Politiker

Wer hier aufmerksam liest, der weiß, dass ich das ARD-Morgenmagazin nicht leiden kann, es ist eine provinzielle, zutiefst miefige Sendung aus Köln. Ich kann da Thomas Knüwer nur zustimmen, der dazu schreibt:

Das ARD-„Morgenmagazin“ suhlt sich ja in süßen Rubriken die alles tun, nur nicht den Zuschauer informieren. Es ist Hausfrauen-Bügelprogramm am frühen Morgen.

Deswegen habe ich einen Beitrag am 28.6. auch nicht mitbekommen, sondern nur den Aufruhr, den er in den Blogs verursacht hat. Unter vielen niedlichen Rubriken gibt es in dieser Sendung die „Kinderreporter“, die Politiker in Berlin zu verschiedenen Themen befragen. Und an diesem Tag war das Internet dran. Da sagte dann Westerwelle, für ihn sei der Computer wie ein Werkzeug, wie ein Hammer. Und die Bundesjustizministerin Zypries sagte auf die Frage, ob sie einige Browser nennen könne: „Browser, was ist denn das nochmal?“. Irgendwie hätte ich bei diesen Aussagen gesagt, na, was will man denn auch anderes erwarten.

Den Vogel abgeschossen hat dann aber doch ein anderer Politiker und da fühle ich mich direkt betroffen. Bisher war ich fast sogar ein wenig stolz, im einzigen Wahlkreis in Deutschland zu leben, der einen Grünen-Politiker als direkt gewählten Abgeordneten im Bundestag hat, nämlich Friedrichshain-Kreuzberg. Und ja, ich gestehe, auch ich habe zu dieser Wahl beigetragen. Und nun ein Auszug aus den Aussagen von Hans-Christian Ströbele (wieder zitiert bei Thomas Knüwer):

Ob er einen Computer habe? „Ja, leider.“ Und war er schonmal im Internet? „Ja, ein oder zwei mal.“ Und welche Startseite hat er sich ausgesucht? Er wisse gar nicht, was das sei. Dann soll er doch mal ein paar Browser nennen. „Ich weiß, dass es ein Programm gibt, womit man mit einzelnen Fundwörter irgendetwas finden kann.“ Hat er denn eine eigene Homepage? „Genau. Ich habe eine eigene Homepage. Ich kann sie aber überhaupt nicht bedienen.“ Zitat Kinder: „Wenn er das nicht weiß, können wir die anderen Fragen ja auch direkt schmeißen“.

Die Aussagen sind eigentlich schon schlimm genug, richtig ärgerlich werden sie aber durch die Selbstgefälligkeit, mit der sie vorgetragen werden, die Koketterie, mit der manche Leute sagen, mit dem Interdingens haben sie nichts am Hut. Früher haben die Leute das vom Fernsehen gesagt und jetzt posieren sie (leider) vor den Kameras.

Hierzu ist zu bemerken, dass Ströbele Mitglied ist im Parlamentarischen Kontrollgremium, das die Geheimdienste in Deutschland kontrollieren soll. Ja, wie will er das denn machen, wenn er von einem der wichtigsten Arbeitsmittel der Geheimdienste keine Ahnung hat? Wie will er sich mit Schäuble auseinander setzen, wenn er eigentlich wissen müsste, was machbar ist im Netz und was nicht? Er kann einfach nichts sagen zu Vorratsdatenspeicherung, Terrorismusfahndung, Handyverbot und sonstiges. Ja, auch bei den verabschiedeten Urheberrechtsgesetzen hat er wahrscheinlich mitgestimmt (fairerweise muss ich sagen, ich weiß nicht wie). Urheberrechtsgesetze, die die Forschung behindern.

Es mag sein, dass das Ganze auch zeigt, dass die Grünen keine frische und moderne Partei mehr sind. Ich jedenfalls denke, es ist an der Zeit, nach ernsthaften Alternativen zu suchen.

Um es mit Boethius (Trost der Philosophie, II, 7) zu sagen: „si tacuisses, philosophus mansisses“ (hättest du nur die Klappe gehalten, so hättest du dir keine Blöße gegeben).

(Wer den Morgenmagazin-Beitrag sehen möchte, kann das hier tun).

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