Münchener Woche

19.02.2013 (Di.)

Mittlerweile tobt auch in der S-Bahn ein heftiger Konkurrenzkampf. Auf der Fahrt zum Südkreuz stieg einer dieser Typen ein, die mit furchtbar weinerlicher Stimme für die Störung entschuldigen, aber es ginge ihnen schlecht wegen eine chronischen Krankheit, deretwegen sie leider nicht arbeiten könnten… In diesem Moment setzt eine Tür weiter eine aus vier südl.ndisch aussehenden Männern bestehende Blaskapelle ein, Trompeten und ein Saxophon, dazu eine Lautsprecherbox mit einer CD, von der das Schlagzeug tönt. Gegen diese, gar nicht mal schlecht spielende Combo kommt der Lamentierer natürlich nicht an und geht deshalb wütend auf das Quartett los. Das lässt sich nicht stören und spielt weiter, und da einer gegen vier etwas ungleich besetzt ist, kommt es auch nicht zur Schlägerei, auch wenn der Einzelne so aussah, also ob er kurz davor war.

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In Leipzig stieg ein älterer Herr ein und setzte sich an den Nachbartisch zu einem etwa 30jährigen Mann. Und wartete offensichtlich nur auf eine Gelegenheit, diesen vollzuquatschen. Offensichtlich ein pensionierter Kunst- und Kulturhistoriker entpuppte er sich als richtiger Kulturpessimist: die letzte kulturelle Blüte gab es im 19. Jahrhundert, danach ging es nur bergab, Thomas Mann war der letzte richtige deutsche Schriftsteller (übrigens 20. Jahrhundert), die Rechtschreibreform habe den Niedergang der deutschen Sprache besiegelt, Kitas sind Mist, Kinder entwickeln sich nur kulturell, wenn sie bei der Mutter aufwachsen usw. Und so jemand hat nach eigenen Angaben also als Professor an einer süddeutschen Universität gearbeitet. Ich würde ihn nicht als Kulturpessimist bezeichnen, sondern schlicht als reaktionär.

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Warum kann so ein schlaues Gerät wie mein iPhone nicht erkennen, ob man eine englische oder deutsche Mail schreiben will und die Rechtschreibprüfung entsprechend einrichten?

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Bei der Ankunft in München hat es heftig geschneit und es lagen so schätzungsweise 3-5 cm frischer Schnee, jedenfalls so viel, dass ein halber Kilometer Fußweg zum Hotel nicht so wirklich viel Spaß machten mit einem Rollkoffer an der Hand.

20.02.2013 (Mi.)

Der Blick aus dem Frühstücksraum führt hinaus auf eine kleinen Vorgarten mit malerisch eingeschneiten Bäumen.

Schnee in München

Anlass meiner Fahrt nach München war ein dreitägiges Seminar mit dem Thema „Creating value from knowledge – from idea to product“, das meine Chefin und ich für eine Gruppe vom fast zwanzig Doktoranden der Chemie abhielten. Das Hotel ein 4-Sternehotel in einem Gewerbegebiet in München-Riem, wo früher der Münchener Flughafen war, um einiges näher an der Stadt als der jetzige. Für die Seminarteilnehmer aber weit genug, um nicht mal zwischendurch einen Ausflug in die Münchener Einkaufsstraßen zu wagen. Die Vollverpflegung, die organisiert war, war gerade so gut genug, dass man sie knapp 3 Tage aushalten konnte.

21.02.2013 (Do.)

Den jungen Frauen und Männern macht das Seminar offensichtlich richtig Spaß. Es sind alles Doktroanden aus einem von der EU finanzierten Marie-Curie-Netzwerk, das einen Beitrag leisten soll zur zukünftigen Forschergeneration in Europa.

Ein Detail fiel mir gleich zu Anfang auf, ich weiß nicht, ob das ein Zeichen der heutigen Generationen ist. Bei diesen Netzwerken fordert die EU strikt eine 50:50 Verteilung zwischen Frauen und Männern, so auch in diesem Projekt. Und was passierte? Zusammen saßen auf der einen Seite die Männer, dann die Gruppe der
Frauen und nahe der Tür die kleine Gruppe der zu spät gekommenen Männer. Für mich ist das irgendwie ein Zeichen, dass wir von der Gleichberechtigung im Beruf noch sehr weit weg sind, wenn die Trennung nach Geschlechtern noch so im Kopf der Beteiligten fest sitzt.

22.02.2013 (Fr.)

CHEBANA SeminarHeute hatten dann die Teilnehmer die Gelegenheit, dass an den vorigen Tagen Gelernte in ein Fallbeispiel umzusetzen. Eine Gruppe stellte die Forscher und Entwickler dar, die andere das Marketing und sie sollten für eine Firma, die auf dem Gebiet der Biosensoren arbeitet, ein neues Produkt erarbeiten. Es kam auch durchaus etwas Pfiffiges dabei heraus, was ich hier nicht veröffentlichen möchte, falls die Doktoranden das eventuell noch rechtlich schützen möchten 😉 Das Bild zeigt Francesco und Andrea stolz vor dem Flipchart ihrer Präsentation.

Und dann ging es von Riem zum neuen Flughafen FJS und dann zu meiner Hanna.

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2 Kommentare zu Münchener Woche

  1. joki sagt:

    So ein schlaues Gerät wie Dein iPhone kennt QWERTZ- und QWERTY-Tastaturlayouts. Schalte um und die Rechtschreibkorrektur folgt.

  2. Axel sagt:

    Ach, @joki, wenn ich umschalten wollte, dann würde ich einfach die Sprache auf Englisch setzen. Ich meinte ohne Umschalten natürlich 😉

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