Die Schwierigkeiten des Engagements in der so genannten Flüchtlingskrise

Im letzten Herbst war ja irgendwie der Höhepunkt des Zustroms von Flüchtlingen. Wie so viele andere in diesem unseren Lande haben auch wir den Entschluss gefasst, dass wir da etwas persönlich tun wollen und müssten. Also fing ich an, im Internet zu recherchieren. Randbedingungen für uns war es, dass es recht gut erreichbar für uns sein müsste und, unserem Alter angemessen, keine große körperliche Anstrengung.

Wenn man so anfängt zu recherchieren, stösst man auf wahnsinnig viele Initiative. Ein guter Anfang schien mir die Webseite des Flüchtlingsrats Berlin. Ich hatte ihn auch angeschrieben, um einen Hinweis zu bekommen, welche Organisation bei unseren Nebenbedingungen für uns geeignet wäre. Naja, di Antwort war nicht wirklich hilfreich:

Sehr geehrte Familie Wegner,

ehrenamtliches Engagement ist immer hilfreich,

bitte wenden Sie sich am besten direkt an eine der Initiativen in Ihrem Stadtteil

http://www.fluechtlingsrat-berlin.de/mitarbeit.php#Willkommen

Vormundschaften vermittelt

http://xenion.org/angebote/akinda/

Deutschkurs-Initiativen

http://www.netzwerk-deutschkurse-fuer-alle.de

Also weiter durchhangeln. Vormundschaft? Bedarf ja, aber alles belegt, nur als Beispiel. Mehrfach habe ich einfach keine Antwort erhalten, ich gehe einfach davon aus, dass di ehrenamtlichen Mitarbeiter einfach überlastet und überfordert waren. Von Link zu Link bin ich dann irgendwann auf die Schülerpaten Berlin gestoßen. Die Idee fand ich sehr ansprechend:

Schülerpaten Berlin e.V. vermittelt 1:1-Patenschaften zwischen SchülerInnen mit Migrationshintergrund und deutschsprachigen Ehrenamtlichen. Unsere PatInnen geben mindestens einmal wöchentlich bei den SchülerInnen zuhause Nachhilfe und sind darüber hinaus AnsprechpartnerIn bei Problemen und Fragen im alltäglichen Leben sowie der Berufsfindung.

Klang gut, ich habe also den Onlinefragebogen ausgefüllt und bekam auch überraschend schnell Antwort. Nach einem Informationsgespräch mit mehreren anderen Interessenten habe ich dann auch das erforderliche erweiterte Führungszeugnis beantragt, bekommen und abgeschickt und hörte dann… erstmal nichts. Der Ansprechpartner war offensichtlich weg. Nach einiger Zeit bekam ich Meldung von einer neuen Ehrenamtlichen, die einen Termin mit einem potenziellen Patenschüler vorschlug. Der platzte, weil der Schüler nicht konnte, beim nächsten Termin war nur die Mutter da, deer Schüler nicht, er wollte wohl nicht. Dann war die Ansprechpartnerin erst krank und dann nicht mehr da.

Irgendwann kam dann eine neue Nachricht. Die Schülerpaten hatten mittlerweile ein Büro und dort traf ich dann den Vater eines potenziellen Schülers, der Schüler selbst konnte wieder nicht. Aber es schien zu passen: 8. Klasse (ich wollte keine Grundschüler), Hilfe in Mathe, Englisch und eventuell Deutsch gewünscht. Also habe ich die erste Stunde vereinbart, bei der ich dann feststellen musste, dass der Schüler zwar in der 8. Klasse war, allerdings auf einer Förderschule. Er konnte noch nicht einmal das kleine Einmaleins. Damit fühlte ich mich dann doch überfordert, auch im Sinne des Schülers, ich hatte das Gefühl, dass ich da nur was falsch machen kann. Und Grundschule wollte ich nicht.

Aufgeben wollte ich aber nicht und beim 3. Mal klappte es dann: der Schüler und die Mutter waren beim Termin, wir konnten miteinander kommunizieren, und mittlerweile haben wir zwei Termine hinter uns, hauptsächlich mit Englisch und ein wenig Mathe.

Die Vorstellungen haben sich allerdings verschoben. Mohamed ist beileibe kein Flüchtlingskind, er ist in Berlin geboren und geht aufs Gymnasium, seine Noten bewegen sich nach seiner Aussage zwischen 2 und 3. Auch sein Vater, ursprünglich aus dem Libanon geflüchtet, ist schon lange Deutscher, nur seine zweite Ehefrau (die erste war eine Deutsche, sie stammt auch aus dem Libanon) spricht schlecht Deutsch und besucht noch Sprachkurse. Aber ich kann mir vorstellen, mit Mohamed einige Monate zu arbeiten.

Die Schülerpaten suchen noch viele Paten, wenn einer meiner Leser interessiert ist, bitte anmelden. Und den Schülerpaten empfehle ich, die Auswahl der Schüler und die Prioritäten zur Vermittlung noch einmal zu überprüfen und, wo es geht, zu verbessern.

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