Summerschool und deutsches Kulturgut

Heidelberg

Nach einem Managementmeeting am Montag habe ich mir in Mannheim hochspezialisierte Vorträge aus dem Gebiet der chemischen Bioanalyse angehört. Anlass war die Summerschool eines Initial Training Networks , in dem Studenten, großzügig finanziert von der EU, an ihren Doktorarbeiten zu diesem Themenkomplex arbeiten. Kombiniert war das Ganze mit einer Halbzeitbegutachtung durch die Projektbetreuer der Europäischen Kommission, die ein besonderes Auge gerade auf dieses Projekt geworfen haben, da es mit 24 jungen Forschern das größte Netzwerk dieser Art ist – und es auch bleiben wird, da die EU mittlerweile die Größe der Netzwerke auf maximal 14 Doktoranden beschränkt hat. Das Ganze fand statt bei einer großen Pharmafirma in Mannheim, für die ich am Projektantrag mitgearbeitet habe und die ich auch bei der Durchführung des Projektes berate.

Heidelberg Schloss

Das Review ist gut gelaufen, außer Kleinigkeiten hatte die EU nichts zu beanstanden. Und auch am folgenden Tag durfte ich Diskussionen und Vorträge hören zu chemischen Substanzen wie azadipyromethanes. Eigentlich ist so ein gelungenes Review ein Grund zum Feiern und Tanzen, besonders da dieses Netzwerk zu exakt gleichen Teilen aus männlichen und weiblichen Forschern besteht, aber das Tanzen eines Kongresses ist offensichtlich heute nicht mehr so in Mode, das letzte Mal, dass mir das untergekommen ist, war bei einer Tagung eines viel größeren Netzwerks in Tartu.

Schlossführer Heidelberg

Ein Ausflug gehört aber zur guten Praxis einer solchen größeren Zusammenkunft, und da Heidelberg nicht weit entfernt ist von Mannheim, hatten die Veranstalter einen Bus gechartert und eine Führung durch das Heidelberger Schloss organisiert, geführt von einem Studenten (?) gekleidet in einem Kostüm aus dem Barock, dass vielleicht den Kurfürsten von der Pfalz darstellen sollte, dem das Schloss gehörte.

Schlossgraben Heidelberg

In der Führung wurden auch viele Teile des Schlosses gezeigt und begangen, die bei einer „freien“ Besichtigung nicht zugänglich sind, wie die Kasematten, die Begehung des Burggrabens, das Besteigen des höchsten zugänglichen Punktes des Schlosses oder die Besichtigung des Königssaales. Begleitet wurde das dann von Anekdoten wie der, dass das Schloss einmal die größte Bibliothek der Welt beherbergte mit 17.000 Bänden, die dann aber von einem der größten Räuber der Weltgeschichte abtransportiert wurde nach dem Dreißigjährigen Krieg, nämlich dem Papst.

Heidelberger Schloss

Man sollte übrigens nicht dem Fehler verfallen, dass das Schloss im Zweiten Weltkrieg oder in jüngerer Zeit zerstört. Das waren die Franzosen in den Jahren 1689 und 1693, die Ruinen stehen da also schon einige Zeit als solche. Mark Twain fand das besonders schön als er sich um 1860 in Heidelberg aufhielt, er bedankte sich bei den Zerstörern, da das Schloss so viel schöner sei als als Ganzes. Wozu mir einfiel, dass das nicht unbedingt ein Wunder ist, denn relativ kurz zuvor haben sich die Leute, die es sich leisten konnten, künstliche Ruinen in ihre Gärten stellen lassen.

Heidelberger Schloss im Abendlicht

Das Treppauf und Treppab war (für mich) doch etwas anstrengend, so dass ich mir in der Wartezeit, bis der Bus kam, in einer Studentenkneipe zwei große Gläser Bier gönnte. Der wird bzw. die Bedienung war etwas urig und kannte seine Preise nicht so ganz: er wollte 6,40 haben, wo ich ihn dann darauf hinwies, dass es laut Tafel eigentlich 7,80 sein müssten. Worauf er meinte, weil ich so ehrlich sei, gäbe er es mir für 7 Euro.

Altstadt Heidelberg

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