Eitelkeiten

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Jetzt in der Rekonvaleszenz habe ich alle Zeit der Welt, sinnlose (?) Sachen zu machen. Eine davon ist ein Flash Game, das sowohl Hanna als auch ich spielen. Das Spielen ist eine Ding, aber dieses Spiel hat viele interessante soziale Aspekte. So viele Leute spielen das nicht, da gibt es auf Facebook eine Menge andere, die Größenordnungen mehr „Likes“ haben. Aber die Entwickler dieses Spiels haben sorgfältig nachgedacht, eine Zielgruppe von älteren Leuten ins Auge gefasst (kein Kinderspiel also), die dann auch ein wenig finanzkräftiger sind. Dazu ein gut ausgedachtes Updatekonzept und ein Superservice.

Und das Konzept scheint aufzugehen, die Firma wächst und gedeiht. Und das bei einem „kostenlosen“ Spiel, bei dem, wie auch bei anderen üblich, viele für die interessanten Sachen dann doch Geld ausgeben. Es haben sich dann auch einige Gruppen entwickelt, und mittlerweile bin ich Administrator bei einer dieser Gruppen, eine mit handverlesenen Mitgliedern, bei denen vor der Aufnahme ein Standardcheck durchgeführt wird. So weit, so gut.

Um das Spiel geht es mir auch gar nicht, sondern um eine weiter gehende Beobachtung. Gestern gab es einige Dramen, Mitglieder, gegenwärtige und ehemalige Admins gifteten sich an, Austritte, Rausschmisse usw. usf. Und wie ich schon gesagt habe, handelt es sich bei den Spielern um gestandene Leute in der zweiten Lebenshälfte meiner Schätzung nach. Alle geben vor, das Beste zu wollen, schwächeren Spielern zu helfen, die Freude am Spiel zu fördern, zu lachen und Spaß zu haben.

Irgendwo kommt mir das bekannt vor, man kann das noch nicht einmal unter dem Begriff Vereinsmeierei zusammen fassen, es ist ganz etwas Anderes, was man in geförderten sozialen Projekten, auch in Vereinen, sogar in der Politik findet. Überall behaupten die Leute, es gehe ihnen um die Sache, sie wollen helfen, finden ihre Vorstellungen richtig, wollen etwas bewegen.

Und worum geht es wirklich? Um persönliche Eitelkeiten. Um persönlichen Vorteil. Um Anerkennung. Um vieles, was rein egoistisch ist, aber weniger um die Sache.

Das erste Mal habe ich das erfahren, als ich mich in einem Verein engagiert hatte, der sich für die Einrichtung eines Begegnungsheims für ausländische Mitbürger einsetzte. Das war in den 70er Jahren in Hamburg-Altona. Ich war so engagiert, dass ich irgendwann mal plötzlich sogar Vorsitzender diese Vereins war. Und ich brauchte lange, dass in diesem, sehr SPD-beeinflussten Verein die Parteifreunde sich gegenseitig bekämpften, zwei verschieden Konzepte verfolgten, allein in der Absicht, sich einen Job zu verschaffen, der öffentlich finanziert war, um mit dieser Finanzierung dann eigentich weiter Lokalpolitik zu betreiben.

Darum ging es gestern nicht, es ging um mangelnde Anerkennung, um Stil, um Rang, was weiß ich.

Nur um die Sache geht es da nie.

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