Traditionszug

Dampflok 528177-9

Gestern war es dann so weit, unsere Fahrt mit dem Traditionszug in den adventlichen Spreewald konnte starten. Los ging es mit einer Viertelstunde Verspätung vom Bahnhof Lichtenberg, wo die Eiszapfen nur noch außen an den Waggons hingen, da der Zug eine halbe Stunde vorher in Spandau gestartet war.

Der Zug besteht aus 9 Waggons plus einem Mitropaspeisewagen. Teilweise sind das 60er-Jahre-Waggons der DR, teilweise Vorkriegswaggons mit offener Plattform. Wer sich für die genaue Zusammenstellung interessiert, kann sie hier finden. Unser Wagen war übrigens ein Waggon zweiter Klasse der DR (Bghw – Wagen 8 im Zug), da ich Hannas Rücken die Holzklasse nicht zumuten wollte.

Hanna im Zug

Hanna hat immer Schwierigkeiten, die Wohnung zu verlassen, weil sie unser Heim so schön findet, ist aber häufig fröhlicher Dinge, wenn sie dann unterwegs ist, wie man auf diesem Bild sieht.

Lokführer

In Lübbenau hatte der Zug sogar etwas von seiner Verspätung eingeholt und der Lokführer war guten Mutes und genoss die Bewunderung der mitreisenden Eisenbahnfreunde, während der Heizer den Kessel fütterte für die Weiterfahrt nach Cottbus, von der Zug am Nachmittag dann nach Lübbenau zurückkehren sollte. Ich hatte mich auch schon auf dem Nachbarbahnsteig bereitgestellt, um die Abfahrt des Zuges zu filmen, aber Pustekuchen. Rund um die Lok nahmen die Aktivitäten zu, erst kam das kleine Ölkännchen, dann das große, dann das sehr große. Wie sich später feststellte, hatte die Lok einen Lagerschaden erlitten, der auch unsere Rückfahrt am Nachmittag verhindern sollte.

Restaurant Charleston Lübbenau

Da wir nicht gefrühstückt hatten, suchten wir erst einmal ein Restaurant auf, dass ich vorher im Internet recherchiert hatte, da in solchen touristisch orientierten Orten es sehr einfach ist, in sogenannte „Tourist Traps“ zu stolpern, also Lokalitäten, die nicht so unbedingt ein gutes Preis-/Leistungsverhältnis bieten.

Beim Restaurant Charleston schien das anders zu sein und der Eindruck bestätigte das auch.Das Restaurant ist nett eingerichtet mit vielen alten (nachgemachten) Werbetafeln an den Wänden. In die Küche kann man hineinsehen und den Köchen bei der Arbeit zusehen. Die Speisekarte ist zwar permanent, aber überschaubar genug, so dass nicht allzu viele Gerichte aus der Mikrowelle zu erwarten waren. Hanna hatte den gefüllten Semmerbraten, einen ordentlichen Rinderbraten mit knackigem Wintergemüse, gemischt mit u.a. Erbsen, Rosenkohl und sogar Sellerie (?), dazu Serviettenknödel, die sie besonders gerne mag. Ich hatte die Tournedos mit dem gleichen Gemüse und sehr schönen Kartoffelspalten, die nicht so unbedingt nach Tiefkühlware aus dem Gastronomiegroßhandel schmeckten (und wenn, dann war es exzellente Qualität). Die Tournedos (kleines Steak aus dem Filet, ca. 2 cm dick, 80-100g) waren in der Speisekarte zwar nicht korrekt geschrieben und die Kellnerin kannte zwar nicht die korrekte Aussprache, aber so eine exzellente Qualität von Rindfleisch habe ich sehr lange nicht mehr gegessen.

Die Unkenntnis des Bedienungspersonals (ich hatte nach einem spanischen Brandy gefragt, worauf die Bedienung meinte, sowas hätten sie nicht, und ich sie daraufhin auf die Flasche Veterano auf dem Tresen hinwies) wurde durch eine absolute Freundlichkeit wett gemacht. Das mit dem Veteran war noch recht witzig, weil mit der Rechnung gesagt wurde, dass der nicht in der Kasse erschien und sie daher eine Goldkrone berechnet hätten. Naja, alte Gewohnheiten halt. Oder auch nicht, dafür war die Bedienung zu jung.

Verschneite Kähne

In der Ankündigung zur Spreeweihnacht war gesagt, dass man nach einem Glühwein am Hafen einen Kahn zum Freiluftmuseum Lehrte nehmen solle, eine dreißigminütige Bootsfahrt in wärmende Decken eingekuschelt. Aber, wie man oben sieht, sehen die Decken eigentlich nicht so wärmend aus. Ich hatte mit Rücksicht auf Hannas Rücken die über einstündige Bootsfahrt schon vor der Abfahrt abgeschrieben, aber dieser Eindruck verscheuchte auch den Rest von Zweifel, etwas vermisst zu haben.

Aufwärmen

Stattdessen stellten wir uns kurz an das im Hafen brennende Lagerfeuer und genossen das Gefühl, vorne zu schwitzen und hinten mit den Zähnen zu klappern (ja, ich weiß, ein uralter Schülerwitz).

Lübbenau im Schnee

Auf ging es dann zum Bahnhof, ca. einen Kilometer durch immer dichter werdendes Schneetreiben. Das an sich ist ja nicht so schlimm, aber leider kam der Wind, und damit auch der Schnee, auf dem gesamten Weg von vorne. Das führte dazu, dass Leute, die uns entgegen kamen, den Ausruf machten: „Oh, da kommen uns zwei Schneemänner entgegen!“

Am Bahnhof sind wir dann noch in die Bahnhofsgaststätte, um aufzuwärmen. Kurz vor der fahrplanmäßigen Abfahrt des Sonderzuges waren wir dann guter Hoffnung, dass es zurück ging, weil die Lok Wasser nachfüllte. Hanna ging aber zu den Leuten bei der Lok und erfuhr, dass der Schaden am Lager zu schlimm war und die Lok (und damit auch der Zug) nach Berlin zurückgeschleppt werden mussten und dass wir mit dem Fahrschein den Regionalexpress nehmen könnten.

Da war er aber gerade vor fünf Minuten gefahren, so dass wir das Bahnhofsrestaurant in Lübbenau noch ein wenig genießen konnten. Da Fahrplanwechsel war, sind wir dann in einen dieser typischen roten Regionalexpresszüge der Deutschen Bahn eingestiegen und ich wunderte mich über die unbekannten Uniformen. Kein Wunder, seit gestern wir die Linie Cottbus -> Wismar von der ODEG bedient, die aber die vorgesehenen Züge nicht rechtzeitig geliefert bekam. Hört sich irgendwie bekannt an oder?

So, zum Abschluss noch ein kurzes Filmchen vom Traditionszug für diejenigen, die solch einen Zug auch gerne hören.

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4 Kommentare zu Traditionszug

  1. Hanna sagt:

    Ja es war wirklich ein Abenteuer, denn es war ein tag, weg von den Katzen, was mir immer schwerer fällt, denn ich vermisse sie schon beim Abschließen der Türe, aber andererseits war es auch schön, trotz des heftigen Schneetreibens…und dann ist es wunderbar wieder ins heimische, schon winterlich geschmückte Schlösschen in Friedrichshain zu kommen. Und ich habe geschlafen wie ein Stein, obwohl Axel sagte heute morgen..Steine schnarchen nicht…..

  2. Indica sagt:

    Wie schön, das will ich auch machen. Nächstes Jahr dann.

  3. Clarissa sagt:

    Ach ihr Lieben, ich beneide euch immer wenn ich so etwas schönes lese. So ist es mir ein klein wenig möglich so etwas wenigstens aus dritter Hand zu erfahren, ich sage euch ein großes Dankeschön für den netten Bericht und die Bilder. Schade, dass das alte Dampfross auf der Hinfahrt einen Schaden erlitten hat und der Spreewaldkahn nicht das optimale Verkehrsmittel bei so einem Wetter war.

  4. Hanna sagt:

    Clarissa es ist schön, daß du ein wenig Freude hast, denn für mich ist es auch etwas ganz Besonderes, wenn wir solchen Abenteuer Ausflug machen…

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