vor fast 35 Jahren hatte ich gerade die Prüfung für das Diplom in Mathematik und Informatik abgeschlossen und suchte nach einem Job, ursprünglich übergangsweise bis zur Gewährung eines Promotionsstipendiums. Da fand ich am schwarzen Brett an der Uni einen Zettel, auf dem eine Softwarefirma Studenten suchte, die sie zum Programmieren eines bestimmten, exotischen (wie sich später herausstellte) Rechners ausbilden wollte.

Ich dachte, dass das was wäre und machte dann einen Termin in der Firma ab. Und irgendwann stand ich dann vor diesem Altbau, in dem die Firma ihren Sitz in einer Hanburger Altbauwohnung in der Nähe der Universität hatte. Ich klingelte, die Tür ging auf und T. stand vor mir, die erste Person, die ich in meinem Berufsleben kennen lernen sollte. T. war und ist eine, ja, wie soll ich es sagen, alterslose Frau, die mich an gewisse typische Französinnen erinnert, schlank bis hager, was sie auch bis heute geblieben ist. Sie begrüßte mich freundlich, und wie es das Leben dann so wollte, gab ich den Antrag für mein Stipendium nicht mehr ab, sondern arbeitete zunächst als Angestellter und dann als Gesellschafter dieses Unternehmens, das basisdemokratische Ansätze hatte, so dass ich nach zwei Jahren auch Gesellschafter wurde, wie es auch T. war, die als Assistentin des GF und irgendwie auch als Mutter der Firma funktionierte.

Technisch waren wir gut, mit dem Verkaufen haperte es allerdings. Auch wenn das Produkt, von dem viele von uns so begeistert waren, eine frühe ISDN-Karte für PCs, es sogar in die Ausstellung des Deutschen Museums in München geschafft hatte, ging es mit unserer Firma den Bach hinunter und fast zeitgleich mit der Wiedervereinigung trennte ich mich von dieser Firma, um beratend im internationalen Bereich und später bei einer Multimediafirma der New Economy in Berlin zu arbeiten.

Aber die Internetblase platzte, das alte Netzwerk funktionierte, und so kam ich mit meinem jetzigen Arbeitgeber in Kontakt. Und wie es die Ironie des Schicksals wollte, übernahm dieser Arbeitgeber eine Firma, bei der T. mittlerweile gelandet war. Und morgen geht T. in den Ruhestand, auch bei mir wird das sicher nicht mehr lange dauern, und ich freu mich drauf, nicht wegen des Verlusts der Arbeit, sondern weil dann das Pendeln zwischen Hamburg und Berlin ein Ende hat. Die Zeit der gemeinsamen Arbeit hatte ihre Höhen und Tiefen, Freuden und Enttäuschungen, ich erinnere mich aber gerne daran zurück.

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Ein Kommentar zu Ruhestand

  1. t. sagt:

    lieber axel, habe lust, unsere spannenden zeiten aufzuschreiben – vielleicht treffen wir uns dann wieder … t

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