Esskulturforschung

Saure Nieren mit Roesti

Im Spon ist ein hochinteressantes Interview mit einem „Esskulturforscher“, Marin Trenk, zu lesen, der über globale Trends in der Esskultur spricht. Zum Beispiel dürfte jemand, der das Vietnamesenviertel in Paris oder die Chinatown in Toronto kennt, der folgenden Aussage zustimmen:

Die asiatischen Esskulturen haben sich stark ausgebreitet, wenngleich sie gerade in Deutschland stark deformiert wurden. Die meisten asiatischen Küchen haben eine Selbstbanalisierung durchlaufen, um sich behaupten zu können. Die chinesische, indische und thailändische Küche in Deutschland sind sich darin insofern ähnlich, als dass sie nur sehr wenige Gerichte ihrer Herkunft anbieten. Wo auch Gäste aus den Heimatländern verkehren, gibt es häufig zwei Speisekarten, da sind kulinarische Parallelwelten entstanden. Die japanische Küche hat es viel besser geschafft, sich auf einem hohen Niveau zu exportieren, als die der asiatischen Nachbarn.

Er meint richtigerweise, dass in Deutschlandn das Kulinarische weit weniger gewürdigt wird als in manchen Nachbarländern, da helfe auch nicht, dass bei einigen wenigen Deutschen plötzlich Pastinaken oder ähnliches beliebt sind.

Ein anderes Thema sind die Innereien. Ich freue mich immer wieder, wenn ein Restaurant seltenerweise Leber oder Nierchen anbietet. Und wenn ich in Frankreich esse, versuche ich meistens einmal „rognon“, also Nieren zu bekommen. Trenk sagt dazu:

(Innereien werden) Nicht nur gemieden, es wird ihnen mit Ekel begegnet. In fast allen Kulturen werden Innereien als Delikatesse geschätzt, wir gehen da einen kulinarischen Sonderweg. Noch 1965 galt das Eisbein als Leib- und Magenspeise der Deutschen – für meine Studenten heute zählt es zu den verabscheuungswürdigen Speisen.

Interessanterweise bestätigt er eine Beobachtung, die ich auch schon gemacht habe, nämlich dass die französische Küche an Bedeutung verliert gegenüber der italienisch-mediterranen oder der asiatisch-japanischen. Sie war zu lange arrogant von sich überzeugt und hat (anders als die Engländer) nichts aus der Küche ihrer Kolonien übernommen. Ein Globalisierungsverlierer.

Foto: mpellegr Lizenz: Creative Commons Attribution 2.0 Generic

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Ein Kommentar zu Esskulturforschung

  1. Anita sagt:

    Ach ja, Esskultur in Deutschland, das ist ein heißes Eisen. Wie sage ich immer? Was der Bauer nicht kennt frisst er nicht! Ja da ist leider etwas wahres dran, ich habe z.B. gestern Hühnerleber gebraten und mit Hühnerherzen eine leckere Suppe gekocht. Vor kurzem hatte ich Bregen im Bierteig gemacht. Eisbein ist doch total lecker, ich kann mir schon denken warum es heute auf der Blacklist gelandet ist, da ist ja Fett dran! Baaah igitt.

    Mein Asiate (Thailänder) hat eine fantastische Süß-Sauersuppe, dafür lohnt sich fast jeder Weg, da ich ja leider gesundheitlich oft nicht so kann wie ich gerne möchte, hat er mir sein Rezept verraten und ich bin jetzt in der Lage seine Suppe nach zu kochen. Er war vollkommen erstaunt, das ich als Deutsche ihn gebeten habe „Nicht-Deutsch“ zu kochen sondern bitte so wie er für sich kochen würde. Ich mag diese eingedeutschte Küche nicht, da fehlt der Charakter der Speisen.

    Ich koche mich querbeet durch die Weltgeschichte und versuche immer möglichst dicht an die Originalküche zu kommen.

    Morgen gibt es gefüllte Paprikaschoten aber nicht diese runden Hollandpaprika, nein das müssen bei mir die gelben oder roten Spitzpaprika sein alles andere lasse ich nicht gelten, das wäre eine Verstümmelung und Kastration dieses leckeren Essens.

    Ich wünsche allen ein bisschen Experimentierfreude und einen Guten.

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