Menschen: Die Punks

spike punkDer ICE in dem ich am Ostbahnhof einsteige, soll mich nach Dortmund bringen, mit Halt Berlin Hbf., Spandau, Hannover und Bielefeld. Ich habe es mir gerade in meinem Sitz bequem gemacht, da steigt eine Gruppe Punks in diesen Wagen, der einzige Raucherwagen 2. Klasse in diesem Zugteil. Typische Punks mit entweder Leder- oder Tarnklamotten, kettenbehängt und dem einen oder anderen Mercedesstern oder VW-Zeichen als Anhänger. Sie sind gut ausgestattet, haben einen Kasten billiges Pils dabei und Fertigpackungen mit Frikadellen und Wiener Würstchen. Zigaretten allerdings offensichtlich nicht, deswegen geht einer erst einmal durch den Wagen, um sich eine Zigarette zu besorgen, die er schließlich auch bekommt.

Sie sind nicht nur typisch im Aussehen (eines der beiden Mädchen hat eine Frisur mit Spikes in rot, wie sie in dem obigen Beispiel zu erkennen sind), auch das Verhalten ist nicht untypisch, laute Unterhaltung, nicht daran interessiert, ob andere Leute daran Anstoß nehmen oder nicht. Aus der Unterhaltung geht hervor, dass sie nach Hannover wollen, und es wird ungeniert erklärt, dass sie kein Ticket haben und darauf setzen, dass erst nach Berlin kontrolliert wird und dann sowieso keine Möglichkeit mehr besteht, sie rauszuschmeißen. Eigentlich keine so schlechte Idee.

Aber sicher haben sie nicht damit gerechnet, dass die DB offensichtlich zur Zeit eine große Zählaktion durchführt. Kurz vor Spandau kam also der Zugführer durch mit einem Zählgerät, um offensichtlich die Fahrgäste zu zählen. Diesen Vorgang unterbrach er allerdings sofort, als er die Punks sah, und fragte einen instinktiv nach der Fahrkarte. Das war kurz vor Spandau. Der Angesprochene zeigte seinen Personalausweis vor und meinte, sie wollten nach Hannover. Der Zugführer allerdings blieb hart und sagte, die Punks müssten in Spandau den Zug verlassen.

Eigentlich meine ich, dass Punks zwar gegen den Stachel löcken, aber eigentlich sehr friedlich sind. Das zeigte sich hier auch, ohne großes Murren verließen sie mit allem Proviant den Zug in Spandau. Allerdings nicht, ohne lautstark zu diskutieren, ob sie dort nicht einfach in den zweiten Zugteil einsteigen sollten.

Ob sie es gemacht haben, weiß ich nicht, aber der Zugführer sah danach absolut nicht verunsichert aus, sondern markant wie vorher. Und markant war er, er war mir schon auf der Strecke nach Hamburg einmal aufgefallen. Ich stelle mir vor… aber nein, das ist sicher eine andere Menschengeschichte.

Bild von: Shavar

Frühere „Menschen“-Artikel: Der Professor, Die Blonde, Der Gitarrist, Der 68er, Die Pappprinzessin, Der Miniaturgeneral, Die Überempfindliche, Die Kneipenbesitzerin, Der Verwirrte

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10 Responses to Menschen: Die Punks

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